Batteriehersteller Varta ist insolvent – Sanierung nach zwei Jahren gescheitert

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Der deutsche Traditionskonzern Varta hat beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Betroffen sind rund 3260 Beschäftigte. Dem einstigen Börsenliebling droht die Zerschlagung.

Am 24. Juli hat die Varta AG mit Sitz im baden-württembergischen Ellwangen beim Amtsgericht Stuttgart die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Neben der Konzernmuttergesellschaft sind auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH in Ellwangen, Varta Micro Production GmbH im bayerischen Nördlingen sowie die Varta Storage GmbH betroffen – insgesamt vier Anträge. Das Gericht bestellte den Stuttgarter Rechtsanwalt Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor zum vorläufigen Sachwalter.

Ausdrücklich ausgenommen ist der Geschäftsbereich Varta Consumer Batteries mit den bekannten Haushalts- und Gerätebatterien. Diese Gesellschaften sind laut Unternehmensangaben rechtlich und operativ separiert und finanziell eigenständig aufgestellt.

Im Verfahren der Eigenverwaltung bleibt der Vorstand am Steuer und wird lediglich vom gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht. Der Betrieb läuft weiter, Löhne und Gehälter werden auch nach der Antragstellung weiterbezahlt.

Der Ankerkunde Apple springt ab

Als Ursachen nennt Varta deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungseffekte – und die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden. Gemeint ist Apple: Der US-Konzern bezieht die wiederaufladbaren CoinPower-Knopfzellen für seine AirPods-Kopfhörer künftig aus China statt aus Nördlingen. Ausgerechnet dieses Werk war vor wenigen Jahren massiv ausgebaut worden, um die Nachfrage des Grosskunden zu bedienen. Im Mai hatte Varta bestätigt, dass der Vertrag Ende Oktober ausläuft.

Zahlungsunfähig sei man nicht, betont das Unternehmen – ohne frisches Geld laufe man jedoch in die Überschuldung hinein. Nach der aktualisierten Unternehmensplanung klafft ab 2027 eine strukturelle Finanzierungslücke auf Ebene der Konzernmutter. Eine Kapitalspritze im mittleren zweistelligen Millionenbereich wäre nötig gewesen. Die bisherigen Eigentümer – der Sportwagenbauer Porsche und der österreichische Unternehmer Michael Tojner – waren dazu nicht bereit.

Konzernchef Michael Ostermann zeigte sich betroffen: „Dieser leider unvermeidbare Schritt macht mich persönlich sehr betroffen.» Man arbeite „mit aller Kraft daran, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten». Der Markt für Energiespeicher sei unverändert eine Zukunftsbranche, die starke heimische Anbieter benötige.

Zweiter Anlauf in weniger als zwei Jahren

Für Varta ist es bereits die zweite Rettungsaktion innert kurzer Zeit. 2024 hatte sich der Konzern nach kostspieligen Fehlinvestitionen mit einem Verfahren nach dem deutschen Restrukturierungsgesetz StaRUG saniert. Damals stieg die Porsche AG ein und übernahm die Mehrheit am Geschäft mit Lithium-Ionen-Zellen, die der Sportwagenbauer für seine Elektromodelle benötigt. Tojner und Porsche schossen 60 Millionen Euro ein, drängten die übrigen Aktionäre hinaus und nahmen das Unternehmen von der Börse. Die Gläubiger verzichteten auf gut die Hälfte ihrer Forderungen und sollten dafür an künftigen Gewinnen beteiligt werden.

Diese Rechnung geht nun nicht auf. Die Gläubiger um die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds halten das Geschäft für nicht mehr sanierungsfähig und fordern ihre Kredite zurück. Ihnen fällt stattdessen die profitable Haushaltsbatterien-Sparte zu, die allein mit 240 Millionen Euro bewertet wird. An der Microbattery-Tochter, die unter anderem Knopfzellen für Hörgeräte fertigt, hat Tojner Interesse angemeldet – hält dort aber tiefgreifende Einschnitte für nötig.

Symbol einer Industriekrise

Die Zerschlagung des Konzerns rückt damit näher: Das Batteriegeschäft für Endverbraucher geht an die Gläubiger, die Mikrobatterien könnten separat weitergeführt werden. Wie es mit der Storage-Sparte weitergeht, die Speicher für Photovoltaikanlagen produziert, ist offen. Die zuständige Richterin am Amtsgericht Stuttgart prüft die Anträge derzeit.

Der Fall Varta reiht sich ein in eine Serie von Hiobsbotschaften aus der deutschen Industrie. Ein Traditionsunternehmen mit dem Qualitätsversprechen „Made in Germany» verliert seinen wichtigsten Kunden an die chinesische Konkurrenz – und findet niemanden mehr, der die Lücke schliessen will.

hitze.li