Streit um Falkland-Öl: Argentinien erhöht den Druck

Javier Milei

Javier Milei | Foto: Casa Rosada

Die drei grössten Ölservice-Konzerne der Welt wollen beim ersten Ölfeld vor den Falklandinseln nicht mitarbeiten. SLB, Halliburton und Baker Hughes haben erklärt, sich nicht am Projekt Sea Lion zu beteiligen. Der argentinische Staatskonzern YPF dankte den drei Unternehmen öffentlich dafür. Für Präsident Javier Milei ist das ein erster Erfolg in einem Streit, den er in den vergangenen Wochen gezielt verschärft hat.

Sea Lion liegt rund 220 Kilometer nördlich der Falklandinseln in 450 Metern Wassertiefe. Das Feld wurde 2010 vom britischen Unternehmen Rockhopper Exploration entdeckt. Rockhopper hält heute 35 Prozent, Betreiberin mit 65 Prozent ist die in Tel Aviv kotierte Navitas Petroleum. Im Dezember 2025 fiel der endgültige Investitionsentscheid. Die erste Phase soll rund 1,8 Milliarden Dollar kosten, das gesamte Projekt rund 3,9 Milliarden. Geplant sind zunächst elf Bohrungen, die an ein schwimmendes Förderschiff angeschlossen werden. Gebohrt werden soll ab Anfang 2027, das erste Öl wird für März 2028 erwartet. In der ersten Phase sollen täglich 50’000 Barrel gefördert werden, über eine Laufzeit von 30 Jahren.

Die beiden Firmen geben sich gelassen. Die jüngsten Entwicklungen dürften den Zeitplan nach ihrer Einschätzung nicht wesentlich beeinflussen.

Sanktionen gegen Firmen, Aktionäre und Zulieferer

Argentinien sieht das anders. Buenos Aires betrachtet die Förderung als illegal, weil sie ohne argentinische Bewilligung erfolgt. Die Regierung beruft sich auf ein Gesetz von 2011, das jede Öl- und Gasförderung auf dem argentinischen Kontinentalschelf einer nationalen Genehmigung unterstellt, sowie auf eine UNO-Resolution, die beide Seiten zu Verhandlungen über die Souveränität auffordert.

Am 3. September kündigte Milei in einer Fernsehansprache härtere Strafen an. Tags darauf folgte ein Dekret, das die Sanktionsverfahren beschleunigt und neben den Betreibern auch deren Aktionäre, Verwaltungsräte und Zulieferer erfasst. Gegen zunächst 45 Unternehmen und Personen wurden Verfahren eröffnet, inzwischen sind es nach Regierungsangaben mindestens 60, darunter Navitas und Rockhopper. Sanktionen wurden bisher keine verhängt. Am 17. September schickte Milei zudem einen Gesetzesentwurf an den Kongress, der die Strafen weiter verschärfen und einen Nationalen Sicherheitsrat unter Vorsitz des Präsidenten schaffen soll.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Anfang September hatte US-Präsident Donald Trump öffentlich angedeutet, die USA würden Grossbritannien bei einem Konflikt mit Argentinien möglicherweise nicht beistehen. Auf die Frage nach der amerikanischen Haltung zu den Inseln sagte er, er überprüfe jede Position. Hintergrund ist ein Zerwürfnis zwischen Washington und London: Trump wirft der britischen Regierung vor, die US-Militäraktionen gegen Iran nicht unterstützt zu haben.

Milei, einer der engsten Verbündeten Trumps in Lateinamerika, nutzte die Gelegenheit. Das ist eine Kehrtwende. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er sich gegenüber London auffallend versöhnlich gegeben und 2024 in einem Interview sogar die frühere Premierministerin Margaret Thatcher gelobt, unter der Grossbritannien 1982 den Krieg um die Inseln gewonnen hatte. Kritiker in Argentinien halten die neue Härte für ein Manöver mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 und werfen Milei vor, in der Sache zu wenig zu tun.

Die Regierung der Falklandinseln hält dagegen. Am 22. September verlängerte sie alle bestehenden Offshore-Förderlizenzen um fünf Jahre, mit der Option auf zwei weitere. Navitas erhielt ausserdem die Erlaubnis, 65 Prozent einer weiteren Lizenz zu übernehmen. Grossbritannien stellte sich hinter den Entscheid. London verweist darauf, dass die Inseln britisches Überseegebiet bleiben, solange die Bewohner das wünschen. In einem Referendum 2013 hatten sich 99,8 Prozent der Stimmenden dafür ausgesprochen.