Drei Pionierinnen des Motorsports auf der Bühne in Eschen

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Fünf Francs Bussgeld, weil sie mit 15 statt der erlaubten 12 Stundenkilometer durch den Pariser Bois de Boulogne gefahren war: Mit der ersten Frau, die je wegen zu schnellen Fahrens gebüsst wurde, begann am Freitagabend im Peter-Kaiser-Saal des Musikschulzentrums Unterland in Eschen eine Zeitreise durch die Geschichte des Motorsports. Wie die Gendarmen das Tempo ihres Delahaye damals überhaupt gemessen haben, habe man bis heute nicht herausgefunden, hiess es mit einem Augenzwinkern von der Bühne. Wahrscheinlich habe sie ein Pferdefuhrwerk überholt – und dann auch noch als Frau.

Unter dem Titel „Trilogie der rasanten Frauen“ porträtierte das Ensemble von Kunst und Drama drei Pionierinnen hinter dem Lenkrad: die Tschechin Eliška Junková, die Deutsche Clärenore Stinnes und die Französin Christine Dacremont. Friederike Pöhlmann-Griessinger, Edith Schmid und Roland Eugen Beiküfner verbanden Vortrag, Lesung und historische Fotografien, Alfred Achberger begleitete an der Perkussion, die Musik stammt von Gerda Poppa.

Die schnellste Frau der Zwanzigerjahre

Den grössten Raum nahm Eliška Junková ein. Geboren am 16. November 1900 in Olmütz, fuhr sie zunächst als Beifahrerin ihres Mannes Čeněk Junek Rennen, später am Steuer ihres eigenen Bugatti. In den Zwanzigerjahren galt sie als schnellste Frau der Welt. Nach dem tödlichen Unfall ihres Mannes 1928 auf dem Nürburgring beendete sie ihre Karriere, blieb dem Motorsport aber als Organisatorin und ab den Sechzigerjahren als Kolumnistin verbunden. Später schrieb sie ihre Erinnerungen an die Bugatti-Jahre nieder.

Aus diesen Memoiren las das Ensemble ausgiebig – und gerade diese Passagen machten den Abend lebendig. Etwa die Schilderung des Klausenrennens, zu dem sie der Zürcher Automobilclub eingeladen hatte und das sie selbst als das schwerste und längste Bergrennen beschrieb. 21,5 Kilometer Strecke, rund 1270 Höhenmeter, drei Klimazonen: unten tropischer Regen, in der Mitte Nebel, oben frischer Schnee. Beim Blick auf eine Luftaufnahme der Strecke sei ihr schwindlig geworden, die vielen Kurven habe sie sich nicht merken können und nachts von ihnen geträumt. Im eiskalten Regen, halb blind vom nassen Schnee, erreichte sie mit ihrem Sport-Bugatti das Ziel in 20 Minuten und 50 Sekunden. Damit liess sie, so ihre Erinnerungen, alle Konkurrentinnen hinter sich – darunter auch Clärenore Stinnes, die Tochter des deutschen Industriellen Hugo Stinnes.

Sieg trotz Protest und Ölleck

Der Höhepunkt der Lesung war der Grosse Preis für Sportwagen auf dem Nürburgring 1927. Es war nach Junkovás Worten der einzige Start, den sie selbst durchgesetzt hatte – über alle anderen entschied ihr Mann. Die Presse hatte ihr wenig zugetraut, ihr Bugatti galt als launisch. Ihre Bitte, sich nach zwei Dritteln des Rennens von ihrem Mann ablösen zu lassen, scheiterte am Protest von Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer. So war sie die einzige Frau im Feld und ging als Aussenseiterin aus der letzten Reihe ins Rennen.

Was folgte, las sich wie ein Krimi: abgefahrene Reifen, ein langer Boxenstopp, dann Rauchwolken aus dem Motorraum, weil sich eine Schraube an der Ölleitung gelöst hatte und Öl auf den Auspuff tropfte. Insgesamt 28 Minuten verlor sie an der Box, ihr Konkurrent Franz Bader nur drei. Sechs Runden vor Schluss lag er fast eine Runde vor ihr. Ihr Mann signalisierte, sie solle den zweiten Platz sichern – doch sobald er sie nicht mehr sehen konnte, trat sie das Gaspedal durch. „Ich fuhr nicht, ich flog“, heisst es in ihren Erinnerungen. Bader geriet unter Druck, sein Tank wurde leer, und er liess sich auf offener Strecke von Zuschauern einen Kanister Treibstoff reichen. Die Folge war die Disqualifikation – und Junková gewann ihre Klasse.

Mit der Siegerehrung erzählte die Lesung eine Anekdote, die im Saal für Schmunzeln sorgte: Mit einem Sieg der Tschechoslowakei hatte niemand gerechnet, die Hymne lag der Kapelle gar nicht vor. Die Musiker behalfen sich mit Melodien aus Smetanas „Die verkaufte Braut“. Weil auch Hugo Urban-Emmerich auf Talbot seine Klasse gewann, wehte die tschechoslowakische Fahne gleich an zwei von drei Masten. Neubauer, mit dem Junková später eng befreundet war, behauptete Jahre danach scherzhaft, erst sein Protest habe ihren Ruhm begründet. Ihr Kommentar dazu, vorgetragen von der Bühne: „Typisch Mann.“

Auch die Targa Florio auf Sizilien, deren Rundkurs über 108 Kilometer fünfmal zu fahren war, kam zur Sprache. Junková verliebte sich nach eigenen Worten sofort in die Strecke, 1928 erreichte sie dort den fünften Platz.

Zweimal durch die Sahara

Danach wandte sich der Abend Christine Dacremont zu, geboren am 6. Januar 1949 in Sedan in den französischen Ardennen. Ihre erste Begegnung mit der Rallyefahrerin hatte einer der Vortragenden nach eigener Aussage 1975 – über ein Buch des österreichischen Motorjournalisten Herbert Völker. Darin fand sich ein Foto von Dacremont in der Wüste und die Ergebnisliste der World Cup Rally 1974 London–Sahara–München: Nach rund 17’500 Kilometern, die zweimal durch die Sahara führten, belegte Dacremont den zweiten Gesamtrang. Ihre Laufbahn begann 1970 mit einem Bergrennen auf einem Triumph Spitfire, mit dem sie auch ihre erste Rallye bestritt. Von 1971 bis 1973 folgten jeweils elf bis 13 Starts pro Saison.

Der Eintritt zum Abend war frei, am Ausgang wurde eine Kollekte erhoben.