Klaus Risch über Liechtensteins wirtschaftliche Ambitionen in Indien
Klaus Risch in Delhi | Foto: Gregor Meier
Indien gewinnt für die liechtensteinische Wirtschaft zunehmend an Bedeutung – nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Produktionsstandort und Teil globaler Lieferketten. Im Rahmen des Staatsbesuchs begleitet Klaus Risch eine breit aufgestellte Wirtschaftsdelegation, die neue Chancen für liechtensteinische Unternehmen erschliessen soll. Im Interview mit dem Landesspiegel spricht er über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Liechtenstein und Indien, die Bedeutung des TEPA-Handelsabkommens und die Aussichten auf ein Doppelbesteuerungsabkommen.
Landesspiegel: Können Sie etwas über die Wirtschaftsdelegation erzählen? Warum sind Sie hier, und was sind Ihre Erwartungen?
Klaus Risch: Indien ist ein sehr wichtiger Markt. Es ist ein grosser und relevanter Absatzmarkt für Produkte, Dienstleistungen und Software. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass Indien nicht nur ein Absatzmarkt ist, sondern auch in der globalen Lieferkette eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Das bedeutet, dass immer mehr liechtensteinische Unternehmen nicht nur Produkte nach Indien exportieren, sondern auch vor Ort für den Weltmarkt produzieren oder Software für internationale Märkte entwickeln. Deshalb hat Indien eine grosse Bedeutung für uns.
Landesspiegel: Welche Unternehmen sind in der Delegation vertreten? Geht es um bestimmte Branchen oder darum, den Markt allgemein zu erkunden?
Klaus Risch: Vor zwei Jahren hat Liechtenstein ein Abkommen zwischen der EFTA und Indien abgeschlossen. Dieses wichtige Handelsabkommen soll Zölle abbauen und Investitionen stärken, womit es für viele Bereiche der Wirtschaft relevant ist. Das Besondere an unserer Delegation ist, dass sie die breit diversifizierte liechtensteinische Wirtschaft gut repräsentiert. Vertreten sind Unternehmen aus verschiedensten Branchen, beispielweise dem Finanzplatz, dem Ernährungsbereich, oder der Raumfahrt. Gleichzeitig sind aber auch industrielle Unternehmen wie Hilti, Oerlikon Balzers oder Kaiser dabei, die vor allem in der Produktion und im Vertrieb tätig sind.
Diese breite Aufstellung ermöglicht es uns, zu zeigen, dass wir im Rahmen des TEPA-Abkommens gemeinsam mit der EFTA ein verlässlicher Partner sind. Gleichzeitig bietet uns die Delegation die Möglichkeit, unser wichtigstes Anliegen persönlich vorzubringen: den Abschluss eines Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Indien und Liechtenstein. Dazu hatten wir bereits mehrere Treffen mit verschiedenen Ministern, unter anderem aus dem Finanz- und dem Handelsressort.
Landesspiegel: Zeichnen sich dabei bereits konkrete Ergebnisse ab, oder ist es dafür noch zu früh?
Klaus Risch: Wir haben festgestellt, dass Indien durchaus anerkennt, dass Liechtenstein ein guter und verlässlicher Partner ist. Natürlich sind wir ein sehr kleiner Partner. Die breit aufgestellte Delegation gibt uns jedoch die Möglichkeit, unsere Anliegen an den richtigen Stellen einzubringen. Wir können zeigen, dass wir unsere Zusagen einhalten und die Verpflichtungen aus dem Handelsabkommen erfüllen. Damit stärken wir auch unsere Position in Bezug auf ein Doppelbesteuerungsabkommen. Die Signale, die wir bisher erhalten haben, stimmen mich positiv.
Landesspiegel: Wie ist Ihr persönlicher Eindruck vom Staatsbesuch und den damit verbundenen Begegnungen?
Klaus Risch: Ich bin sehr überrascht, mit welchen Ehren wir hier empfangen worden sind. Das Zusammenspiel zwischen dem Erbprinzenpaar, dem Aussenministerium und den Wirtschaftsvertretern funktioniert einwandfrei. Gerade diese Mischung ist ein Vorteil unserer Delegation. Dennoch ist der Empfang, den wir hier erleben, überwältigend. Auf den Strassen hängen beispielsweise viele Plakate, auf denen der Erbprinz herzlich willkommen geheissen wird.
Bereits heute Mittag konnten wir Premierminister Narendra Modi treffen. Am Nachmittag folgten mehrere Treffen mit Ministern, bei denen wir unsere Themen und Anliegen einbringen konnten. Heute Abend steht noch ein Treffen mit der Staatspräsidentin an. Für einen kleineren Partner wie Liechtenstein ist das ein ausserordentlich respektvoller Empfang, den wir sehr schätzen. Er ermöglicht es uns, mit unseren indischen Partnern auf Augenhöhe zu diskutieren.
Das Amt für Auswärtige Angelegenheiten und die Schweizerische Botschaft in Delhi haben diesen wichtigen Besuch und die verschiedenen Treffen hervorragend geplant.
Landesspiegel: Wurden bereits konkrete nächste Schritte vereinbart?
Klaus Risch: Ja. Mit der Finanzministerin haben wir vereinbart, in den kommenden Wochen konkrete Gespräche über die Aufnahme von Verhandlungen zu einem Doppelbesteuerungsabkommen zu führen. Das sind erste Zusagen. Ich bin zuversichtlich, dass es in den nächsten Wochen und Monaten zu weiteren Schritten kommen wird.

