Neues Ostschweizer Kinderspital eingeweiht

Eröffnung Kinderspital

Eröffnung Kinderspital | Foto: Zvg.

Das neue Ostschweizer Kinderspital (OKS) in St. Gallen ist eingeweiht. Rund 200 Gäste aus Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft nahmen am Donnerstag an der Feier teil – darunter Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein sowie Regierungsvertreter der Trägerkantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden und des Fürstentums Liechtenstein. Den Betrieb nimmt der 217 Millionen Franken teure Neubau am 26. September auf.

Für Liechtenstein ist das mehr als ein Nachbarschaftsereignis: Das Land gehört seit sechzig Jahren zu den Trägern des Spitals und hat sich auch am Neubau beteiligt.

Was sich für liechtensteinische Kinder ändert – und was nicht

Am Leistungsangebot für liechtensteinische Kinder ändert der Umzug nichts. Was sich ändert, ist die Umgebung, in der behandelt wird. Mit dem Neubau erhält das OKS eine moderne und zukunftsfähige Infrastruktur; Kinder, Jugendliche und ihre Familien werden künftig in einer kindgerechten Umgebung betreut – medizinisch auf höchstem Niveau und mit deutlich mehr Raum.

Konkret heisst das: grosse Aufenthalts- und Spielbereiche auf allen Stationen, in jedem Patientenzimmer ein Zusatzbett für Eltern oder Angehörige, ein Dachgarten mit Spielplatz, eine Spitalschule, Therapie- und Spezialbereiche wie die Ganganalyse, eine Notfallversorgung mit Helikopterlandeplatz sowie eine Passerelle, die die Frauenklinik von HOCH Health Ostschweiz direkt mit dem gemeinsamen Perinatalzentrum für Früh- und Neugeborene im Kinderspital verbindet.

Für die Orientierung sorgt ein eigens entwickeltes Gestaltungskonzept: Statt anonymer Stockwerksbezeichnungen gibt es Themenwelten, Farben und Zahlen, dazu über 200 Illustrationen des Künstlers William Grill mit Bezug zur Natur und zur Region.

Der Neubau steht an der Spitalstrasse 10 auf dem gemeinsamen Campus mit HOCH Health Ostschweiz – die direkte Nachbarschaft zum Kantonsspital verstärkt die bestehende Zusammenarbeit und verkürzt die Wege. Rund 1000 Spezialisten stellen die medizinische Versorgung sicher.

Gleichberechtigt in der Trägerdelegation

Der Grundstein für das heutige Kinderspital wurde 1963 gelegt. Liechtenstein war 1966 Gründungsmitglied der Stiftung Ostschweizer Kinderspital und ist seither Stiftungsträger.

Wie stark ist das Land beteiligt? Die Frage nach einem Prozentsatz lässt sich nicht beantworten – und zwar aus rechtlichen Gründen. Die Stiftung Ostschweizer Kinderspital ist eine selbständige Stiftung im Sinne von Art. 80 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. Bei einer solchen Stiftung gibt es keine Eigentumsanteile, wie man sie von einer AG oder GmbH kennt. Das Stiftungsvermögen ist einem bestimmten Zweck gewidmet – hier dem Betrieb eines Kinderspitals – und gehört rechtlich der Stiftung selbst.

Träger sind die Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden sowie das Fürstentum Liechtenstein. Die Trägerdelegation besteht aus fünf Mitgliedern, je einer Vertretung der Regierungen. Liechtenstein ist darin gleichberechtigt vertreten.

Vier Millionen Franken aus Liechtenstein

Mit den geltenden Tarifen allein hätte das Kinderspital einen Neubau weder finanzieren noch amortisieren können. Deshalb leisten die Stiftungsträger Baukostenbeiträge.

Die Regierung fasste 2012 den Grundsatzbeschluss, dass Liechtenstein als Gründungsmitglied Mitträger der Stiftung bleibt und sich anteilsmässig an den Planungs- und Investitionskosten für den Neubau beteiligt. Die Beiträge wurden in Form eines verzinslichen Darlehens gewährt, aufgeteilt nach dem Anteil der Patienten in einem definierten Zeitraum. Auf Liechtenstein entfallen 4,054 Millionen Franken.

Rund 80 Austritte pro Jahr – und rund 160 in Chur

Die Zahlen sind über die vergangenen fünf Jahre bemerkenswert stabil: Rund 80 Austritte liechtensteinischer Patienten verzeichnet das OKS jährlich. Am Kantonsspital Graubünden (KSGR) in Chur waren es bei Patienten unter 18 Jahren – ohne Geburten – im Durchschnitt 160 Austritte pro Jahr. Der Eindruck, dass viele Familien aus dem Land nach Chur fahren, täuscht also nicht.

Der Grund liegt weniger in einer Rangfolge als in unterschiedlichen Aufträgen. Das OKS ist ein überregionales Zentrumsspital der höchsten Versorgungsstufe für Kinder und Jugendliche und für die Ostschweiz und Liechtenstein als medizinischer Komplettversorger organisiert. Es übernimmt zudem Aufgaben in Forschung, Lehre und Weiterbildung und trägt seit 2026 den Status eines universitären Lehr- und Forschungsspitals.

Die Kinderklinik des Kantonsspitals Graubünden stellt demgegenüber primär die kinder- und jugendmedizinische Versorgung für Graubünden rund um die Uhr sicher. Auch sie verfügt über wichtige Spezialisierungen, darunter Kinderonkologie und Kinderhämatologie. Bei hochspezialisierten Therapien arbeitet sie jedoch teilweise mit grösseren Kinderspitälern zusammen, etwa dem Kinderspital Zürich.

Eine pauschale Empfehlung, wohin Eltern gehen sollen, gibt es nicht. Die Wahl des Behandlungsortes richtet sich in erster Linie nach der medizinischen Indikation und erfolgt in Abstimmung mit dem behandelnden Kinderarzt beziehungsweise dem Haus- oder Facharzt.

Erst die Besichtigung, dann der Umzug

Bevor die ersten Patienten einziehen, kann die Bevölkerung den Neubau anschauen. Am Samstag, 29. August, von 12 bis 16 Uhr und am Sonntag, 30. August, von 9 bis 16 Uhr öffnet das OKS seine Türen. Der Rundgang führt über sechs Stockwerke und dauert rund 75 Minuten; er zeigt unter anderem einen Operationssaal, die Intensivstation, Patientenzimmer und das Lernatelier. Der Eintritt ist frei, erfolgt aber nur mit Ticket über das Anmeldesystem auf der Spitalwebsite, mit Zeitfenstern im Viertelstundentakt.

Am 26. September folgt der Umzug. Die stationären Patienten werden mit Ambulanzfahrzeugen vom bisherigen Standort an der Claudiusstrasse 6 an die Spitalstrasse 10 gebracht. Der Neubau nimmt an diesem Tag um 8 Uhr den Betrieb auf – der Spitalbetrieb läuft während des Umzugs weiter, die medizinische Versorgung bleibt jederzeit gewährleistet.

hitze.li