Liechtensteins Landwirte arbeiten viel – und wünschen sich weniger Bürokratie

Traktörli

Das Liechtenstein-Institut hat im Auftrag des Ministeriums für Äusseres, Umwelt und Kultur sowie des Amtes für Umwelt eine umfassende Umfrage unter den anerkannten Landwirtschaftsbetrieben des Landes durchgeführt. Die Ergebnisse wurden den Betrieben gestern an einer Informationsveranstaltung vorgestellt. Der nun vorliegende Kurzbericht zeichnet ein differenziertes Bild der Lage in der Liechtensteiner Landwirtschaft – mit klaren Befunden zu Arbeitsbelastung, Bürokratie, Pachtsituation und sozialer Absicherung.

Hohe Arbeitsbelastung, grosser Bürokratieaufwand

Die Befragung wurde zwischen dem 20. Januar und dem 6. Februar 2026 durchgeführt. Von den 94 angeschriebenen Betriebsleitern beteiligten sich 47 vollständig – eine Ausschöpfungsquote von 50 Prozent. Die Ergebnisse zeigen zunächst, wie hoch die Arbeitsbelastung in der Branche ist: Der Median der wöchentlichen Arbeitszeit liegt bei 65 Stunden, der Durchschnitt bei rund 58 Stunden. Eine relative Mehrheit von 17 Betriebsleitern arbeitet zwischen 60 und 69 Stunden pro Woche. Knapp 62 Prozent der Befragten beschreiben ihre Arbeitsbelastung als überwiegend sehr hoch oder durchgängig zu hoch.

Ein zentrales Thema ist der administrative Aufwand. Für allgemeine betriebliche Aufgaben wie Lieferscheine, Rechnungen und Personaladministration wenden fast zwei Drittel der Befragten zwei bis acht Stunden pro Woche auf. Auf die offene Frage nach konkreten Verbesserungsmöglichkeiten formulierten 22 Betriebsleiter klare Wünsche: weniger Bürokratie, effizientere Verwaltungsprozesse und praxistauglichere digitale Lösungen. Bestehende Programme wie Agate werden von mehreren Befragten als kompliziert und wenig benutzerfreundlich bezeichnet. Gefordert wird ein zentraler Datenaustausch zwischen Betrieben und Behörden, der Mehrfacherfassungen identischer Daten überflüssig machen würde. Zwölf Befragte geben an, dieselben Angaben an verschiedene Stellen übermitteln zu müssen.

Als hilfreichste Unterstützungsmassnahme nannten 16 Personen eine Ausweitung der Sprechstundenzeiten im Amt für Umwelt; 15 weitere wünschen sich Beratung durch externe Fachpersonen.

Pachtsituation als strukturelles Problem

Besonders deutlich fallen die Ergebnisse zur Pachtsituation aus. Der Median der im eigenen Besitz befindlichen Fläche liegt bei gerade einmal einem Hektar – bei einer durchschnittlich bewirtschafteten Gesamtfläche von rund 43 Hektaren. Mindestens ein Viertel der Betriebe verfügt über keinerlei Eigenflächen und ist vollständig auf Pachtland angewiesen. Der durchschnittliche Eigentumsanteil an der bewirtschafteten Fläche beträgt lediglich 4,4 Prozent.

Dazu kommt, dass 26 der 47 Befragten keine längerfristigen Pachtverträge abgeschlossen haben. Als längerfristig gilt in diesem Zusammenhang eine Laufzeit von mindestens zwei Jahren. 23 Betriebe berichten von konkreten Einschränkungen aufgrund ihrer Pachtsituation – am häufigsten genannt werden fehlende Planungs- und Betriebssicherheit, kurzfristige Kündigungsmöglichkeiten sowie Bewirtschaftungsvorgaben durch die Eigentümer, die auch ökologische Massnahmen erschweren.

Als Lösungsansatz sprechen sich viele Befragte für ein verbindliches Pachtgesetz mit Mindestpachtdauern und geregeltem Kündigungsschutz aus. Mehrere Betriebsleiter nennen das schweizerische Boden- und Pachtrecht als Vorbild. Auch die Rolle der Gemeinden und Bürgergenossenschaften wird thematisiert: Einige Befragte kritisieren deren Verpachtungssystem als uneinheitlich.

Soziale Absicherung und Fortbildung mehrheitlich als ausreichend bewertet

Im Bereich der sozialen Absicherung sieht eine relative Mehrheit von 23 Befragten keinen Verbesserungsbedarf. 17 Personen hingegen wünschen sich Anpassungen, insbesondere eine Stärkung der zweiten und dritten Säule sowie branchenspezifische Pensionskassenlösungen. Mehrere Befragte weisen darauf hin, dass die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe freiwillige Vorsorgelösungen kaum zulässt.

Das Fortbildungsangebot beurteilen 33 der 47 Befragten als ausreichend. Eine relative Mehrheit von 20 Betriebsleitern nimmt mehrmals pro Jahr an Weiterbildungen teil. Punktuell wird mehr praxisnahe Ausbildung durch erfahrene Fachpersonen gewünscht, vereinzelt auch Angebote zu Digitalisierung und sozialer Absicherung. Als wichtigstes Kommunikationsanliegen gegenüber dem Amt für Umwelt steht der Wunsch nach mehr Zeit für persönliche Beratung an erster Stelle (17 Nennungen), gefolgt von Fachveranstaltungen (12) und aktuellen Fachinformationen per E-Mail (11).

Grundlage für den agrarpolitischen Bericht 2026

Die Umfrage wurde von Thomas Milic, Forschungsleiter Politik am Liechtenstein-Institut, und Philippe Rochat, Forschungsbeauftragter Politik, durchgeführt. Die Ergebnisse fliessen als wichtige Grundlage in den agrarpolitischen Bericht 2026 ein, den die Regierung gemäss Landwirtschaftsgesetz mindestens alle vier Jahre dem Landtag vorlegt. Darin sind unter anderem die Weiterentwicklung der Agrarpolitik sowie die wirtschaftliche Situation der Betriebe darzustellen.

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