Nach Zoll-Urteil: Wie reagieren die Finanzmärkte?
Der Supreme Court kippt Trumps Zölle. Die Börsen drehen ins Plus. Doch niemand glaubt, dass das das letzte Wort war. Die Finanzmärkte nehmen das Urteil gelassen zur Kenntnis, denn die US-Regierung besitzt weitere Hebel. Zugleich stärkt das Urteil das Vertrauen in die Gewaltenteilung.
Donald Trump verhängte die Abgaben im Februar 2025. Er berief sich dabei auf ein Notfallgesetz aus dem Jahr 1977. Der Präsident legte einen Basiszoll auf alle Importe. Er erhöhte die Sätze für die meisten Länder. Er verlangte zusätzliche Abgaben für Stahl, Aluminium und Autoteile. Tausende Unternehmen klagten. Sie forderten ihr Geld zurück.
Das höchste US-Gericht erklärte die Massnahmen nun für verfassungswidrig. Die Anleger atmen auf. Die US-Leitindizes steigen. Autoverkäufer, Möbelfirmen, Schuh- und Spielzeughersteller verzeichnen Kursgewinne. Nike legt im frühen Handel ein Prozent zu. Deckers Outdoor und Birkenstock gewinnen rund zwei Prozent. Under Armour springt um drei Prozent. Target steigt um zwei Prozent, der Möbelhersteller RH um zehn Prozent, Wayfair um acht Prozent. Auch Luxusmarken wie Ralph Lauren, Capri Holdings und Tapestry legen zu. Kosmetikkonzerne wie Estee Lauder, Coty und Elf Beauty verzeichnen ähnliche Gewinne.
Doch der Triumph bleibt vorerst halbherzig. Experten rechnen damit, dass Trump nach anderen Wegen sucht. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, erklärt gegenüber der Lebensmittelzeitung: Der Präsident könne auf ein aussenwirtschaftliches Ungleichgewicht verweisen. Das Leistungsbilanzdefizit der USA liegt bei knapp fünf Prozent. Dann greift Sektion 122 des Trade Acts von 1974. Diese erlaubt dem Präsidenten, für 150 Tage einen Zoll von 15 Prozent zu erheben.
Swissmem, der Schweizer Industrieverband, äussert sich zurückhaltend. Er begrüsst das Urteil, warnt aber vor voreiliger Euphorie. Noch sei nichts gewonnen. Die US-Regierung werde andere Gesetze nutzen, um die Zölle zu rechtfertigen. Die Schweiz solle daher das Abkommen mit den USA in einen verbindlichen Vertrag überführen. Die Regierung in Bern hat dafür am 14. Jänner das Verhandlungsmandat beschlossen. Die Zölle haben den schweizer Maschinenbauern und Elektrofirmen schwer zugesetzt. Im vierten Quartal 2025 brachen die Exporte in die USA um 18 Prozent ein. Die unrechtmässig gezahlten Abgaben beliefen sich auf schätzungsweise fast 800 Millionen Dollar.
