Materialistische Freundschaften: Schnaps, Heets und ein Lagerfeuer aus Licht
Ursula Wolf und Lilian Hasler bei der Finisage | Foto: Gregor Meier
Mit einer Finissage ist am Sonntag die Ausstellung „Materialistische Freundschaften“ im Domus in Schaan zu Ende gegangen. Seit dem 4. September zeigten Beate Frommelt, Ursula Wolf und Lilian Hasler dort drei künstlerische Positionen zu Abhängigkeit, Gemeinschaft und Macht – und zu den Ritualen und Materialien, die den Alltag prägen. Zum Abschluss gaben die Künstlerinnen im Gespräch Einblick in ihre Arbeit.
Im Zentrum stand dabei Ursula Wolf, die für ihre Werkgruppe „Reiz der Materie“ gebrauchte Heets verarbeitet, also Tabaksticks für Erhitzer. Die Idee sei nicht am Reissbrett entstanden, sondern habe sich nach und nach entwickelt, erzählte sie. Was in einem Material stecke, müsse man ausprobieren, testen und genau anschauen. Fasziniert habe sie vor allem, dass es sich um Abfall handle – davon gebe es in unserem Leben ohnehin sehr viel. Aus den Heets entstanden Drucke auf Tuch und Papier sowie Schmuckobjekte, für die Wolf die Sticks auf Draht aufzog und zu neuen Formen verband, die teilweise an afrikanischen Schmuck erinnern.
Beate Frommelt widmete sich dem Alkohol als Teil der dörflichen Kultur. Vereinsfest, Stammtisch, Familienfeier und der stille Kater danach: In ihren Arbeiten erscheint Alkohol zugleich als soziales Schmiermittel, Ritual, Wirtschaftsfaktor und Tabu. Die Künstlerin knüpfte an die Geschichte der Schnapsbrennerei in Liechtenstein an und verband sie mit persönlichen und kollektiven Erinnerungen. Hinter der vermeintlichen Gemütlichkeit legte sie Verdrängung, Schweigen und gesellschaftliche Kontrolle frei, ohne dabei zu moralisieren.
Lilian Hasler rückte die politische Dimension des Zusammenlebens in den Mittelpunkt. Sechs kleine Gipsskulpturen standen auf fragilen, farbigen Sockeln im Kreis um ein Hologramm, das wie ein Lagerfeuer wirkte. Die Anordnung erinnerte an Stammtisch, Versammlung oder politischen Rat. Die Besucher bewegten sich am Rand des Kreises – als Zeugen einer scheinbar gleichberechtigten Ordnung, deren innere Hierarchie jederzeit kippen könnte. Ergänzt wurde die Installation durch zwei dunkle Bilderserien mit fünf und sechs Teilen zu Politik, Verhandlung, Blickrichtung und Hautfarbe.
Dass drei so unterschiedliche Ansätze zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammenfanden, beschrieben die Künstlerinnen am Sonntag als gute Erfahrung. Man habe sich an die Materialien und aneinander herangetastet – und dabei sei tatsächlich so etwas wie eine Freundschaft entstanden.






