Schweizer Exporte finden nach einem Jahr Flaute zurück in die Spur
Nach vier Quartalen im Minus hat die Schweizer Exportwirtschaft im zweiten Quartal 2026 wieder zugelegt. Saisonbereinigt stiegen die Ausfuhren um 8,8 Prozent auf 73,2 Milliarden Franken – das dritthöchste Ergebnis der Geschichte. Wie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit mitteilt, fiel das Wachstum preisbereinigt allerdings deutlich verhaltener aus: Real blieb vom kräftigen nominalen Sprung nur ein Plus von 0,6 Prozent übrig. Der Aufschwung steht damit auf schmalem Fundament.
Auch die Importe zogen an, und zwar um 4,9 Prozent (real: +1,5 Prozent) auf 59,3 Milliarden Franken – der höchste Stand seit dem ersten Quartal 2025. Unter dem Strich resultierte ein Handelsbilanzüberschuss von 13,9 Milliarden Franken.
Chemie-Pharma treibt die Erholung
Sechs der zehn wichtigsten Warengruppen legten zu. Den grössten Beitrag lieferte einmal mehr die umsatzstärkste Sparte: Die chemisch-pharmazeutischen Erzeugnisse gewannen 15,2 Prozent oder 5,1 Milliarden Franken hinzu – dies nach vier schwächelnden Vorquartalen. Wachstumstreiber waren die Antisera und Vaccine sowie die Arzneiwaren mit einem Plus von 16,9 beziehungsweise 12,3 Prozent.
Auffällig entwickelten sich auch die Stromausfuhren: Die Exporte von elektrischem Strom stiegen innert Quartalsfrist um 518 Millionen Franken. Bei den Maschinen, Elektronik und Apparaten resultierte ein Zuwachs von 220 Millionen Franken. Leicht rückläufig zeigte sich hingegen die Uhrenbranche mit einem Minus von 1,1 Prozent.
Schub aus den USA – Europa stockt
Geografisch fiel die Entwicklung sehr unterschiedlich aus. Die Ausfuhren nach Nordamerika schnellten nach zwei negativen Quartalen um kräftige 21,8 Prozent nach oben, wobei die USA mit einem Plus von 21,5 Prozent den Ausschlag gaben. Auch der asiatische Markt legte zu (+6,8 Prozent); allein die Exporte nach Japan und Singapur wuchsen zusammen um 254 Millionen Franken.
Deutlich harziger lief es auf dem wichtigsten Absatzmarkt: In Europa stagnierte der Handel bei einem Plus von 0,3 Prozent. Mehrexporten nach Belgien, Deutschland und Frankreich standen spürbare Rückgänge nach Slowenien, Italien und Österreich gegenüber.
Importe steigen auf breiter Front
Auf der Einfuhrseite verzeichneten mit Ausnahme der Nahrungs-, Futter- und Genussmittel alle bedeutenden Warengruppen ein Plus. Die Hälfte des Wachstums entfiel allein auf die chemisch-pharmazeutischen Erzeugnisse mit 1,4 Milliarden Franken. Zulegen konnten auch die Energieträger: Die Importe von Mineral- und Erdöl stiegen zusammen um 293 Millionen Franken.
Nach Regionen lagen die Einfuhren nahe beieinander – Asien +4,3 Prozent, Nordamerika +4,2 Prozent und Europa +3,1 Prozent. In Asien war praktisch nur China für den Anstieg verantwortlich: Die Schweiz bezog für 628 Millionen Franken mehr Waren aus der Volksrepublik. Die Importe aus Südkorea gingen nach vier starken Quartalen dagegen um rund einen Drittel oder 345 Millionen Franken zurück.
Juni bremst das Quartal
Dass die Erholung noch keine Selbstläuferin ist, zeigt der Blick auf den letzten Monat des Quartals. Im Juni sanken die Exporte saisonbereinigt um 4,3 Prozent auf 24,3 Milliarden Franken; real betrug der Rückgang sogar 6,0 Prozent. Belastet wurde das Ergebnis erneut von der Chemie-Pharma. Trendmässig schwächeln die Ausfuhren damit trotz des starken Quartalsauftakts weiterhin.

