«Ewiger Frieden war immer eine Illusion»

Prinz Michael von und zu Liechtenstein

Prinz Michael von und zu Liechtenstein referierte an der UFL über Geopolitik, Verteidigung und die wirtschaftliche Zukunft des Landes | Bildquelle: 1FLTV - Das Liechtensteiner Fernsehen

Die Stiftung für Staatsrecht und Ordnungspolitik lud jüngst zu einem Vortrag nach Triesen – und Prinz Michael von und zu Liechtenstein lieferte dabei eine nüchterne Analyse der weltpolitischen Lage. Als Präsident des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung und langjähriger Kenner internationaler Wirtschafts- und Finanzfragen sprach er über Machtverhältnisse, Sicherheit und die Herausforderungen für Liechtenstein.

Regelbasierte Weltordnung: Eine Illusion mit Ablaufdatum

Gleich zu Beginn räumte Prinz Michael mit einer verbreiteten Vorstellung auf: Eine stabile, regelbasierte Weltordnung habe es nie wirklich gegeben. „Sie war auch immer nur eine Illusion, die aber in einem gewissen Ding funktioniert hat, solange es einen Hegemon gab, der das durchgesetzt hat», sagte er – und meinte damit die USA. Die Hoffnung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, dass Demokratie und Frieden die Welt dauerhaft prägen würden, sei nicht eingetroffen. Menschen seien irrational, und das sei keine neue Erkenntnis. Den Frieden zu erstreben bleibe dennoch richtig – aber man müsse realistisch sein: Wer sich auf einen möglichen Krieg oder wirtschaftliche Krisen vorbereite, sei besser aufgestellt. Verteidigung sehe er wie eine Brandversicherung: Man habe sie – und hoffe trotzdem, dass das Haus nicht abbrennt.

Liechtenstein: Glückliche Lage, strukturelle Abhängigkeit

Für Liechtenstein zog Prinz Michael ein differenziertes Bild. Das Land sei in einer günstigen geographischen Lage, umgeben von friedlichen Nachbarn. Eine eigene Armee aufzubauen sei angesichts der Grösse aber keine realistische Option. Denkbar wäre hingegen in Zukunft ein finanzieller Beitrag zu einem europäischen Verteidigungsfonds. Auch wirtschaftlich sei Liechtenstein auf Partner angewiesen – die Mitgliedschaft im EWR und die enge Verbindung zur Schweiz hätten dafür bisher ideale Voraussetzungen geschaffen.

Wirtschaftliche Sorgen: Lieferketten und Überregulierung

Besorgt zeigte sich Prinz Michael über die zunehmend unberechenbare Weltlage mit Kriegen, hohen Zöllen und gestörten Lieferketten. Besonders die Überregulierung bereite ihm Sorgen: Sie führe zu Produktivitätsverlusten und schwäche die Wettbewerbsfähigkeit. Liechtenstein habe es bisher jedoch stets geschafft, produktiv zu bleiben. Der Finanzsektor, ein wichtiger Pfeiler der Liechtensteiner Wirtschaft, brauche ein stabiles und international anschlussfähiges Umfeld – mit verlässlicher Rechtssicherheit und wenig regulatorischen Änderungen.

Afrika und der demographische Umbruch

Als künftigen Wachstumspol nannte Prinz Michael Afrika. Allein die Bevölkerungsentwicklung mache den Kontinent in 40 Jahren zu einem der bevölkerungsreichsten der Welt. „Wir müssen schauen, dass wir auch dabei sind», sagte er. Gleichzeitig stellte er fest, dass viele bisherige ökonomische Modelle ins Wanken gerieten: Erstmals in der Geschichte schrumpfe die Weltbevölkerung in weiten Teilen. Auch China, mit rund 1,4 Milliarden Menschen die Nummer zwei der Welt hinter Indien, verzeichne seit 2023 einen Bevölkerungsrückgang. Prämien für mehr Kinder zeigten kaum Wirkung. „Eine Gesellschaft kann man nicht einfach so an- und abdrehen», so Prinz Michael.

Prinz Michael von und zu Liechtenstein war jahrelang in den USA, Kanada, Europa und Afrika tätig. Seit 1987 ist er in Liechtenstein ansässig und leitet den Industrie- und Finanzkontor. Bei der Stiftung für Staatsrecht und Ordnungspolitik ist er Präsident des Wissenschaftlichen Beirats.

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