Prinz Harry scheitert mit Klage gegen „Daily Mail“

Prinz Harry am 20. Januar

Prinz Harry am 20. Januar | Bildquelle: DFID - UK Department for International Development

Prinz Harry und sechs weitere prominente Kläger sind vor dem Londoner High Court mit ihrer Klage gegen den Verlag Associated Newspapers Limited (ANL) gescheitert. In einem 436 Seiten langen, am Dienstag veröffentlichten Urteil kam Richter Matthew Nicklin zum Schluss, dass die Kläger die Vorwürfe der unrechtmässigen Informationsbeschaffung gegen den Herausgeber von „Daily Mail“ und „The Mail on Sunday“ nicht hätten beweisen können. Der Verdacht allein genüge nicht, so der Richter, die Vorwürfe seien zwar grundsätzlich schwerwiegend, es brauche aber bessere Beweise.

Vorwürfe aus drei Jahrzehnten

Neben Prinz Harry hatten unter anderem Popstar Elton John und dessen Ehemann David Furnish, Schauspielerin Elizabeth Hurley sowie Baroness Doreen Lawrence gegen den Verlag geklagt. Im Kern warfen sie Reportern der „Daily Mail“ vor, über Jahre illegale Recherchemethoden angewandt zu haben, um an Schlagzeilen zu kommen – darunter das Abhören von Telefonaten und Mailbox-Nachrichten sowie das Einsehen privater Dokumente. Laut den Klägern sollen zudem Privatdetektive engagiert worden sein, um Autos und Wohnungen zu verwanzen und unter falscher Identität an medizinische Unterlagen zu gelangen. Die mutmasslichen Taten sollen sich zwischen 1993 und 2018 ereignet haben. Der Prozess selbst zog sich von Januar bis März 2026 hin, ANL wies die Vorwürfe von Beginn an entschieden zurück.

Emotionale Aussagen vor Gericht

Prinz Harry hatte im Jänner selbst vor Gericht ausgesagt. Am Ende seiner Aussage brach ihm die Stimme, als er über die Presse sagte: „Sie haben das Leben meiner Frau vollkommen zur Hölle gemacht, Euer Ehren.“ Er habe sich wegen der Verfolgung durch die Medien selbst „paranoid“ gefühlt. Auch Elton John fand im Februar drastische Worte: Die Praktiken des Verlags seien „abscheulich und jenseits jeglicher Standards menschlichen Anstandes“. Er und Furnish warfen der „Daily Mail“ vor, über Privatdetektive Telefonate abgehört und intime Dokumente wie Krankenakten beschafft zu haben.

Harry spricht von „Whitewash“

Nach der Urteilsverkündung reagierte Prinz Harry mit scharfer Kritik. Gemeinsam mit Mitklägerin Baroness Doreen Lawrence bezeichnete er die Entscheidung als „einen kompletten und offensichtlichen Whitewash“, wenn auch „nicht gänzlich unerwartet“. Das Ausmass, in dem das Gericht gegangen sei, um die „Mail“ zu entlasten, sei ebenso schockierend wie unbegründet. ANL hingegen begrüsste das Urteil als „einen überwältigenden Sieg für die Daily Mail und ihre Journalisten“.

Ob die Kläger in Berufung gehen, ist offen. Ein automatisches Berufungsrecht besteht nicht, dafür bräuchte es die Zustimmung des Gerichts, und der Court of Appeal würde den Prozess nicht einfach neu aufrollen. Finanziell dürfte die Niederlage schmerzhaft werden: Bei Prozesskosten von geschätzt 40 bis 50 Millionen Pfund müssen Harry und seine Mitkläger nach der im britischen Recht üblichen Regel, wonach die unterlegene Partei die Kosten trägt, nicht nur ihre eigenen Ausgaben, sondern auch einen grossen Teil der Kosten der Gegenseite übernehmen.

Für Harry bereits die dritte Klage dieser Art

Prinz Harry, der sich 2020 aus dem inneren Kreis der Royals löste und mit seiner Frau, Herzogin Meghan (44), und den gemeinsamen Kindern in den USA lebt, führt seit Jahren einen Kreuzzug gegen die britische Boulevardpresse. Sein schwieriges Verhältnis zu den Medien reicht bis zum Tod seiner Mutter, Prinzessin Diana, zurück, die 1997 bei einem Autounfall infolge der Verfolgung durch Paparazzi ums Leben kam. Dass er wiederholt selbst vor Gericht aussagt, gilt als ungewöhnlicher Vorgang für ein Mitglied des britischen Königshauses. Für ihn war es bereits die dritte Klage dieser Art gegen britische Boulevardmedien.

Emotional dürfte diese Woche für Harry ohnehin herausfordernd bleiben – nicht nur wegen des Urteils, sondern auch aus familiären Gründen. Zuletzt hatte es nach einer möglichen Annäherung mit seinem Vater König Charles III. ausgesehen, nun scheinen sich die Fronten wieder zu verhärten. Ursprünglich hätte Harry anlässlich der Vorbereitungen für die Invictus Games 2027 mit seiner Familie im Buckingham Palace übernachten sollen, der Palast dementierte dies jedoch kurzfristig. Hintergrund ist ein anhaltender Streit um den Umfang des Polizeischutzes für Harry und seine Familie in Grossbritannien.

hitze.li