Pharma zieht Aussenhandel tief ins Minus – das Industriegeschäft läuft

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Die Schweizer Exporte sind im August um 17,2 Prozent auf 23,0 Milliarden Franken eingebrochen. Die Zahl taugt allerdings kaum als Konjunkturbefund: Sieben der zehn Warengruppen entwickelten sich positiv. Verantwortlich für den Absturz ist allein die Sparte Chemie-Pharma, deren Ausfuhren um 32,2 Prozent oder 5,2 Milliarden Franken einbrachen – nach einem Plus von 27,6 Prozent im Juli. Real, also preisbereinigt, fiel der Rückgang mit 8,6 Prozent nur halb so stark aus wie nominal.

Ohne Chemie-Pharma zeigt sich ein anderes Bild. Die Exporte von Maschinen, Elektronik und Apparaten stiegen um 6,3 Prozent, das Wachstum bei den Fahrzeugausfuhren setzte sich fort, und auch Bijouterie und Juwelierwaren legten zu. Zusammen brachten diese drei Gruppen 470 Millionen Franken zusätzlich. Gegen den Trend lief die Uhrenindustrie: Nach zwei positiven Monaten sanken ihre Ausfuhren um 7,2 Prozent oder 169 Millionen Franken.

Auf der Importseite dasselbe Muster. Die Einfuhren gingen um 11,6 Prozent auf 17,4 Milliarden Franken zurück – der tiefste Monatswert seit Dezember 2021 –, fast vollständig verursacht von Chemie-Pharma mit einem Minus von 35,8 Prozent oder 2,5 Milliarden Franken, davon allein 1,6 Milliarden bei Arzneiwaren, Antisera und Vakzinen. Fahrzeuge (+182 Millionen) und Metalle (+78 Millionen) wurden dagegen mehr eingeführt. In der Handelsbilanz blieb ein Überschuss von 5,6 Milliarden Franken, nach dem Rekord von 8,1 Milliarden im Juli.

Bemerkenswert ist die geografische Verteilung. Die Exporte nach Slowenien brachen um 2,0 Milliarden Franken ein – mehr als jene in die USA. Gleichzeitig sanken die Importe von dort bereits zum dritten Mal in Folge deutlich, um 49,9 Prozent oder 943 Millionen Franken. Slowenien ist ein bedeutender europäischer Pharmaproduktionsstandort; der gleichzeitige Einbruch in beide Richtungen deutet auf Verschiebungen in konzerninternen Lieferketten hin, nicht auf einen Nachfrageeinbruch.

Das US-Geschäft bleibt der Risikofaktor

Anders liegt der Fall bei den Vereinigten Staaten. Die Lieferungen dorthin sanken um 31,2 Prozent oder 1,4 Milliarden Franken, Nordamerika insgesamt um 31,0 Prozent. Auch das China-Geschäft gab nach, um 457 Millionen Franken. Europa kam mit einem Minus von 9,1 Prozent vergleichsweise glimpflich davon; die Ausfuhren nach Österreich stiegen sogar um 57,7 Prozent oder 354 Millionen Franken, jene nach Italien sanken um 439 Millionen.

Der US-Rückgang lässt sich nicht allein mit Pharma-Sondereffekten erklären und fällt in eine Phase handelspolitischer Unsicherheit. Die OECD hatte erst am Dienstag in ihrem Länderbericht zur Schweiz auf Risiken bei wichtigen Absatzmärkten, namentlich den USA, hingewiesen und empfohlen, zusätzliche Handelspartnerschaften anzustreben. Die Augustzahlen liefern dafür ein Argument.

hitze.li