Startseite Inland Neujahrsbotschaft 2024 für Stabilität, Fortschritt und Frieden

Neujahrsbotschaft 2024 für Stabilität, Fortschritt und Frieden

Neujahrsbotschaft 2024 von Regierungschef Daniel Risch

In seiner Neujahrsbotschaft betonte Regierungschef Daniel Risch die Bedeutung von Frieden und Umweltverantwortung. Inspiriert von seiner Tochter, die ein Friedensplakat gestaltete, und dem «Überblick-Effekt» von Astronauten, rief er dazu auf, die Erde zu schützen.

Risch lobte die politische Stabilität Liechtensteins, die es ermöglicht, sich auf Zukunftsthemen wie den möglichen IWF-Beitritt, Klimaziele und Altersstrategien zu konzentrieren. Er ermutigte die Bürger, aktiv an Entscheidungen teilzunehmen und betonte die bevorstehenden Volksabstimmungen als Ausdruck einer lebendigen Demokratie.

Neujahrsbotschaft 2024 von Regierungschef im Wortlaut:

Liebe Einwohnerinnen und Einwohner von Liechtenstein

Ich hatte kurz vor dem Jahreswechsel zwei Begegnungen, die mich nachdenklich gemacht haben. Die erste Begegnung war mit meiner Tochter. Sie bekam in der Schule die Aufgabe, ein «Friedensplakat» zu zeichnen. Ihr Plakat zeigt, wie die Welt von Frieden träumt.

Darauf zu sehen ist eine Erdkugel mit geschlossenen Augen, mit Menschen aus allen Staaten der Welt, die das Friedenszeichen bilden. Ich finde das eine sehr schöne Idee. Die zweite Begegnung war mit jemandem, der mir vom so genannten «OverviewEffect» erzählt hat. Ich gebe zu, dass ich diesen Begriff davor noch nie gehört habe. Der «Überblick-Effekt» beschreibt das Gefühl von Astronauten, wenn sie das erste Maldie Erdkugel von oben sehen.

Merkmale dieses Effekts seien ein Gefühl der Demut, ein tiefes Verstehen der Verbundenheit des Lebens auf der Erde und ein neues Empfinden von Verantwortung für unsere Umwelt. Es wird als Erfahrung beschrieben, die die Perspektive auf unsere Welt, die Natur und die Lebewesen langfristig verändern soll. Geschätzte Einwohnerinnen und Einwohner, vermutlich werden die wenigsten von uns, das beschriebene Gefühl des «ÜberblickEffekts» aus dem Weltall schon erlebt haben oder in Zukunft noch erleben können.

Aber man muss vermutlich gar nicht so hoch hinauf. Mir selbst geht es auf den Drei Schwestern oder auf dem Alpspitz manchmal – glaube ich – ganz ähnlich. Man schaut ins Tal, sieht praktisch unser ganzes Land, Teile der Schweiz und Österreichs, den Bodensee und an schönen Tagen sieht man sogar bis nach Bayern und BadenWürttemberg. Es ist unsere «erweiterte» Heimat, wo wir leben und wo all das ist, was wir schätzen. Die Menschen, die Natur. Topographisch geschützt im wunderschönen Rheintal. Aber auch geschützt durch die politische Stabilität, eine starke Wirtschaft und gute Beziehungen mit dem nahen und weiteren Ausland.

Die Stabilität und Sicherheit und damit insgesamt die gute Ausgangslage in Liechtenstein erleichtern uns das tägliche Leben im Vergleich zu vielen anderen Menschen auf der Welt erheblich. Das ist gut, denn wir können uns auch mit Themen der Zukunft intensiver auseinanderzusetzen, wenn wir nicht in täglichen Problemen untergehen.

