VW-Aufsichtsrat billigt Teile des Sparplans – Entscheid über Werke vertagt
Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat am Donnerstagabend erste Eckpunkte für den weitreichendsten Konzernumbau seit dem Tarifkompromiss von 2024 gebilligt. Über die umstrittensten Fragen – mögliche Werkschliessungen und einen weiteren Stellenabbau – wurde jedoch keine abschliessende Entscheidung getroffen.
Vorstandschef Oliver Blume hatte dem Kontrollgremium sein „Zielbild 2030″ vorgelegt. Die Modellpalette des Konzerns soll demnach um bis zu 50 Prozent gestrafft, die Zahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Die weltweite Produktionskapazität soll von zuletzt 12 auf rund 9 Millionen Fahrzeuge sinken. Zudem sollen Verwaltung und Entwicklung verschlankt und das Beteiligungsportfolio auf Rendite und strategische Bedeutung überprüft werden.
„Wir machen den Volkswagen-Konzern schneller, robuster und wettbewerbsfähiger», erklärte Blume. Bis 2030 solle Volkswagen „das attraktivste Automobilunternehmen der Welt» werden. Finanzvorstand Arno Antlitz begründete den Kurs mit Zöllen, geopolitischen Risiken und wachsendem Wettbewerbsdruck – die bisherigen Sparprogramme reichten nicht mehr aus.
Werksfrage bleibt offen
Zu möglichen Werkschliessungen, zusätzlichem Stellenabbau oder einer Neuordnung der Konzernstruktur äusserte sich Volkswagen nicht. Medienberichten zufolge stehen die Standorte Hannover, Emden, Zwickau sowie die Audi-Fertigung in Neckarsulm zur Disposition, teils ist auch von einem fünften Werk in Osnabrück die Rede. Laut „Manager Magazin» könnten weltweit bis zu 100’000 Stellen wegfallen – doppelt so viele wie bislang geplant. Bereits jetzt hat Volkswagen bis 2030 den Abbau von 50’000 Stellen in Deutschland angekündigt, davon 35’000 bei der Kernmarke.
Proteste und Ultimatum der Belegschaft
Vor der Sitzung protestierten Beschäftigte an mehr als einem Dutzend Standorten, darunter rund 500 in Wolfsburg, 1’500 in Emden sowie mehrere Hundert in Ingolstadt und im Porsche-Werk Zuffenhausen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo stellte Blume ein Ultimatum: Bis Freitag müsse er sich unmissverständlich zu den Plänen äussern, andernfalls drohten nach der Sommerpause konzernweite ausserordentliche Betriebsversammlungen. „Es reicht. Das Fass ist zum Überlaufen gekommen», sagte Cavallo. Die IG Metall sprach von „Brutalo-Plänen der Konzernspitze» und kündigte Widerstand an. Gewerkschaftschefin Christiane Brenner sagte: „Im ganzen Land haben die Kolleginnen und Kollegen heute die klare Ansage gemacht: So nicht!»
Land Niedersachsen dagegen
Auch das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligt ist, positionierte sich gegen die Pläne. Vize-Regierungschefin Julia Willie Hamburg (Grüne) bezeichnete Werkschliessungen als „keine Zukunftsstrategie». Zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat verfügen die Landesvertreter derzeit über eine deutliche Mehrheit, da ein Kapitalseite-Sitz unbesetzt ist – eine unveränderte Zustimmung zu den Vorstandsplänen gilt daher als unwahrscheinlich.
Markt reagiert verhalten
Die VW-Vorzugsaktie gab vorbörslich rund 0,8 Prozent auf 71,70 Euro nach. Das Analysehaus Jefferies beliess sein Kursziel bei 120 Euro und die Einstufung auf „Buy», wertete den vorgestellten Restrukturierungsplan aber als wenig informativ – konkrete Fortschritte zu Werkschliessungen, einer mittelfristigen Investitionsplanung oder dem angekündigten Stellenabbau von bis zu 100’000 Jobs seien nicht erkennbar. Der Konzern meldete zudem für das erste Quartal einen Rückgang der Auslieferungen auf 2,05 Millionen Fahrzeuge, ein Minus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei schwachen Geschäften in China und den USA.

