Wenn der Spiegel zum Feind wird: Heute ist Welttag der Essstörungen

Essstörung

Heute, am 2. Juni, ist Welttag der Essstörungen – ein Datum, das mahnt, genauer hinzuschauen. Denn was viele als Modeerscheinung abtun, ist für Hunderttausende eine lebensbedrohliche Realität.

In der Schweiz entwickeln rund 3,5 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine Essstörung. Anorexie, Bulimie, Binge Eating – die Formen sind vielfältig, der Kern oft derselbe: ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper, genährt von gesellschaftlichem Druck, sozialem Vergleich und dem unerbittlichen Strom der sozialen Medien.

TikTok, Instagram & das falsche Ideal

Was früher durch Hochglanzzeitschriften vermittelt wurde, passiert heute sekundenschnell auf dem Smartphone. Algorithmen spülen täglich Bilder von scheinbar makellosen Körpern in die Feeds junger Menschen – und wer sich nicht daran misst, tut es trotzdem unbewusst. Expertinnen warnen seit Jahren, dass diese permanente Konfrontation mit unrealistischen Schönheitsidealen besonders bei Jugendlichen das Risiko für Essstörungen erhöht.

Hinzu kommt eine neue Form: die Orthorexie – eine krankhafte Fixierung auf „gesundes» Essen. Wer keine Kalorie unkontrolliert lässt, wer jeden Bissen optimiert, wirkt nach aussen diszipliniert. Dass dahinter eine Essstörung stecken kann, bleibt oft lange unsichtbar.

Beratungen nehmen zu

In Vorarlberg, der direkten Nachbarregion Liechtensteins, verzeichnen Beratungsstellen seit 2015 einen Anstieg der Klientenzahl um 65 Prozent. Eine Entwicklung, die Fachleute auch für die gesamte Region als repräsentativ einstufen.

Essstörungen treffen nicht nur junge Frauen – auch wenn sie nach wie vor die grösste Betroffenengruppe darstellen. Sie entstehen im Zusammenspiel von psychischem Druck, familiären Mustern und einem gesellschaftlichen Klima, in dem Kontrolle und Selbstoptimierung als Tugenden gelten.

Hinschauen statt wegschauen

Der Welttag soll kein Finger zeigen – er soll sensibilisieren. Für das, was man vielleicht bei einer Freundin, einem Familienmitglied oder sich selbst verdrängt. Frühes Hinschauen, offenes Zuhören und der Mut, anzusprechen, was man sieht: Das können die ersten Schritte sein, bevor eine Erkrankung sich festsetzt.

Wer Beratung sucht, findet Hilfe unter anderem bei der Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen (AES) unter aes.ch.

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