Der Franken gibt etwas nach – gut für die Industrie, weniger Euro für Grenzgänger

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Wer in Liechtenstein arbeitet und in Vorarlberg wohnt, hat es auf dem Lohnzettel bereits gemerkt: Der Franken ist im Herbst schwächer geworden. Am Dienstagmorgen kostete ein Euro rund 0,924 Franken, ein US-Dollar knapp 0,83 Franken. Vor den anstehenden Zinsentscheiden der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank bewegte sich der Devisenmarkt nur wenig.

Noch im März sah das anders aus. Damals erreichte der Franken gegenüber dem Euro seinen Höchststand der vergangenen zwölf Monate, ein Euro war zeitweise für knapp 0,90 Franken zu haben. In der ersten Jahreshälfte war die Schweizer Währung als sicherer Hafen gefragt.

Nullzins drückt auf den Franken

Die Wende kam mit der Schweizerischen Nationalbank. Ende September beliess die SNB den Leitzins bei null Prozent. Der Entscheid war erwartet worden, trotzdem reagierte der Devisenmarkt deutlich: Der Euro stieg über 0,94 Franken, der Dollar erreichte gegenüber dem Franken den höchsten Stand seit rund einem Jahr. Ende September war der Franken so schwach wie seit zwölf Monaten nicht mehr.

Der Grund liegt im Zinsunterschied. Während andere Notenbanken höhere Zinsen bieten, bringt der Franken Anlegern nichts ein. Das macht ihn als Anlagewährung weniger attraktiv. Die Teuerung in der Schweiz lag zuletzt bei 0,8 Prozent und damit im internationalen Vergleich tief.

Inzwischen hat sich der Franken wieder etwas erholt, der Euro fiel von knapp 0,95 auf unter 0,93 Franken zurück. Ein Devisenhändler rechnet damit, dass die SNB auch beim nächsten Zinsentscheid am 10. Dezember beim Nullzins bleibt.

Industrie unter Druck

Für die liechtensteinische Industrie ist jede Abschwächung des Frankens eine Entlastung. Das Land hat eine aussergewöhnlich hohe Exportquote: Die direkten Warenexporte – der Handel mit der Schweiz ist darin gar nicht enthalten – beliefen sich 2025 auf 3,05 Milliarden Franken. Das entspricht rund 40 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Die wichtigsten Absatzländer sind die Schweiz, Deutschland und die USA.

Die Exporte stehen seit längerem unter Druck. Im ersten Quartal 2026 sanken die direkten Warenexporte um 7,3 Prozent auf 701 Millionen Franken. In der Konjunkturumfrage des Amts für Statistik zum zweiten Quartal führten einzelne Unternehmen neben langen Lieferzeiten bei Rohmaterialien ausdrücklich den starken Franken als Belastung an.

Ein Lichtblick kommt aus Deutschland. Die Exporterwartungen der deutschen Industrie sind im Oktober laut Ifo-Institut auf den höchsten Stand seit Februar 2022 gestiegen, vor allem die Autoindustrie und der Maschinenbau rechnen mit mehr Ausfuhren.

Schlechter als befürchtet steht der Franken für die Exporteure jedenfalls nicht da. Bei einer UBS-Umfrage im Februar rechneten Schweizer Unternehmen damit, dass der Euro Ende 2026 nur noch 0,91 Franken kostet. Der aktuelle Kurs liegt darüber.