People’s fliegt künftig öfter nach Wien – aber mit halb so vielen Sitzen

Embraer "Laura" der Peoples Airline

Embraer "Laura" der Peoples Airline | Foto: Gregor Meier

Die Fluglinie People’s mustert ihr einziges Flugzeug aus. Die Embraer E170 mit dem Taufnamen „Laura“, die seit 2011 zwischen St. Gallen-Altenrhein und Wien pendelt, kehrt nicht mehr in den Linienbetrieb zurück. Ab dem 28. März 2027 setzt die Airline stattdessen eine Dornier 328-100 ein, ein zweimotoriges Propellerflugzeug mit 32 statt bisher 76 Sitzen.

Dafür wird häufiger geflogen: Statt zwei Verbindungen pro Werktag sind ab dem Sommerflugplan drei geplant, am Sonntag zwei. Unter dem Strich schrumpft das Angebot trotzdem deutlich. An einem Werktag stehen pro Richtung künftig 96 Sitze zur Verfügung, bisher waren es 152.

Nachfrage hat sich halbiert

Der Grund ist die Nachfrage. Vor der Corona-Pandemie zählte People’s auf der Wien-Strecke rund 90’000 Fluggäste im Jahr, zuletzt waren es noch etwa 45’000. Airline-Chef Thomas Krutzler begründet den Wechsel zudem damit, dass sich die Kunden mehr Flexibilität bei den Flugzeiten wünschen.

Dazu kommt das Alter des Jets. Die E170 wurde 2006 an die Finnair ausgeliefert und ist damit rund 20 Jahre alt. Mitte Oktober musste People’s die Maschine für eine dringende Wartung aus dem Verkehr ziehen, ihren letzten Flug absolvierte sie am 20. Oktober. Bis Ende des kommenden Jahres wären zudem eine Überholung beider Triebwerke und ein grosser Wartungscheck fällig gewesen – Krutzler hatte schon früher öffentlich infrage gestellt, ob sich dieser Aufwand noch lohnt. Das Flugzeug ist inzwischen verkauft und wird im März übergeben.

Helvetic springt im Winter ein

Bis zur Umstellung übernimmt die Schweizer Helvetic Airways die Flüge mit einer gemieteten Embraer 190 samt Besatzung. Das gilt auch für die geplanten Ski-Charterflüge zwischen Januar und März. Laut dem Luftfahrtmagazin „Aviation Direct“ kann die grössere Maschine in Altenrhein allerdings nicht voll beladen starten und landen, weil die Piste dafür nicht ausgelegt ist.

Für mehr Zuverlässigkeit arbeitet People’s künftig mit der deutschen Private Wings zusammen, die acht Dornier desselben Typs betreibt und bei Ausfällen einspringen kann. Die Umstellung kostet Arbeitsplätze: Weil die Dornier mit drei Besatzungsmitgliedern auskommt, fallen sechs Stellen im Flugpersonal weg. Die People’s-Gruppe beschäftigt rund 130 Personen. Der Abbau soll nach Angaben des Unternehmens möglichst über natürliche Fluktuation erfolgen.

Der Flugplatz selbst soll in den kommenden Jahren eine komplett sanierte Piste mit neuen Leitsystemen sowie erneuerte Rollwege und ein neues Vorfeld erhalten.

Seit 2011 in der Luft

People’s wurde 2010 unter dem Namen People’s Viennaline gegründet und nahm am 27. März 2011 den Linienbetrieb zwischen Altenrhein und Wien auf. Diese Verbindung blieb über all die Jahre das Kerngeschäft, auch wenn die Airline mehrfach neue Ziele ausprobierte. Für Aufsehen sorgte im November 2016 die Strecke nach Friedrichshafen, ein Flug von rund acht Minuten über den Bodensee, der als kürzeste internationale Jet-Verbindung der Welt galt. Politik und Umweltorganisationen kritisierten das Angebot scharf, im April 2017 wurde es mangels Passagieren wieder eingestellt. Auch Ziele wie Salzburg, Bern und Zürich verschwanden wieder aus dem Programm. 2018 benannte sich die Airline in People’s um und betrieb damals zwei Embraer 170, zeitweise war sogar der Kauf eines grösseren Embraer 190-E2 geplant. Im Herbst 2019 folgte stattdessen eine Restrukturierung, bei der People’s einen der beiden Jets abgab. Seither fliegt die Airline mit einem einzigen Flugzeug.