Ölpreis sinkt nach abgesagtem US-Angriff auf Iran
Der Ölpreis ist deutlich gesunken, nachdem US-Präsident Donald Trump einen geplanten Angriff auf den Iran vorerst abgesagt hat. Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Montagmorgen etwas über 83 US-Dollar – knapp 7 Prozent weniger als zuvor. Zeitweise war der Preis in der Nacht auf Sonntag sogar um bis zu 10 Prozent eingebrochen.
Trump hatte am Wochenende angekündigt, den seinen Worten nach grössten Angriff des US-Militärs „seit dem Zweiten Weltkrieg“ vorerst nicht durchzuführen, um neuen Verhandlungen mit dem Iran eine Chance zu geben. Für Montagnachmittag kündigte er Gespräche an, die eine Wiedereröffnung der Strasse von Hormus sowie die endgültige Aufgabe der iranischen Nuklearambitionen zum Ziel haben sollen. Teheran erklärte hingegen, einer Öffnung der Meerenge bislang nicht zugestimmt zu haben und an seiner bisherigen Position festzuhalten.
Hintergrund der Spannungen ist der im Februar eskalierte Konflikt: Ende Februar hatten die USA und Israel gemeinsam Angriffe auf iranische Nuklearanlagen, Militärinfrastruktur und die Führung des Landes geflogen. Nach wochenlangen Kämpfen trat im April eine Waffenruhe in Kraft, die zuletzt jedoch durch den Streit um die Durchfahrtsrechte an der Strasse von Hormus erneut unter Druck geriet.
OPEC+ erhöht Obergrenze zum sechsten Mal in Folge
Zusätzlichen Abwärtsdruck auf den Ölpreis erzeugte die Entscheidung der OPEC+, die Obergrenze für die Ölförderung bereits zum sechsten Mal in Folge anzuheben. Die sieben tragenden Länder des Kartells – Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, Algerien, Kasachstan und Oman – weiten die erlaubte Produktionsmenge für September um täglich 188 000 Barrel aus, wie sie nach ihrem Onlinetreffen am Sonntag mitteilten. Damit ist der seit 2023 laufende schrittweise Rückbau der freiwilligen Förderkürzungen von insgesamt 1,65 Millionen Barrel pro Tag vollständig abgeschlossen.
Die mit Sitz in Wien koordinierte OPEC+ steuert über die Förderquoten ihrer Mitglieder den Ölpreis auf dem Weltmarkt.
Quote steht oft nur auf dem Papier
Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass eine höhere Obergrenze nicht automatisch bedeutet, dass auch tatsächlich mehr Öl auf den Weltmarkt gelangt. Grosse Produzenten wie Saudi-Arabien erreichten die ihnen zugeteilte Höchstmenge in den vergangenen Monaten gar nicht. Grund ist die Teilblockade der Strasse von Hormus, über die ein grosser Teil des saudischen Öls transportiert werden müsste. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge war Anfang März nahezu zum Erliegen gekommen; seither weichen die Golfstaaten verstärkt auf Pipelines aus, etwa die saudische Ost-West-Pipeline nach Yanbu am Roten Meer sowie die Habschan-Fudschaira-Pipeline in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beide Routen reichen jedoch nicht annähernd an die Kapazität der Meerenge heran, durch die vor der Krise täglich Millionen Barrel Rohöl liefen.
Preis bleibt trotz Rückgang deutlich erhöht
Der Barrelpreis der Sorte Brent liegt trotz des jüngsten Rückgangs immer noch klar über dem Niveau vor der Krise: Seit den ersten Angriffen der USA und Israels auf den Iran Ende Februar ist er um rund 26 Prozent gestiegen und notiert derzeit bei etwa 88 Dollar (rund 77 Euro). Ob sich der Rückgang vom Wochenende fortsetzt, dürfte massgeblich vom Ausgang der für Montagnachmittag angesetzten Gespräche zwischen den USA und dem Iran abhängen.

