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Kolumne zur Fasnacht

Herbert Hible



Wenn ich in einer Vorarlberger Bäckerei vier Krapfen bestelle, dann erhalte ich ohne weiteres Nachfragen vier Krapfen, gefüllt mit Aprikosen-Konfitüre (Aprikoosasaft). Bei uns muss ich vier Berliner bestellen, denn nicht alle wissen, was ein Krapfen ist, und dann werde ich noch gefragt, mit welcher Füllung ich ihn will. Himbeere oder Aprikose? Darauf reagiere ich meist gereizt, weil wir Alemannen Berliner essen und eine rheinische Fasnacht vom 11. November bis Aschermittwoch feiern. Der Start in diese Fasnacht erfolgt mit einer läppischen Schlüsselübergabe an einem oft sonnigen Herbsttag und der Gemeindevorsteher übergibt symbolisch die Macht den Narren, deren Zunftmeister in rheinischer Faschingstracht mit rheinischer Narrenkappe den Schlüssel übernimmt. Unsere alemannische Fasnacht hingegen dauert vom Tag nach Dreikönige bis zum Fasnachtsdienstag. Sie erreicht ihren Höhepunkt vom Schmutzigen Donnerstag an mit einer Beizenfasnacht, die ich heute vermisse.

Übrigens: Darüber, ob die Fasnacht zu „fasten» gehört und den ‚Vorabend der Fastenzeit› bezeichnet, ist sich die Sprachwissenschaft nicht einig. Das Wort könnte auch mit dem Stamm von „faseln» mit der Bedeutung ‚gedeihen, fruchtbar sein› verwandt sein. Ein altes, weit verbreitetes Fruchtbarkeitsfest im Vorfrühling ist bekannt. Doch letztlich geklärt seine Herkunft nicht.

Zurück zum Fasnachtsgebäck:

Der Berliner heisst in Berlin nicht Berliner, sondern Pfannkuchen. Er wird dort an Silvester und zum Karneval gegessen.

Unsere Bezeichnung „Krapfen» ist deutsch und seit althochdeutscher Zeit (ca. 750-1050) als „crapho» belegt, im Mittelhochdeutschen finden wir „krapfe», wobei Qualität und Quantität des Haupttones -a- regional verschieden sind. Selbst im Lateinischen des Mittelalters finden wir das Wort als „craphus». Die Wiener Geschichte, dass die Zuckerbäckerin Cäcilie Krapf 1690 die beliebten Cillikugeln in der Fasnachtszeit mit einer Früchtemasse hatte und so der Name entstand, gehört zu den Volksetymologien.

Der fettgetränkte Krapfen war vor allen in katholischen Gebieten geschätzt, um vor der Fastenzeit einen körpereigenen Vorrat anzulegen. In den Fasnachtsspielen, einer Sammlung der Fasnachtsbräuche im 15. Jahrhundert, lesen wir:

„ich waisz nit, wie uns ist geschehen, das wir hering und zwifel sehen und uns die krapfen sein entwichen.»

Ich war ein Fasnächtler, bin Mitbegründer der Wildmandli Guggamusig und Ehrenredaktor der Narrenzunft Triesenberg. Aus diesem Grund reagiere ich gereizt auf den übermässigen Einfluss aus dem Norden. Bären – Alpenrose – Edelweiss und zurück, zwischendurch eine Reise in die Samina, später Kulm – Edelweiss – Martha Bühler – Trüübli. Das war die Fasnacht, die ich erlebte.

Es gäbe viele Gründe die rheinische Tracht auszuziehen und das Wort „Berliner» in den Bäckereien durch „Krapfen» zu ersetzen. Denn, selbst John F. Kennedy war kein Berliner, und auch unsere Krapfen werden niemals Berliner werden, solange wir uns unserer eigenen Kultur bewusst sind.



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