Wir tun das in der Politik, wenn wir uns beispielsweise um die zukünftige Absicherung mit einem Beitritt zum Internationalen Währungsfonds kümmern. Oder wenn wir uns mit Energievorlagen befassen, um unsere Klimazielen zu erreichen, oder mit der Altersstrategie, um das lebenswerte Älterwerden in Liechtenstein zu garantieren.

Ich möchte Sie ermuntern, dass auch in Ihrem täglichen Leben und Ihrem persönlichen Umfeld, so gut es geht, zu tun. Im Hier und Jetzt zu leben, aber zuversichtlich Entscheide für die Zukunft zu treffen. Denn wir alle können unsere eigene aber auch die grosse Welt positiv verändern. Manchmal hilft es, nicht nur auf einen Berg zu steigen und einen Überblick zu haben.
Auch ein Blick zurück auf das Erreichte kann ermutigend sein. Trotz aller globalen Schwierigkeiten hatte das letzte Jahr auch viele positive Momente. Ich denke dabei vor allem an die Feierlichkeiten rund um das 100-Jahr-Jubliäum des Zollvertrags mit der Schweiz oder auch an den Staatsfeiertag mit der Gastgemeinde Triesenberg auf dem Peter-Kaiser-Platz. Beide Veranstaltungen haben die Menschen zusammengebracht und den Zusammenhalt gestärkt.

Das zeigt auch: Wir pflegen stabile Beziehungen und den Zusammenhalt. Nicht nur nach innen, sondern vor allem auch nach aussen. Dies zeigt der Zollvertrag genauso wie der EWR, die UNO-Mitgliedschaft oder der Europarat. Gerade durften wir beim Europarat zum dritten Mal den Vorsitz übernehmen und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass Liechtenstein auch international ein geschätzter Partner ist. Nicht nur, aber gerade auch, wenn wir uns für die Menschenrechte und die Grundwerte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzen.

Wir können als kleiner Staat in der Welt etwas bewegen – und in unserem Land, kann auch jeder einzelne etwas beitragen. Wir stehen vor einem hochpolitischen Jahr. Wir starten ins vierte Jahr der Legislatur und auch das Volk wird gleich mehrfach gefragt sein. Mehrere Volksabstimmungen sind angesagt. Und das finde ich gut. Denn anders als man manchmal hört, gibt es in Liechtenstein nicht eine «Verbots»- sondern eine «Mitmach»-Kultur. Wir alle können mitbestimmen, wir können sagen, was für ein Land und was für eine Gesellschaft wir sein wollen. Die Regierung führt die Entscheide aus, Fürst und Volk geben den Weg vor.

Jede Abstimmung steht für eine funktionierende Demokratie. Das Volk kann sich einbringen. Unterschiedliche Meinungen sind erwünscht, ja sogar notwendig. Es ist wichtig, dass wir Gespräche und Diskussionen führen. Dies gehört zu einer gesunden Demokratie dazu, genauso, dass wir auch einen Mehrheitsentscheid akzeptieren.

Auch das ist und gibt Stabilität!

Und wenn wir uns manchmal fragen, ob wir selbst den Unterschied machen können, dann finde ich ein afrikanisches Sprichwort, das mir jüngst begegnet ist, sehr ermutigend. Es lautet:

«Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun,
können das Gesicht der Welt verändern.»

Und damit, sind wir wieder beim grossen Ganzen, bei der Erdkugel vom Anfang. Das Gesicht der Welt. Und weil wir nur die eine Erde haben, sollten wir ihr und uns Sorge tragen.

Mit diesen Gedanken wünsche ich allen ein erfolgreiches, gesundes und friedliches neues Jahr. Und ich hoffe, dass 2024 im Kleinen und Grossen ein Jahr der Stabilität, des Fortschritts und auch des Friedens sein wird. Es soll ein Jahr sein, wo wir aufeinander zugehen und bemüht sind, Missverständnisse zu klären und den Überblick nicht zu verlieren.

Ich wünsche Ihnen ganz ein gutes Neues Jahr.

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