Sehnsucht nach der Monarchie – auch in Österreich

Nicole Fara und Graf Peter zu Stolberg-Stolberg

Nicole Fara und Graf Peter zu Stolberg-Stolberg

In Liechtenstein ist die Monarchie Teil des Staatsverständnisses. In vielen Republiken Europas ist sie dagegen seit Jahrzehnten Geschichte. Ganz verschwunden ist der Wunsch nach einem König oder Kaiser dort aber nicht. In Österreich sprachen sich 2011 in einer Gallup-Umfrage für die Zeitung „Österreich“ 17 Prozent der Befragten für einen Monarchen als Staatsoberhaupt aus.

Ähnliche Werte zeigten Erhebungen in anderen Ländern: In Deutschland befürworteten 2015 laut YouGov 17 Prozent die Wiedereinführung der Monarchie, in Frankreich wünschten sich 2016 in einer BVA-Umfrage ebenfalls 17 Prozent einen König als Staatsoberhaupt. In Rumänien hätten sich im selben Jahr laut dem Institut IRES 21 Prozent in einer Volksabstimmung für die Monarchie entschieden.

Auch an der Urne hatte die Monarchie in Republiken schon eine Chance. In Italien stimmten 1946 rund 46 Prozent für die Beibehaltung der Krone, in Griechenland sprachen sich 1974 knapp 31 Prozent für eine Rückkehr des Königs aus, in Brasilien 1993 gut 13 Prozent. In Bulgarien wurde der frühere Zar Simeon II. zwar nicht wieder König, aber 2001 Ministerpräsident. In den meisten dieser Länder gibt es bis heute Vereine und Kleinparteien, die für eine Rückkehr der Monarchie werben. In Tschechien etwa setzt sich die 1990 gegründete Partei Koruna Česká für die Habsburger ein.

Kaiser statt Bundespräsident

In Österreich übernimmt diese Rolle die Schwarz-Gelbe Allianz (SGA). Der Verein mit Sitz in Wien will das Haus Habsburg-Lothringen an die Spitze des Staates zurückbringen, wo es bis 1918 stand. Der Landesspiegel hat mit Obfrau Nicole Fara und Graf Peter zu Stolberg-Stolberg gesprochen. Er unterstützt die monarchistische Bewegung.

Warum er sich die Monarchie zurückwünscht, begründet Stolberg mit einer Kritik an der heutigen Gesellschaft. Es würden viele Gesetze beschlossen, „die eigentlich nicht wirklich gut sind für die Allgemeinheit der Bevölkerung“. In Österreich gebe es eine grosse Zahl bekennender Monarchisten, vor allem auf dem Land. Viele erinnerten sich gerne an die Zeit der Monarchie, in der es seiner Ansicht nach deutlich weniger Kriminalität gegeben hat. Die Ursache sieht er in einer zu grossen Liberalität: „Jeder darf alles. Und nichts ist mehr verboten. Aber andererseits leiden viele Bürger in den europäischen Republiken“, so Stolberg, „unter einer gesetzlichen Überregulierung.“

Gegen die Demokratie sei man nicht, betont Stolberg. Er verweist auf Kaiser Franz Joseph, der über 60 Jahre regierte und unter dessen Herrschaft das Parlamentsgebäude in Wien errichtet wurde. Der Kaiser habe Mehrheitsentscheide akzeptiert, auch wenn er anderer Meinung gewesen war. Viele historisch gebildete Österreicher bedauern heute, dass die Republik ohne demokratische Volksabstimmung eingeführt worden ist, sagt Stolberg.

Neubeginn nach Jahrzehnten der Stille

Nicole Fara, die den Verein seit 2015 als Obfrau führt, erzählte über die Entstehungsgeschichte. Gegründet wurde die SGA im Jahr 2004. „Von ein paar wenigen Leuten, die gesagt haben, wir wollen dort ansetzen oder weitermachen“, sagt Fara. Gemeint sind die monarchistischen Bewegungen, die sich gleich nach dem Ende der Monarchie gebildet hatten, darunter die Monarchistische Partei Österreichs.

Dass diese Bewegungen verschwanden, führt Fara vor allem auf Otto von Habsburg zurück, den Sohn des letzten Kaisers Karl I. Auf ihm ruhten lange die Hoffnungen der Monarchisten. Es galt der Spruch „Unser Motto, Kaiser Otto“. In den 1960er-Jahren verzichtete Kronprinz Otto jedoch auf seine Thronansprüche und bekannte sich zur Republik, um wieder nach Österreich einreisen zu dürfen. „Damit hat er gleichzeitig den grössten Teil der monarchistischen Bewegung zerschlagen“, sagt Fara. Viele Anhänger seien tief enttäuscht gewesen, einen anderen Kandidaten habe es für sie nicht gegeben. Die Bewegung sei in der Folge innert weniger Jahre stark abgeflacht.

Heute zählt die SGA nach Angaben der Obfrau „nur wenige hundert“ Mitglieder. Grosse Geldgeber gibt es leider noch nicht. „Wir haben keine Industriellen, die uns fördern, sondern wir sind ein ziemlich ideeller Verein“, sagt Stolberg. Ein Teil der Mitglieder lebt laut Fara im Ausland: ausgewanderte Österreicher, aber auch Menschen, die selbst in einer Monarchie leben und die SGA unterstützen wollen.

Dreimal hat die SGA versucht, bei Wahlen anzutreten. Gescheitert sei dies jeweils daran, dass zu wenige Unterstützungserklärungen zusammenkamen. Mit nicht einmal zehn aktiven Helfern auf der Strasse sei das nicht zu schaffen gewesen. Bei einer früheren Europawahl sei man mit sechs oder sieben Leuten und praktisch ohne Geld aber „sehr knapp“ an die nötige Zahl herangekommen.

Aktiv ist der Verein vor allem mit Informationsständen und über die Medien. In diesem Jahr berichtete etwa die Wiener Tageszeitung „Der Standard“ über die SGA, sowie der deutsch-französische TV-Sender ARTE. Überhaupt sei das Interesse im Ausland oft grösser als im Inland, sagt Fara. Längerfristig will die SGA eine Partei werden, um ihr Anliegen stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.

Monarchie per Volksabstimmung

Die SGA strebt eine konstitutionelle Monarchie nach dem Vorbild der heutigen europäischen Monarchien an. „Das muss man ja hundertmal erwähnen, dass das die Staatsform ist und nicht die Regierungsform“, betont Fara. Erreichen will der Verein sein Ziel über eine Volksabstimmung, im Zuge der parlamentarischen Vorarbeit dafür.

Für legitim hält Fara das auch deshalb, „weil die Republik 1918 nicht auf demokratischem Weg zustande kam. Es waren nur wenige, welche die Republik ausgerufen haben. Es war ein Putsch, das muss man wirklich sagen“, so die Obfrau.

Kaiser Karl I. hatte am 11. November 1918 auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften verzichtet, allerdings unter der Bedingung, dass Deutschösterreich selbst über seine künftige Staatsform entscheiden möge. Mit einer Volksabstimmung komme man diesem Willen des letzten Kaisers nach, sagt Fara.

Wann es so weit sein wird, lässt sie offen. Einen plötzlichen Umbruch hält sie für unwahrscheinlich, die SGA denke langfristig. An ihrer Überzeugung ändert das nichts: „Wir sind sicher wieder einmal Monarchie. Wir wissen nur nicht, wann. Und wir sind halt jene, welche die monarchistische Ideologie weitertragen.“