Landtalk Live – Jugendparteien am Wort
Öffentlicher Podcast | Foto: Gregor Meier
Zum ersten Mal hat der Polit-Podcast „Landtalk“ eine Folge vor Publikum aufgezeichnet – und zwar dort, wo die Themen später ohnehin landen: im Landtagsgebäude in Vaduz. Anlass war der Internationale Tag der Jugend am Mittwoch, die Folge trug den Titel „Was di junga bewegt“. Am Mikrofon sassen Yannick Ritter, Präsident der Jugendunion, Nico Büchel von der Jungen FBP und Tobias Gassner, Co-Präsident der Jungen Liste.
Der Podcast, der sonst hinter verschlossener Tür entsteht, öffnete sich einem Publikum, das mithören, aber nicht mitreden durfte. Aufgenommen wird über ein einziges Mikrofon, entsprechend eindringlich fiel die Bitte der Moderation aus, während der Aufzeichnung möglichst ruhig zu bleiben. Für alles, was sich nicht in den Podcast schneiden lässt, gab es kühle Getränke in einem Nebenraum.
Vor es losging begrüsste Landtagspräsident Manfred Kaufmann die Anwesenden im Landtagsgebäude. Der Podcast würde den Landtag und das politische Geschehen den Menschen zugänglich machen, sagte er. Mit ihren Petitionen und Initiativen würden die Jungparteien„das Land aktiv mitgestalten“. Kaufmann verwies dabei auf die Geschäfte, die den Landtag in der September-Sitzung beschäftigen werden – darunter die Fristenlösungs-Initiative und die Petition der Jugendunion zum Stipendiengesetz.
Fristenlösung: das Thema mit dem grössten Echo
Tobias Gassner brachte die Volksinitiative für eine Fristenlösung ein – jenes Thema, das Liechtenstein derzeit am stärksten polarisiert. Die Initiative war im Juli mit 4970 Unterschriften eingereicht worden und will erreichen, dass ein Schwangerschaftsabbruch in den ersten Wochen straffrei bleibt. Der Landtag wird sich im September damit befassen. Dass die Junge Liste das Thema auf die Themenliste setzte, war insofern folgerichtig, als die Partei die Initiative offen unterstützt.
Stipendien: schneller entscheiden, weniger vom Elternhaus abhängig
Die Jugendunion setzte den zweiten Schwerpunkt und blieb dabei nah an ihrem eigenen jüngsten Vorstoss. Erst am Montag hatte sie beim Landtag eine Petition zum Stipendiengesetz eingereicht. Sie verlangt verbindliche Fristen für die Bearbeitung von Stipendiengesuchen – eine erste Rückmeldung innerhalb von zwei Wochen, eine Verfügung innerhalb eines Monats nach vollständiger Einreichung der Unterlagen. Zweiter Punkt ist die Abhängigkeit vom Elternhaus: Wer von den Eltern keine Unterstützung erhält, soll nicht auf den Klageweg verwiesen werden, sondern ein zinsloses Darlehen beantragen können. Und drittens fordert die Jugendunion eine Überprüfung der Einkommensgrenze von rund 110’000 Franken, ab der die Unterstützung wegfällt.
Für Studenten, die auf ein Stipendium angewiesen sind, ist das keine Verwaltungsfrage, sondern eine Planungsfrage: Semesterbeginn und Mietvertrag warten nicht auf eine Verfügung.
Mehrwertsteuer: ein Geldsegen, den niemand bestellt hat
Den dritten Themenblock steuerte die Junge FBP bei – und damit das nüchternste, aber vielleicht folgenreichste Thema des Abends. Weil die Schweiz die Mehrwertsteuer erhöht, um die 13. AHV-Rente mitzufinanzieren, muss Liechtenstein aufgrund des Zoll- und Mehrwertsteuervertrags nachziehen. Die Erhöhung um 0,4 Prozentpunkte spült dem Land damit zusätzliche Millionen in die Kasse, ohne dass es selbst darüber entschieden hätte.
Die Frage, die Nico Büchel in die Runde warf, ist entsprechend: Was soll Liechtenstein mit diesem Geld anfangen? In den allgemeinen Landeshaushalt fliessen lassen – oder gezielt zurückgeben beziehungsweise investieren? Die Debatte darüber hat auch ausserhalb der Jugendparteien längst begonnen; der Ruf, die Zusatzeinnahmen nicht einfach im Staatshaushalt verschwinden zu lassen, ist bereits aus dem Landtag zu hören gewesen.
„Landtalk“ existiert seit Dezember 2025 und wird von den FBP-Abgeordneten Daniel Salzgeber und Lino Nägele verantwortet. Das Konzept der Jubiläumsfolge unterschied sich vom Alltagsbetrieb nur in einem Punkt – dem Publikum. Ansonsten galt das übliche Muster: drei Themen, vorgeschlagen von den Jugendparteien selbst, je ein Vertreter pro Partei, moderiert und nach eigenem Anspruch möglichst neutral gehalten.

