Vier Jahre Krieg – Luzia Tschirky im Campus Gespräch der Universität Liechtenstein

Campus Gespräche

Vier Jahre sind vergangen, seit russische Truppen am 24. Februar 2022 die Ukraine überfielen. Was als «militärische Spezialoperation» begann, entwickelte sich zum grössten kriegerischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Anlässlich dieses düsteren Jahrestags war die renommierte Journalistin und Buchautorin Luzia Tschirky zu Gast an der Universität Liechtenstein. Im Auditorium der Hochschule referierte die langjährige Moskau-Korrespondentin vor einem grossen Publikum über die Realität eines Krieges, der Europas Sicherheitsarchitektur fundamental erschüttert hat.

Tschirky verfügt über eine seltene Expertise: Als jüngste Auslandskorrespondentin und erste Frau auf diesem Posten beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtete sie aus den Krisenherden der ehemaligen Sowjetunion. Sie lebte bis zum Kriegsausbruch in Moskau, musste ihre Wohnung jedoch aus Angst vor staatlicher Repression aufgeben – ihr Ehemann besitzt auch den russischen Pass. Heute lebt sie mit ihrer 2023 geborenen Tochter in Zürich.

Vom Schützengraben in der Schule

Tschirky eröffnete ihren Vortrag mit einem verstörenden Bild: einem Schützengraben mitten in einem zerstörten Gebäude in der ostukrainischen Ortschaft Isjum, die zwischenzeitlich von ukrainischen Truppen befreit worden war. «Das ist kein Einschlagkrater«, erklärte sie dem Publikum. «Das ist ein Schützengraben, ausgehoben von der russischen Armee – innerhalb einer Schule.» Diese Taktik, so Tschirky, habe die russische Armee vom Islamischen Staat kopiert. Auch die Durchschlässe in den Wänden, die es Scharfschützen ermöglichten, schnell zwischen den Zimmern zu wechseln, seien eine Übernahme aus dem irakischen Mossul.

Dass die russische Armee zivile Objekte wie Schulen als militärische Stützpunkte nutzt, widerspricht laut Tschirky den Genfer Konventionen. «Diese Strategie zieht sich durch alle von Russland besetzten Gebiete«, berichtete sie aus eigener Anschauung.

Eine düstere Zukunft?

Tschirky wagte einen vorsichtigen Ausblick: Sie würde sich freuen, sollte sich ihre aktuelle Einschätzung als falsch erweisen. «Wenn ich mich bezüglich der Zukunft der Ukraine täusche, dann wäre das eine gute Nachricht für die Menschen dort«, sagte sie. Derzeit sei jedoch kein Ende der Gewalt in Sicht. Die Erfahrungen der ukrainischen Zivilbevölkerung mit der russischen Armee – Leichentransporte in VW-Sprintern, systematische Kriegsverbrechen – seien der Hauptgrund, weshalb ukrainische Seite nicht zu Zugeständnissen bereit sei.

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