Fake-Klimaanlagen: Wie Epicooler & Co. mit KI-Tricks Kunden abzocken

epicooler

Sobald im Sommer die Temperaturen über die 30-Grad-Marke klettern, beginnt im Netz die Hochsaison für einen ganz bestimmten Betrugstyp: Onlineshops bewerben angeblich revolutionäre Mini-Klimaanlagen, die Räume in Sekunden herunterkühlen sollen – zum vermeintlichen Spottpreis. Geräte wie der „Epicooler“ zeigen dabei exemplarisch, wie stark KI-Werkzeuge diese Betrugsmasche inzwischen professionalisiert haben.

Hinter den grossspurigen Werbeversprechen steckt technisch fast immer dasselbe: ein simpler batteriebetriebener Ventilator, ein Verdunstungskühler oder mitunter sogar ein Heizlüfter – ohne Kältemittel und ohne Abluftschlauch. Physikalisch kann ein solches Gerät die beworbenen „12 000 BTU“ gar nicht aus einem Raum abführen, da schlicht kein Weg existiert, die Wärme nach aussen zu transportieren. Bestenfalls kühlt der Luftzug unmittelbar vor dem Gerät für einen Moment die Haut.

KI-generierte Tests und Fake-Bewertungen

Um die dünne Faktenlage zu kaschieren, setzen die Anbieter gezielt auf künstliche Intelligenz: KI-generierte Bilder inszenieren angebliche Erfinder und Testlabore, KI-Texte simulieren unabhängige Testberichte, und Kundenrezensionen werden gekauft oder frei erfunden. Beworben wird das Ganze mit dramatischen Erfindergeschichten und unrealistischen Kühlversprechen über Werbeanzeigen und Kurzvideos in sozialen Netzwerken – exakt zugeschnitten auf die Tage einer Hitzewelle, wenn viele Konsumenten schnell und ohne langes Vergleichen kaufen.

Ein Netzwerk fast identischer Shops

„Epicooler“ ist dabei nur ein Name unter vielen: Dieselben Anbieter betreiben zahlreiche nahezu identische Onlineshops unter wechselnden Markennamen wie Coolizi, Randaoma oder Airabreeze, die sich meist nur durch Logo und Bezeichnung unterscheiden. Kunden berichten übereinstimmend von denselben Problemen: keine Bestellbestätigung, keine Antwort auf Anfragen, dafür eine Flut an Spam-Nachrichten. Die britische Werbeaufsicht ASA untersagte dem litauischen Unternehmen UAB Rara Digital, das unter anderem hinter „Epicooler“ und „Airabreeze“ steht, die irreführende Werbung bereits in dieser Form.

Brandgefahr durch minderwertige Bauteile

Neben dem finanziellen Schaden warnen Verbraucherschützer vor einem handfesten Sicherheitsrisiko: Die minderwertig verarbeiteten Geräte und ihre Akkus entsprechen häufig nicht den europäischen Sicherheitsnormen. Billige, unzertifizierte Akkuzellen gelten als Brandrisiko – ein Umstand, der bei einem Gerät, das über Stunden unbeaufsichtigt laufen soll, besonders schwer wiegt.

Behörden reagieren

In Österreich warnt die Arbeiterkammer bereits seit Anfang Juli vor den Fake-Klimageräten, in Deutschland tut dies die Verbraucherzentrale. Beide betonen: Wer effektiv kühlen will, kommt um eine echte Klimaanlage mit Kältemittelkreislauf und Abluftschlauch beziehungsweise Splitgerät nicht herum. Einfache Verdunstungskühler mit Wasser oder Eiswürfeln können die Luft unmittelbar am Gerät angenehmer machen, einen ganzen Raum aber nicht spürbar kühlen.

Was Betroffene tun können

Wer bereits bestellt hat, sollte laut Verbraucherschützern nicht auf eine reguläre Rücksendung an oft ohnehin unbekannte Adressen im Ausland setzen. Erfolgversprechender ist eine Rückbuchung über die Bank oder das Kreditkartenunternehmen mit der Begründung „Ware entspricht nicht der Bestellung“. Vor einem Kauf lohnt sich zudem ein kritischer Blick auf Impressum, unabhängige Bewertungsportale und die physikalische Plausibilität der Werbeversprechen – Kühlleistungen im vierstelligen BTU-Bereich zum Preis eines Ventilators sind praktisch immer ein Warnsignal.

hitze.li