Zwei Neulinge, viele Ausfälle: Fünfstücks Aufgebot für den Jahresabschluss
Konrad Fünfstück bei der Kaderbekanntgabe am 5.11.2026 | Foto: Gregor Meier
Für die letzten beiden Spiele des Länderspieljahres muss Nationaltrainer Konrad Fünfstück auf mehrere Stammkräfte verzichten. Am Donnerstag stellte er im Rahmen einer Pressekonferenz das Aufgebot für die Partien der UEFA Nations League gegen Aserbaidschan und Litauen vor – mit zwei Neulingen und einem ungewöhnlich grossen Kreis an Abrufspielern.
Liechtenstein empfängt Aserbaidschan am Freitag, 13. November, um 20.45 Uhr im Rheinparkstadion in Vaduz. Drei Tage später, am Montag, 16. November, folgt um 18 Uhr das Auswärtsspiel gegen Litauen im Dariaus-und-Girėno-Stadion in Kaunas.
Zwei Erstnominierte
Erstmals im Aufgebot stehen Verteidiger Yonas Abidi und Torhüter Tim-Tiado Öhri, beide vom FC Vaduz. Abidi, Jahrgang 2006, sei regelmässig im Stützpunkttraining des LFV dabei gewesen und führe seine Mannschaft als Captain an, sagte Fünfstück. Im Cupspiel gegen den FC Balzers habe er gegen mehrere Nationalspieler bewiesen, welche Entwicklung er gemacht habe. Er rücke nun in jene Rolle nach, die durch die Ausfälle in der Abwehr frei geworden sei.
Im Tor bilden Benjamin Büchel, Justin Ospelt und Öhri das Trio. Büchel und Ospelt hätten in den letzten Spielen sehr gut performt, so der Nationaltrainer.
Schmerzhafte Absenzen
Weniger erfreulich ist die Liste der Ausfälle. Lars Traber ist beruflich so stark eingebunden, dass er für beide Spiele absagen musste. Fünfstück bezeichnete ihn als Führungsspieler, der die Dreierkette zusammenhalte. Hinzu kommen ein weiterer beruflich bedingter Ausfall sowie drei verletzte Spieler, darunter einer, der sich im letzten Länderspiel noch hervorragend präsentiert habe und sich danach im Training schwerer verletzte.
„Gerade in einem kleinen Land fehlt einfach jeder Ausfall doppelt“, sagte Fünfstück. Grössere Nationen könnten auf ein breiteres Reservoir zurückgreifen, das sei in Liechtenstein schon wegen der Einwohnerzahl nicht möglich. Hadern wolle er aber nicht: Es sei Aufgabe des Trainers, Lösungen zu finden. Für andere Spieler biete sich nun die Gelegenheit, in eine grössere Verantwortung hineinzuwachsen.
Das Aufgebot
In der Abwehr stehen neben Abidi die erfahrenen Niklas Beck, Maximilian Göppel, Jens Hofer, Andreas Malin und Livio Meier sowie Severin Schlegel. Alle würden die Abläufe kennen und in ihren Vereinen regelmässig spielen, so Fünfstück.
Im Mittelfeld setzt er auf eine Mischung aus Jungen und Routiniers: Florian Allgäuer, Luca Beck, Marcel Büchel, Alessio Hasler, Captain Nicolas Hasler, Liam Kranz, Andrin Netzer, Aron Sele und Emanuel Zünd. Von Allgäuer erhofft sich der Trainer mit seiner Schnelligkeit und Dynamik gerade auf den tiefen Novemberböden Impulse. Alessio Hasler, der beim FV Illertissen in der Regionalliga konstant zum Einsatz komme, zähle zu den Führungsspielern.
Im Sturm nominierte Fünfstück Alessandro Lo Russo, Fabio Luque Notaro, Bruno Poitner und Ferhat Saglam. Poitner, der für den SV Fellbach spielt, habe er vergangene Woche live beobachtet. Mit seiner Schnelligkeit könne er der Mannschaft in beiden Partien helfen.
Erweiterter Abrufkader
Weil nach einer langen Saison, bei tiefen Böden und winterlicher Witterung kurzfristig Spieler ausfallen könnten, hat der Staff den Abrufkader bewusst vergrössert. Manuel Mikus von AFF Swift Amsterdam stösst ab dem 14. November zur Mannschaft. Auf Abruf stehen zudem Samuel Cernadas, Gabriel Foser, Philipp Ospelt, William Pizzi und Fabio Wolfinger.
Ebenfalls auf der Abrufliste figurieren Simon Lüchinger und Dennis Salanovic, die sich noch im Aufbau befinden. Beide absolvieren ein individuelles Programm mit dem Trainerstab. Für das Spiel gegen Aserbaidschan kommen sie nicht in Frage, für die Partie in Litauen will Fünfstück die Tür aber offenhalten – je nachdem, wie sich die beiden in der kommenden Woche entwickeln.
Gegner mit unterschiedlichen Vorzeichen
Das 0:0 im Oktober in Baku habe bei Aserbaidschan tief gesessen, sagte Fünfstück. Er rechne damit, dass der Gegner in Vaduz mit grosser Entschlossenheit auftreten und auch systematische Anpassungen vornehmen werde. Litauen, das Liechtenstein im September im Rheinparkstadion mit 2:0 bezwang, sei zu Hause deutlich stärker als auswärts. Als Beispiel nannte er die knappe Heimniederlage gegen die Niederlande. Zudem stehe dort ein neuer Trainer an der Seitenlinie, dessen Handschrift noch schwer einzuschätzen sei. Auf beiden Plätzen erwartet der Nationaltrainer tiefe Böden und kräfteraubende Partien.
Bilanz eines intensiven Jahres
Auf das Länderspieljahr blickt Fünfstück mit gemischten Gefühlen, aber überwiegend positiv zurück. Zehn Länderspiele in fünf Weeks of Football, eine Reise nach Afrika im Rahmen der FIFA Series und mehrere Doppel- und Viererzusammenzüge hätten Spieler und Staff stark gefordert. Sportlich stünden ein Sieg und ein Unentschieden zu Buche – es habe im Verband genügend Jahre gegeben, in denen gar keine Punkte geholt worden seien. „Es war nirgendwo ein Spiel, wo ich sagen kann, da warst du komplett chancenlos“, sagte der Trainer. Selbstkritisch hielt er fest, dass in engen Spielen die Effizienz gefehlt habe: der letzte Pass, die letzte Entscheidung im Offensivbereich.
Besonders erfreut zeigte er sich über die jungen Spieler, die sich aus der zweiten Reihe in die Stammformation gespielt hätten. Die Breite im Kader sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Es gehe nicht mehr darum, wer überhaupt Zeit habe, sondern darum, wie ein Ausfall aufgefangen werden könne.
Respekt vor den Amateuren
Deutlich wurde Fünfstück, als es um die Belastung der Spieler ging. Ausser einer kleinen Handvoll Profis würden sich die Nationalspieler für jeden Zusammenzug bei Arbeitgebern, Schulen oder Hochschulen freinehmen, oft auf Kosten ihrer Ferien. Dass sie danach mitunter Kritik einstecken müssten, weil ein Profi gegen sie besser ausgesehen habe, verkenne die unterschiedlichen Voraussetzungen. Diese Leistung verdiene in der Öffentlichkeit mehr Anerkennung. „Ich ziehe den Hut vor meinen Spielern“, sagte Fünfstück.




