Deutschlands Exporte nach China brechen ein
China ist für die deutsche Wirtschaft nicht mehr der Absatzmarkt, der es einmal war. Im ersten Halbjahr 2026 sind die deutschen Ausfuhren nach China um mehr als zwölf Prozent auf knapp 37 Milliarden Euro gefallen. Das geht aus vorläufigen Zahlen der staatlichen Aussenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (GTAI) hervor.
Damit ist China für deutsche Waren nur noch der neuntgrösste Absatzmarkt. Zum Vergleich: 2021, mitten in der Pandemie, war die Volksrepublik noch der zweitwichtigste Exportmarkt – deutsche Unternehmen verkauften damals Güter im Wert von 104 Milliarden Euro nach China. Inzwischen kaufen selbst deutlich kleinere Volkswirtschaften wie Österreich und die Schweiz mehr deutsche Waren als China.
Umgekehrt läuft der Handel weiterhin auf Hochtouren. Die deutschen Importe aus China stiegen im ersten Halbjahr um 8,9 Prozent auf 91,8 Milliarden Euro. Das Handelsdefizit Deutschlands gegenüber China wuchs entsprechend von rund 40 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf nunmehr etwa 55 Milliarden Euro.
Das gesamte Handelsvolumen zwischen beiden Ländern lag bei über 128 Milliarden Euro – drei Milliarden mehr als jenes mit den USA. China bleibt damit Deutschlands wichtigster Handelspartner insgesamt, ein Rang, den das Land 2025 von den USA übernommen hatte, nachdem US-Präsident Donald Trump mit seiner Zollpolitik den transatlantischen Warenaustausch belastet hatte.
Deutsche Konzerne beliefern China immer seltener aus Deutschland und immer häufiger aus China selbst. Sichtbarster Fall ist der Verbundstandort von BASF im südchinesischen Zhanjiang, seit dem Frühjahr vollständig in Betrieb, gebaut für rund 8,7 Milliarden Euro. Was dort entsteht, wird nie eine deutsche Ausfuhr sein. Dem Konzern schadet das nicht. Der Exportstatistik schon, und den Standorten, an denen sonst produziert worden wäre, ebenfalls.
Der andere Vorgang ist unangenehmer, weil er sich nicht rückgängig machen lässt. China kauft bestimmte deutsche Güter nicht mehr, weil es sie selbst baut – Elektrofahrzeuge, Batterien, Industrieroboter, Maschinen, Medizintechnik. Das sind exakt jene Branchen, auf denen der Ruf der deutschen Industrie beruht, und der Wettbewerb findet inzwischen nicht mehr nur in China statt, sondern auch auf den europäischen Märkten, die Deutschlands Exportbilanz derzeit retten. Dass Chinas Binnenwirtschaft zugleich schwächelt, die Immobilienkrise anhält und viele Regionalregierungen kein Geld für Investitionen haben, verstärkt den Effekt kurzfristig. Es erklärt ihn nicht.

