Die Liechtensteiner Medienlandschaft durchlebt eine Krise. Mit dem Aus des «Liechtensteiner Volksblatts» und von Radio Liechtenstein innerhalb kurzer Zeit hat sich das Angebot an unabhängigen Informationsquellen deutlich verringert. Jetzt hat der Think-Tank Stiftung Zukunft.li eine umfassende Studie vorgelegt, die aufzeigen soll, wie die Situation verbessert werden kann. Heute wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert.
Dominanz des Vaduzer Medienhauses wächst
Die Ausdünnung der Medienvielfalt sei dramatisch. Das Vaduzer Medienhaus sei mit seiner Tageszeitung «Vaterland» nun der dominierende Akteur am Markt. Kleinere Medien wie Lie-Zeit und Landesspiegel sowie das Liechtensteiner Fernsehen 1FL TV verfügten über geringere Reichweiten und finanzielle Ressourcen. Diese Konzentration sei problematisch für eine funktionierende Demokratie, erklärt Stiftungsratspräsident Dr. Gerhard Schwarz die Ausgangslage.
«Demokratien können ohne freie Medien nicht funktionieren«, betont er. Medien seien notwendig, damit sich Bürger unabhängig eine Meinung bilden können. Sie kontrollieren die Regierung, strukturieren öffentliche Debatten und wirken dem Einfluss sozialer Medien entgegen. In einem direkt-demokratischen System wie Liechtenstein seien sie besonders essenziell.
Staat investiert 4,4 Millionen Franken jährlich
Der Liechtensteiner Staat unterstützt seine Medienbranche bereits massiv. Im Rechnungsjahr 2024 flossen 4,4 Millionen Franken an Förderung in den Sektor – das entspricht 0,5 Prozent der Gesamtstaatsausgaben. Radio Liechtenstein erhielt allein 3,3 Millionen Franken, bevor es im Oktober 2024 den Betrieb einstellte. Auch das Vaterland sei massiv von der Medienförderung abhängig.
Hinzu kommt eine strukturelle Herausforderung: Die Digitalisierung verändert die Mediennutzung und verschiebt Werbeeinnahmen weg von traditionellen Medien. Dies macht die wirtschaftliche Situation unabhängiger Medien zusätzlich prekär. In einem kleinen Land wie Liechtenstein ist es ohne staatliche oder private Unterstützung kaum möglich, Medien ohne Quersubventionierung gewinnbringend zu betreiben.
Vier-Säulen-Modell als Lösungsansatz
Die Stiftung Zukunft.li schlägt ein Vier-Säulen-Modell vor, um die Medienvielfalt zu sichern:
Erstens fordern die Autoren einen nationalen Schulterschluss privater Geldgeber. Über eine philanthropische Stiftung für Meinungsvielfalt sollen unabhängige Medien finanziert werden – unabhängig von Staatseinfluss und privaten Interessen.
Zweitens wird eine demokratische Medienförderung vorgeschlagen statt einer Förderung durch Bürokratie. Die Steuerzahler würden selbst entscheiden, welche Medien sie fördern möchten, indem sie bei der Steuererklärung ihr Lieblings-Medium angeben. Dies soll politische Einflussnahme reduzieren.
Drittens sollen Medien zukünftig eine Forums-, Kontroll- und Integrationsfunktion in der Gesellschaft erfüllen. Dafür müssen die Förderinstrumente auf klar definierte medienpolitische Ziele abgestimmt sein.
Viertens wird eine Auslegeordnung der Medienförderung verlangt, die anhand von sieben Kriterien beurteilt wird: Medien- und Meinungsvielfalt, journalistische Qualität, gezieltes Vorgehen gegen Marktversagen, Kanalunabhängigkeit, Wettbewerbsneutralität, Unabhängigkeit der Medien und Effizienz der Förderung.
16 Modelle zur Diskussion gestellt
Die Studie analysiert insgesamt 16 verschiedene Fördermodelle. Sie sollen den Blick für Handlungsmöglichkeiten und die in den Konzepten liegenden Zielkonflikte schärfen. Die Modelle können teilweise kombiniert werden und sind als Grundlage für eine sachliche medienpolitische Diskussion gedacht.
Geht es nach Geschäftsführer Dr. Gerald Hosp, der selbst über jahrzehntelange Erfahrung in Journalismus, Medienökonomie und Medienmanagement verfügt, soll mit der Studie Impulse für eine breite und sachkundige Debatte geben werden – mit grosser Offenheit und ohne politische Tabus.
Die Fragen sind grundlegend: Wie viel Staatsförderung ist vertretbar? Wie lässt sich Medienvielfalt sichern, ohne die redaktionelle Unabhängigkeit zu gefährden? Wie können private Initiativen und staatliche Unterstützung sinnvoll kombiniert werden?
Die Studie liegt nun vor. Die Debatte kann beginnen.
