„Banking ist eine Vertrauenssache“ – Interview mit LLB CEO Christoph Reich
Landesspiegel: Sie haben es mehrfach angesprochen: Eine der Herausforderungen wird sein, die nächste Generation zu Kunden zu machen. Wie geht die LLB das als etablierte Bank an?
Christoph Reich: Unsere Kundenberater sind die richtigen Ansprechpartner dafür. In der Beratung wollen wir die Situation unserer Kunden ganzheitlich erfassen. Uns interessieren die Vermögenssituation, die persönlichen und familiären Ziele und die Frage, ob eine Nachfolgeregelung besteht und wie sie aussehen soll. Wenn wir das verstehen, können wir gezielt unterstützen, sei es in der Vermögensverwaltung oder in der Strukturierung grösserer unternehmerischer und privater Vermögen. Auf diese Weise werden wir auch für die nächste Generation zu einem relevanten Partner.
Landesspiegel: Im Retail-Banking drängen Anbieter wie Revolut sehr offensiv in den Markt. Wie begegnet eine klassische Bank dieser Konkurrenz?
Christoph Reich: Wir verfügen im Direktkundengeschäft über eine solide Basis von mehr als 100’000 Kunden. Zudem haben wir in den vergangenen Jahren erheblich in die Digitalisierung investiert und unser Mobile und Online-Banking grundlegend erneuert. Mit unserer Anlage-App willbe haben wir uns Kompetenzen im digitalen Marketing und Vertrieb erarbeitet, also genau in jenen Bereichen, in denen die digitalen Anbieter ihre Stärken haben. Diese Erfahrungen fliessen nun in unser Geschäft ein. Wir wollen im digitalen Banking eine relevante Rolle spielen und gleichzeitig eine Bank mit regionaler Verankerung bleiben.
Das heisst: mit einem Standort und mit Mitarbeitenden, die man unter Umständen persönlich kennt. Das schafft Vertrauen, und Banking ist eine Vertrauenssache. Wenn es uns gelingt, auch im digitalen Raum relevant zu sein, haben wir gegenüber einem reinen Digitalanbieter ohne physische Präsenz einen klaren Vorteil.
Landesspiegel: Mehrheitsaktionär der LLB ist das Land Liechtenstein. Bei einem börsenkotierten Unternehmen ist politischer Einfluss naturgemäss begrenzt. Wie gestaltet sich dennoch das Verhältnis zur Politik, und welchen Einfluss hatte sie auf die neue Strategie?
Christoph Reich: Das Verhältnis zwischen der Bank und unserem Hauptaktionär, dem Land Liechtenstein, vertreten durch die Regierungschefin, ist auf zwei Ebenen geregelt. Zum einen durch die Beteiligungsstrategie, die auch auf unserer Website veröffentlicht ist. Darin legt das Land fest, welche Rolle es der Bank zuschreibt und wo die Schwerpunkte liegen. Zum anderen durch das LLB-Gesetz, das uns einen klaren staatlichen Versorgungsauftrag erteilt: Wir stellen den Zahlungsverkehr, das Einlagen- und das Kreditgeschäft sicher. Darüber hinaus pflegen wir einen regelmässigen Austausch mit der Regierung und der Regierungschefin, mit der wir bei der Veröffentlichung etwa auch unsere Strategie besprechen. Ebenso stehen wir im Dialog mit der Finanzkommission und den Abgeordneten des Landtags, um aufzuzeigen, wo die LLB steht und wie wir sie weiterentwickeln.
Landesspiegel: Gab es zur neuen Strategie konkrete Vorgaben seitens Regierung oder Landtag, etwa anders als bei der vorherigen Strategie?
Christoph Reich: Nein. Die Erwartungen des Hauptaktionärs sind in der Beteiligungsstrategie festgehalten, beispielsweise zur Nachhaltigkeit, zur Profitabilität und zur Unterstützung der internationalen Ausrichtung der LLB. Die Verantwortung für die Strategie liegt beim LLB-Verwaltungsrat, der die strategischen Entscheide fällt. Unsere Strategie steht vollständig im Einklang mit der Beteiligungsstrategie und dem LLB-Gesetz. Eine darüber hinausgehende Einflussnahme darf es nicht geben. Wir haben Minderheitsaktionäre, sind an der Börse kotiert, und es gelten klare Spielregeln. An der Beteiligungsstrategie hat sich nichts geändert, und eine Änderung ist derzeit nicht absehbar.

