Glück, Sinn und der Mut zum Leben – Wilhelm Schmid zu Gast im Hagenhaus
Alexa Ritter im Gespräch mit Wilhelm Schmid am 4.6.2026 in Nendeln | Foto: Gregor Meier
Was ist ein gutes Leben? Eine Frage, die die Menschheit seit Jahrtausenden beschäftigt – und auf die der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid überraschend konkrete Antworten hat. Gestern Abend war er zu Gast im Hagenhaus in Nendeln, im Rahmen der Reihe „Donnerstag im Hagenhaus – Nachfragen erlaubt“.
Schmid, 1953 in Billenhausen in Bayerisch-Schwaben geboren, wuchs mit fünf Geschwistern auf einem Bauernhof auf. Er studierte Philosophie und Geschichte in Berlin, Paris und Tübingen, promovierte 1991 über Michel Foucault und habilitierte sich 1997 mit der „Grundlegung zu einer Philosophie der Lebenskunst“. Heute lebt und arbeitet er als freier Philosoph in Berlin und gehört zu den meistgelesenen Sachbuchautoren im deutschsprachigen Raum.
Im Mittelpunkt des Abends stand sein Buch „Die Fülle des Lebens“, in dem Schmid das Glück nicht als dauerhaften Zustand, sondern als Fragmente begreift – kostbare Augenblicke, die gerade weil sie flüchtig sind, ihren Wert haben. Dabei unterschied er drei Formen des Glücks: das Zufallsglück, das uns widerfährt, ohne dass wir es steuern können; das Wohlfühlglück angenehmer Empfindungen; und das Sinnglück – das tiefste der drei.
Was Sinn bedeutet, beantwortete Schmid mit einer ebenso einfachen wie einleuchtenden Überlegung: Sinn entsteht überall dort, wo starke Beziehungen bestehen – in der Liebe, der Freundschaft, der Familie, aber auch in der Verbindung zur eigenen Tätigkeit. Wer einen Menschen an seiner Seite hat, dem er nicht gleichgültig ist, erlebt Sinn.
Schmid plädierte zudem für stoische Gelassenheit im Umgang mit den Zumutungen der Zeit – eine innere Standhaftigkeit, die sich nicht von jedem Wind erschüttern lässt. Rituale und Gewohnheiten könnten dabei helfen, dem Leben einen Rahmen zu geben und immer wieder neue Kraft zu schöpfen.
Besonders lebendig wurde der Abend, als Schmid von seiner Südseereise erzählte: Neuseeland, Fidschi, Tahiti, Chile – eine Reise, die er trotz aller Risiken gewagt hatte. Wer nie etwas riskiere, gehe verbittert aus dem Leben, war seine Botschaft. I
