35-mal die Note 5.3 oder besser: Junge Berufsleute auf Schloss Vaduz geehrt

Eintrag ins Goldene Buch

Dario Kalberer aus Wangs hat den besten Lehrabschluss des Jahrgangs 2026 erzielt. Mit einem Gesamtnotendurchschnitt von 5,8 führt der Landwirt die Liste jener 35 jungen Berufsleute an, die sich am Nachmittag auf Schloss Vaduz ins «Goldene Buch» eintragen durften.

Wer seine berufliche Grundbildung mit einem Notendurchschnitt von mindestens 5,3 abschliesst, wird in Liechtenstein ins «Goldene Buch» aufgenommen. In diesem Jahr haben 35 junge Berufsleute diese Hürde erreicht – 13 Frauen und 22 Männer aus insgesamt 22 verschiedenen Lehrberufen. Das Spektrum reicht von der Drogistin über den Reifenpraktiker bis zur Fachfrau Gesundheit.

An der Spitze steht Dario Kalberer aus Wangs. Der Landwirt absolvierte seine Ausbildung beim Lehrbetriebsverbund SG, AR, AI, FL in Salez und erreichte mit einem Gesamtnotendurchschnitt von 5,8 den höchsten Wert des Jahrgangs.

Mit je 5,7 folgen der Informatiker Raphael Andreas Hilti von INNOFORCE Est. in Ruggell, der Recyclist Tobias Leandro Schäpper von der Käppeli Umwelt AG in Sargans sowie die Laborantin Linda Anina Schlegel von der Ivoclar Vivadent AG in Schaan.

Hohe Anforderungen

Wie anspruchsvoll ein Eintrag ins «Goldene Buch» ist, verdeutlichte Werner Kranz, Leiter des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung. Wer einen Notendurchschnitt von 5,3 erreiche, habe bei jeder einzelnen Prüfung mindestens 85 Prozent der Fragen richtig beantwortet.

Auch bei den Lehrbetrieben zeigt sich die Vielfalt des Jahrgangs. Vier der 35 Geehrten absolvierten ihre Ausbildung bei der thyssenkrupp Presta AG in Eschen, drei bei der HILTI Aktiengesellschaft in Schaan. Je zwei Absolventinnen und Absolventen stammen aus dem Lehrbetriebsverbund 100pro! der Wirtschaftskammer Liechtenstein, der Hilcona AG und dem Lehrbetriebsverbund in Salez.

Nicht alle Geehrten leben in Liechtenstein. Elf von ihnen stammen aus der Schweiz, unter anderem aus Wangs, Plons, Gams, Buchs, Trübbach, Azmoos, Walenstadt, Mels und Arbon. Gleichzeitig absolvierten mehrere in Liechtenstein wohnhafte Lernende ihre Ausbildung bei Betrieben in Sargans, Buchs oder Azmoos. Die Lehrlingsausbildung verbindet damit auch in diesem Jahr die Wirtschaftsregion über die Landesgrenzen hinweg.

«Ein Erfolgsmodell des Landes»

In seiner Ansprache würdigte Erbprinz Alois den dualen Bildungsweg als Erfolgsmodell Liechtensteins. Angesichts der Digitalisierung und des internationalen Wettbewerbs sei eine gute Ausbildung von besonderer Bedeutung.

Die Geehrten hätten mit ihrem Abschluss nicht nur für sich selbst eine wichtige Grundlage geschaffen, sondern leisteten damit auch einen Beitrag zum Wirtschaftsstandort, sagte der Erbprinz. Gleichzeitig seien sie Vorbilder für die nächste Generation. Sein Dank galt den Arbeitgebern, Berufsschulen, Berufsverbänden und Behörden, deren Zusammenspiel entscheidend für den Ausbildungserfolg sei.

Für die Regierung sprach Wirtschaftsminister Hubert Büchel in Vertretung des Bildungsministers. Er gratulierte den jungen Berufsleuten im Namen der Regierung und verwies auf den anhaltenden Fachkräftemangel. Gut ausgebildete Berufsleute seien für die liechtensteinische Wirtschaft von zentraler Bedeutung.

Vor der feierlichen Eintragung ins «Goldene Buch» erhielten die Gäste bei einer Führung mit Angelika Sartor und Seraina Fischer Einblicke in das Schloss Vaduz.

Werner Kranz richtete seinen Dank insbesondere auch an die Berufsbildner. «Erfolg ist Teamsache», betonte er. Die 35 Absolventinnen und Absolventen seien Teil gut funktionierender Teams gewesen, die sie auf ihrem Weg begleitet und unterstützt hätten. Den jungen Berufsleuten gab Kranz zum Abschluss einen Rat mit auf den Weg: «Bleiben Sie neugierig und mutig, bleiben Sie offen für Neues und nutzen Sie die Chancen, die kommen werden – sie werden kommen!»

Ein Buch mit Geschichte

Die Tradition des «Goldenen Buchs» reicht weit zurück – allerdings nicht lückenlos. Als Karl Jehle, der frühere Leiter der Berufsberatungsstelle, 1972 seine Stelle antrat, entdeckte er beim Einrichten seines Büros ein Buch mit Ledereinband und goldenen Buchkanten. Vom ursprünglichen Inhalt war jedoch nichts mehr vorhanden. Die beschriebenen Seiten waren herausgerissen worden; zurückgeblieben waren lediglich leere Blätter mit goldenem Schnitt.

Jehles Nachforschungen ergaben, dass bereits in den 1950er-Jahren Einträge vorgenommen worden sein dürften. Genaueres liess sich jedoch nicht mehr rekonstruieren.

1973 unterbreitete Jehle der damaligen Lehrlingskommission den Vorschlag, die Tradition wieder aufzunehmen. Im Frühjahr 1974 fand die Eintragung erstmals wieder als offizielle Feier statt – damals im Restaurant Meierhof in Triesen. Von 1975 bis 1978 wurde der Anlass im Landtagssaal durchgeführt.

Im Frühjahr 1979 schliesslich zog die Feier auf Schloss Vaduz um. Dort wird die Tradition bis heute fortgeführt. Für den Jahrgang 2026 bedeutete dies am Freitag bereits die 47. Austragung auf dem Schloss – und für 35 junge Berufsleute einen besonderen Eintrag in die Geschichte ihrer beruflichen Laufbahn.

hitze.li