IWF senkt Wachstumsprognosen – Georgiewa warnt vor dauerhaften Folgen
IWF Gebäude in Washington DC | Foto: Gregor Meier
Der Internationale Währungsfonds hat seine Erwartungen für die Weltwirtschaft erneut nach unten korrigiert. Als Hauptgrund nennt die Organisation die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Krieges.
Für das laufende Jahr rechnet der IWF noch mit einem globalen Wachstum von 3,1 Prozent – im Januar waren es 3,3 Prozent. 2027 soll die Weltwirtschaft um 3,2 Prozent zulegen. Beide Werte liegen damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 3,7 Prozent zwischen 2000 und 2019.
Ausschlaggebend für die Korrektur sind das eingebrochene Rohstoffangebot infolge der blockierten Strasse von Hormus sowie die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit durch den Krieg. Die Prognosen gelten allerdings nur unter der Annahme, dass der Konflikt begrenzt bleibt und die wirtschaftlichen Störungen bis Mitte 2026 abklingen.
Europa und USA betroffen
Für die Euro-Zone erwartet der IWF 2026 noch ein BIP-Wachstum von 1,1 Prozent – Januar-Prognose: 1,3 Prozent. Deutschland trifft es besonders: Erst vor wenigen Monaten hatte der Fonds seine Erwartungen für die Bundesrepublik auf 1,1 Prozent angehoben, nun werden nur noch 0,8 Prozent erwartet. Auch für die USA als direkte Kriegspartei im Konflikt mit dem Iran wurden die Zahlen leicht gesenkt – von 2,4 auf 2,3 Prozent für 2026.
Die globale Gesamtinflation dürfte 2026 bei 4,4 Prozent liegen und 2027 auf 3,7 Prozent zurückgehen – beides deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent, den die meisten Zentralbanken anstreben.
Georgiewa: Kein einfacher Weg zurück
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa warnte vor zu viel Optimismus: „Selbst im besten Fall wird es keine saubere und reibungslose Rückkehr zur Vorkriegssituation geben.» Das Wachstum werde langsamer ausfallen, selbst wenn ein dauerhafter Friede erreicht werde.
Handlungsdruck für Zentralbanken wie die Fed oder die EZB sieht Georgiewa derzeit nicht. „Derzeit ist es sinnvoll abzuwarten und die Lage zu beobachten», sagte sie. Die kurzfristigen Inflationserwartungen seien zwar gestiegen, die langfristigen jedoch stabil geblieben – was sie als positives Zeichen wertet.

