Slow-Up: Der jährliche Höhepunkt der Auto-Schikane
Einmal im Jahr erleben Autofahrer in Liechtenstein den wohl unpraktischsten Sonntag: Der slowUp Werdenberg-Liechtenstein, der heute zum 19. Mal stattfindet, sperrt für sieben Stunden weite Teile des liechtensteinischen Strassennetzes für den motorisierten Verkehr. Wer heute zwischen 10 und 17 Uhr mit dem Auto von A nach B wollte, brauchte für Strecken, die normalerweise fünf Minuten dauern, gut und gerne 45 Minuten. Die Bendererstrasse war weitgehend gesperrt, wichtige Achsen im ganzen Land lahmgelegt. Und die Regierung feiert sich dafür.
Liechtensteinische Autofahrer werden mittlerweile auf Schritt und Tritt gängelt. Bushaltebuchten werden entfernt – mit der Folge, dass Busse mitten auf der Fahrbahn halten und der nachfolgende Verkehr blockiert wird. In Vaduz soll nun auf der Schaanerstrasse im Pilotversuch eine sogenannte Kernfahrbahn getestet werden: ein Konzept, das der Strasse optisch Platz wegnimmt und Autofahrer zu Ausweichmanövern zwingt. Der Ideenreichtum, mit dem Verkehrsplaner das Autofahren unattraktiver machen, kennt offenbar keine Grenzen.
Solche Massnahmen wirken wie Teile einer bewussten Strategie, den, «motorisierten Individualverkehr» systematisch schlechtzustellen. Was dabei ausgeblendet wird: An der Automobil- und Zulieferindustrie hängen gerade in Liechtenstein Tausende Arbeitsplätzen. Liechtenstein ist ein Industriestandort, dessen Wohlstand nicht zuletzt auf die Auto- und Maschinenbaubranche beruht. Wer das Auto bekämpft, sägt an jenem Ast, auf dem ein erheblicher Teil der liechtensteinischen Wirtschaft sitzt.
Sieben Stunden Stillstand – und der Umwelt ist nicht geholfen
Nun liesse sich argumentieren, ein autofreier Tag tue der Umwelt gut. Das klingt plausibel, ist aber bei näherer Betrachtung wenig überzeugend. Wenn Tausende von Autofahrern während sieben Stunden durch enge Ausweichrouten umgeleitet werden, stehen sie im Stau. Stehende und schleichende Fahrzeuge verbrauchen mehr Treibstoff als flüssig fahrende – lokal entstehen so erhöhte Emissionen, die den symbolischen Gewinn eines autofreien Tages zumindest teilweise auffressen. Ein Weg, für den man normalerweise fünf Minuten braucht und heute 45 benötigt, ist kaum ein Beitrag zum Klimaschutz. Wie genau das der Umwelt nützen soll, möge uns jemand erklären.
Regierung feiert, Autofahrer leiden
Regierungsrat Daniel Oehry und Regierungsrat Hubert Büchel liessen es sich nicht nehmen, den slowUp zu feiern. Man freue sich über die grosse Beteiligung, heisst es. Dass sich Tausende von Liechtensteinern an diesem Sonntag nicht auf ihren eigenen Strassen fortbewegen konnten, ohne massive Umwege in Kauf zu nehmen, scheint in dieser Rechnung nicht auf.
Es steht ausser Frage, dass Radfahren, Spazierengehen und Skaten schöne Freizeitaktivitäten sind. Niemand spricht dem slowUp seinen Unterhaltungswert ab. Aber zwischen einem Volksfest und einer Massnahme, die sich auf Kosten der Mobilität eines Grossteils der Bevölkerung durchsetzt, besteht ein Unterschied. Wer eine lebenswerte Region will, braucht auch funktionierenden Verkehr – und Autofahrer, die nicht das ganze Jahr über das Gefühl haben, unerwünscht zu sein.

