Sportfreunde Stiller: „Nach 30 Jahren zum ersten Mal in Liechtenstein»
Interview mit Sportfreunde Stiller
Zwei Jubiläen, ein Abend: Während das FL1.LIFE in Schaan heuer seine 15. Ausgabe feiert, blicken die Sportfreunde Stiller auf 30 Jahre Bandgeschichte zurück. Am Freitagabend stand die Münchner Kultband auf der Bühne im grossen Saal des SAL – zum allerersten Mal in Liechtenstein. Vor dem Auftritt nahm sich das Trio Zeit für ein Gespräch mit den Medien.
Dass es drei Jahrzehnte gedauert hat, bis die Band den Weg ins Fürstentum fand, sorgte im Interview selbst für Kopfschütteln. „Ich glaube, wir sind 1228 Mal daran vorbeigefahren und haben immer rübergewunken», scherzte die Band. Zum 30-Jahr-Jubiläum habe man nun unbedingt herkommen wollen – und sei überwältigt von der Gastfreundschaft: „Alle sind so nett zu uns. Ich habe so viel Cappuccino bekommen, das ist echt unglaublich.»
Ein Potpourri aus 30 Jahren – in 100 Minuten
Für den Jubiläumsabend versprachen die Sportfreunde „ein buntes Potpourri an alten Gassenhauern, gemischt mit neuen Liedern». Dazu zählen auch Stücke des aktuellen Albums „Happy Birthday!», das sich die Band nach eigenen Worten selbst zum 30. Geburtstag geschenkt hat. Am liebsten hätte man sieben oder acht Stunden gespielt, sei aber auf 100 Minuten reduziert worden – auch da packe man alles hinein, was wichtig sei. Sänger Peter Brugger kündigte zudem an, sich an zwei oder drei Ansagen im Liechtensteiner Dialekt zu versuchen.
Auf grossen wie auf kleinen Bühnen fühlt sich die Band zu Hause. Im intimeren Rahmen komme man schneller in die Interaktion mit dem Publikum, es werde rascher warm und persönlich – bei grossen Konzerten sei es dafür umso beeindruckender, wenn die Massen mitsingen. „Wir wollen keins von beiden missen», so das Fazit.
WM-Aus, Nagelsmann-Rücktritt und ein Lied, das ruhen darf
Kein Gespräch mit den Sportfreunden Stiller ohne Fussball: Der Rücktritt von Bundestrainer Julian Nagelsmann, der just am Tag des Konzerts offiziell wurde, war natürlich Thema. Man sei mit Nagelsmann gar nicht so unzufrieden gewesen, hiess es aus der Band – womöglich sei dessen Ansatz für eine Nationalmannschaft, die nur alle paar Monate zusammenarbeite, schlicht zu kompliziert.
Und ihr WM-Hit „’54, ’74, ’90, 2006″? Der dürfe ruhen und in der Bandgeschichte vor sich hin glänzen, sagten die Sportfreunde. Das Lied gehöre in den Sommer 2006, als sich ein ganzes Land geöffnet habe, gefeiert, getanzt und Menschen aus aller Welt umarmt habe. Ab und zu werde der Refrain kurz zitiert – die Freude im Publikum sei dann jedes Mal gross. Aber die Zeit für das Lied sei nicht mehr da.
„Das Wichtigste ist: Wir mögen uns»
Auf die Frage, wie man es drei Jahrzehnte miteinander aushalte, gab sich die Band nachdenklich. Man kenne sich sehr gut und wisse, wann man den anderen in Ruhe lassen müsse. In schwierigeren Phasen habe man lernen müssen, dass jede Meinung Platz haben muss und nicht über einen hinweggegangen werden darf. „Zurzeit verstehen wir uns prächtig. Das Wichtigste ist: Wir mögen uns, wir mögen Menschen und wir lieben das, was wir machen.»
Privat höre man durchaus auch mal die eigenen alten Lieder – nicht aus Eitelkeit, sondern weil sie viel über die Entwicklung der Band erzählten. Als aktuellen Tipp nannten die Musiker die amerikanische Band Homefront, die krachenden Gitarrensound mit Keyboard-Klängen im Stil von „Stranger Things» verbinde.

