Kunstmuseum Liechtenstein präsentiert Programm 2026: Gesellschaft, Vielfalt und Humor im Fokus

Jahrespressekonferenz Kunstmuseum Liechtenstein

Das Kunstmuseum Liechtenstein startet mit einem ambitionierten Ausstellungsprogramm ins Jahr 2026, das gesellschaftliche Fragen mit feinem Humor verbindet. Bei der Jahrespressekonferenz stellte die designierte Direktorin Christiane Meyer-Stoll das Programm vor, das sie grösstenteils noch gemeinsam mit der scheidenden Direktorin Letizia Ragaglia entwickelt hatte.

Führungswechsel nach erfolgreichen Jahren

Ab 1. Januar 2026 übernimmt Meyer-Stoll die Direktion des Museums, nachdem Ragaglia nach vier prägenden Jahren aus gesundheitlichen Gründen ausscheidet. Der Stiftungsrat würdigte Ragaglias Leistungen: Mit «unglaublicher Energie und Leidenschaft» habe sie das Museum zu einem lebendigen und offenen Ort weiterentwickelt. Besonders Formate wie die Freie Nacht oder das neue Format Nacht XL hätten die Inklusivität des Hauses gestärkt.

Meyer-Stoll, die das Museum seit dem Jahr 2000 begleitet hat, freut sich auf die neue Aufgabe: «Es ist ein riesengrosses Glück. Gemeinsam sind wir sehr viel stärker und nach aussen wirksamer.»

Programm 2026: Von Selbstreflexion bis Retrospektive

Das Ausstellungsprogramm 2026 widmet sich grundlegenden menschlichen Fragen und setzt dabei auf selbstreflexiven Humor, der komplexe Themen zugänglich macht. Den Auftakt bildet ab 6. Februar das Schweizer Künstlerinnenkollektiv RELAX (chiarenza & hauser & co) mit ihrer Frage «What do we want to keep?». Die Arbeit lädt ein, über den verantwortungsvollen Umgang mit der Vergangenheit nachzudenken. Ihre Werke tragen programmatische Titel wie «What Is Wealth?», «Who Pays?» und «Is Justice Justice?». Im Zentrum steht die grosse Installation «God’s World» – ein Tauschraum mit Glücksrad, der sich mit Kanon, Werten und Ökonomie auseinandersetzt.

Ein Höhepunkt ist die Retrospektive von Eleanor Antin (27. März bis 27. September 2026) – die erste grosse europäische Werkschau der 91-jährigen amerikanischen Künstlerin. Die 1935 in New York geborene Pionierin der konzeptuellen und feministischen Kunst untersucht das fluide Selbst und schlüpft in verschiedene Rollen: den König, die Ballerina, die Krankenschwester. In ihrem Frühwerk aus den späten 1960er Jahren reflektiert sie, wie Künstlerinnen in der Kunstgeschichte dargestellt wurden. In «Representational Painting» nimmt sie sich selbst als Malfläche, in «Carving: A Traditional Sculpture» (1972) formt sie ihren Körper durch eine Diät wie eine Bildhauerin. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Mudam Luxemburg und wandert anschliessend nach Krakau ans MOCAK.

Für Kinder wird das «kollabor» im Seitenlichtaal auf die Altersgruppe 0 bis 12 Jahre erweitert. Die Installation «CacchHo CucchhA» von Mercedes Azpilicueta (3. Mai bis 22. November 2026) lädt zum spielerischen Umgang mit Kostümen, Klangobjekten und textilen Elementen ein, inspiriert von Natur, Tierfabeln und Körperwissen.

Im Herbst folgt die Einzelausstellung «Radical Hope» von Anna Jermolaewa (23. Oktober 2026 bis 29. März 2027). Die Mitbegründerin der ersten Oppositionspartei in der Sowjetunion, die 1989 wegen politischer Agitation nach Österreich floh, reflektiert in ihren Werken auf empathische Weise soziale und politische Realitäten in repressiven Systemen.

Bedeutende Jubiläen

2026 jährt sich der Ankauf der Sammlung Rolf Ricke zum 20. Mal – ein Meilenstein, den das Kunstmuseum Liechtenstein damals gemeinsam mit dem Kunstmuseum St. Gallen und dem MMK Frankfurt realisierte. Auch der Freundeskreis des Museums feiert sein 20-jähriges Bestehen.

Für Liechtenstein selbst stehen kulturelle Jubiläen an: Georg Malin, erster Konservator der Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung, feiert im Februar seinen 100. Geburtstag. Die Künstlerin und Schriftstellerin Evi Kliemand wird 80 Jahre alt. Ihr widmet das Museum die Ausstellung «Übers Wasser gehen» (4. September 2026 bis 10. Januar 2027) in der Reihe «Im Kontext der Sammlung».

Das Programm entsteht in enger Partnerschaft mit der Hilti Art Foundation und verspricht ein «begegnungsreiches und inspirierendes Kunstjahr 2026», so Meyer-Stoll.

Fehler gefunden?