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Die letzten Stunden von Radio L

Jürg Bachmann und Doris Quaderer

Am Abend geht bei Radio L endgültig das Licht aus. Der Sendebetrieb wird eingestellt – ein Moment, der für die Beteiligten schwer zu verkraften ist. Geschäftsführerin Doris Quaderer und Verwaltungsratspräsident Jürg Bachmann gaben dem Landesspiegel ein letztes Interview. «Die Enttäuschung ist riesig, weil ich nicht gedacht hätte, dass es einfach wirklich so endet«, erklärte Quaderer einleitend. Sie ist überzeugt, dass eine konstruktive Lösung möglich gewesen wäre, wenn alle Beteiligten an einem Strang gezogen hätten.

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«Es hätte nicht so enden müssen.»

Doris Quaderer

Hoffnung auf eine Rettung in letzter Minute hat sie kaum noch, auch wenn die DpL angekündigt hatte, einem Nachtragskredit zustimmen zu wollen. «Das ist wieder so ein Strohfeuer«, sagte sie. In den letzten Monaten habe es immer wieder Hoffnungen gegeben, die dann doch zerschlagen wurden. Radio L sei zum Spielball geworden, «Wer am Schluss den schwarzen Peter erhandelt«, das ist ihr egal.

Bachmann fasst die Bemühungen für eine Privatisierung zusammen: «Wir hatten einen klaren Auftrag, bringen ein Modell mit einer privaten Trägerschaft zu entwickeln, das funktioniert und weniger kostet.» Das habe man den Parteien vorgestellt und sei zuversichtlich gewesen.

«Es ist schwer verständlich, dass man zuerst etwas bestellt und wenn es geliefert wird, will man es trotzdem nicht.»

Jürg Bachmann

Auf die Frage, warum genau heute der Sendebetrieb endet, erklärt Bachmann: «Die Entscheidung wurde vom Verwaltungsrat getroffen. Selbstverständlich ist der Zeitpunkt mit dem Ministerium abgesprochen«. Es sei nicht sinnvoll, weiterhin Programm zu machen, wenn das Ende bereits feststeht. «Radio ist ja sehr direkt. Man hört die Leute direkt am Sender, man hört die Stimmlage. Dann kann man nicht auf einem Theater vorspielen, das nimmt niemanden ab«, ergänzt Quaderer.

Das Ende sei nicht plötzlich gekommen, aber die Hoffnung auf eine Lösung sei lange geblieben. Bachman ist der Meinung, dass «hier ziemlich fahrlässig mit der Medienvielfalt in Liechtenstein gespielt wurde». Der LRF haben darum immer wieder Lösungen angeboten. In den letzten Wochen sei deutlich geworden, dass politische Interessen schwerer wogen als die Zukunft des Senders. Die Liquidation des Senders beginnt in Kürze. Die Finanzen müssen geklärt werden, danach werden die Arbeitsverträge gekündigt, erklärt Bachmann. Dies sei ein formaler Prozess, der sich über mehrere Monate ziehen werde.

Am letzten Sendetag laufe noch aussergewönliches Programm, erklärt Quaderer. Viele Leute würden ins Studio kommen, um sich zu verabschieden «Wir haben auch erst gemerkt, dass die Solidaritätswelle in der Bevölkerung schon jetzt richtig losgebrochen ist.» Der Abschied sei genau geplant: Um 18:00 Uhr werden alle Mitarbeiter im Sendestudio stehen und sich alle kollektiv verabschieden. Dann wird es den letzten Song geben, der per Voting innerhalb der Redaktion entschieden wurde. Anschliessend werden sich alle Mitarbeitenden mit einer Botschaft von den Hörern verabschieden. Dazu hat jeder einen Song ausgesucht, der zusammen mit den Abschiedsgrüssen in den nächsten Tagen noch in Endlosschleife auf dem Sender zu hören sein wird.

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