USA, Dänemark und Grönland unterzeichnen Sicherheitsabkommen

Das Weisse Haus

Das Weisse Haus am Tag vor der Wahl | Foto: Gregor Meier

Nach monatelangem Streit um die Zukunft Grönlands haben die USA, Dänemark und die grönländische Regierung ein Abkommen über die Sicherheit in der Arktis unterzeichnet. US-Präsident Donald Trump, die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen unterschrieben den Vertrag am Dienstag am Rande der UNO-Vollversammlung in New York. Grönland bleibt Teil des Königreichs Dänemark. Die USA erhalten aber weitreichende militärische Rechte auf der Insel.

Neue Stützpunkte und Raketenabwehr

Kern des Abkommens ist der Ausbau der amerikanischen Militärpräsenz. Die bestehende Pituffik Space Base im Nordwesten Grönlands wird modernisiert und erweitert. Dazu kommen zwei neue US-Stützpunkte: Narsarsuaq im Süden und Mestersvig im Osten der Insel. Zudem können die USA weitere Verteidigungsgebiete einrichten. Laut ORF ist auch vorgesehen, das US-Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ auf der Insel zu stationieren. Amerikanische Flugzeuge dürfen ganz Grönland und seine Hoheitsgewässer überfliegen und dort landen.

Das Abkommen ergänzt den Verteidigungsvertrag zwischen den USA und Dänemark aus dem Jahr 1951. Es hat kein Ablaufdatum.

Sperre für China und Russland

Ein zweiter Schwerpunkt betrifft den Einfluss anderer Mächte. Staaten ausserhalb der Nato dürfen in Grönland keine militärischen Anlagen errichten. Investoren aus Ländern ausserhalb von Nato und EU werden von sensiblen Wirtschaftssektoren ausgeschlossen. Die Regelung richtet sich vor allem gegen China und Russland. Sollte Grönland eines Tages unabhängig werden, soll die Insel in der Nato bleiben und die Verpflichtungen Dänemarks übernehmen.

Der Vertrag erkennt die Souveränität Dänemarks und Grönlands über das Gebiet ausdrücklich an. US-Aussenminister Marco Rubio sagte, das Abkommen löse die nationalen Sicherheitsbedenken der USA in Grönland „dauerhaft und vollständig“.

Alle Seiten sprechen von einem Erfolg

Trump nannte die Vereinbarung bei der Unterzeichnung „grossartig für Europa und für die Vereinigten Staaten“. Frederiksen sprach von einem „Meilenstein“ für die Nato und Europa. Nielsen nannte das Abkommen eine „Win-win-win-Situation“: „Eure Sicherheit ist unsere Sicherheit, und unsere Sicherheit ist eure Sicherheit.“ Nato-Generalsekretär Mark Rutte und EU-Ratspräsident António Costa begrüssten die Einigung.

In Kraft treten kann das Abkommen erst, wenn die Parlamente in Kopenhagen und Nuuk zugestimmt haben.

Monate voller Drohungen

Dem Abkommen ging eine schwere Krise im transatlantischen Verhältnis voraus. Trump hatte seit Beginn seiner zweiten Amtszeit immer wieder erklärt, die USA müssten Grönland kontrollieren. Wirtschaftlichen oder militärischen Druck schloss er dabei nicht aus. Im Januar 2026 drohte er Dänemark und mehreren weiteren europäischen Staaten mit Strafzöllen. Dänemark verlegte daraufhin gemeinsam mit mehreren Verbündeten Truppen nach Grönland. Die EU stoppte die Genehmigung eines Handelsabkommens mit den USA. Nach einem Treffen mit Rutte am Weltwirtschaftsforum in Davos am 21. Januar zog Trump die Zolldrohungen zurück. Danach verhandelten die drei Regierungen monatelang hinter verschlossenen Türen.

Kopenhagen und Nuuk hatten stets betont, Grönland stehe nicht zum Verkauf. Über die Zukunft der Insel müssten die Grönländer selbst entscheiden. In Grönland kam es zu grossen Protesten.

Experten sehen wenig Neues

Wie viel Washington mit dem Abkommen tatsächlich gewonnen hat, ist umstritten. Der Arktisexperte Michael Paul sagte dem ZDF, im Grundsatz ändere sich wenig. Die USA hätten schon bisher umfangreiche militärische Rechte auf Grönland gehabt. Er sieht im Abkommen eher einen vertieften strategischen Pakt als eine geopolitische Wende. Imran Bayoumi vom Atlantic Council in Washington sagte dem US-Radiosender NPR, viele Amerikaner unterschätzten, wie sehr der Streit dem Ansehen der USA in Europa geschadet habe.

hitze.li