IWF erwartet für Liechtenstein doch Wachstum statt Rezession

IWF in Washington DC

IWF Gebäude in Washington DC | Foto: Gregor Meier

Der Internationale Währungsfonds (IWF) blickt deutlich zuversichtlicher auf die liechtensteinische Wirtschaft als noch im Frühjahr. In seinem am 13. Oktober veröffentlichten World Economic Outlook rechnet er für 2026 mit einem realen Wachstum von rund 1 Prozent. Im April hatte der Fonds für das laufende Jahr noch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent vorausgesagt, wie die Regierung mitteilt.

Grund für die damalige Rezessionserwartung war vor allem der Ausbruch des Kriegs im Iran. Der IWF ging davon aus, dass dieser die Weltwirtschaft belastet und damit auch Liechtensteins stark exportorientierte Volkswirtschaft trifft.

Arbeitslosigkeit höher als in den Vorjahren

Ganz ohne Spuren bleibt die schwierige Lage dennoch nicht. Die Arbeitslosenquote schätzt der IWF für 2026 auf durchschnittlich 2,3 Prozent. International gesehen ist das tief, für Liechtenstein aber höher als in den Vorjahren. Die Teuerung im Franken-Raum dürfte mit 0,6 Prozent im Jahresdurchschnitt gering bleiben.

Erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigen laut der Mitteilung auch die jüngsten Konjunkturdaten aus dem Land selbst. Verwiesen wird auf den verbesserten Konjunkturindex KonSens des Liechtenstein-Instituts und die Konjunkturumfrage des Amts für Statistik zum zweiten Quartal. Schon im Frühjahr hatte der IWF die strukturellen Faktoren der liechtensteinischen Volkswirtschaft positiver beurteilt als die kurzfristige Entwicklung. Mittelfristig traut er dem Land ein Wachstumspotenzial von real 1,5 Prozent zu.

Weltwirtschaft widerstandsfähiger als befürchtet

Auch für die Weltwirtschaft insgesamt fällt die Einschätzung des IWF besser aus als im Frühjahr. Sie erweise sich angesichts der vielen Herausforderungen als widerstandsfähiger als erwartet. Für das laufende Jahr rechnet der Fonds weltweit mit einem eher moderaten Wachstum von rund 3 Prozent, für die kommenden Jahre nur mit einem leichten Aufschwung. Als grösste Belastung nennt er die Kriege in der Ukraine und im Iran, insbesondere wegen ihrer Folgen für die Verfügbarkeit und die Kosten von Energie. Chancen sieht der IWF dagegen in der künstlichen Intelligenz und im boomenden Technologiesektor.

In seinem gleichzeitig veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht warnt der Währungsfonds allerdings davor, dass gerade der KI-Boom die Finanzmärkte verwundbar macht. Er sieht die Gefahr einer Korrektur bei KI-Werten, steigender Staatsanleihenrenditen und von Cyberangriffen.

Prognose stützt sich teils auf Schätzungen

Für seine Prognosen zu Liechtenstein greift der IWF sowohl auf Daten des Landes als auch auf eigene Berechnungen und Einschätzungen zurück. Das Amt für Statistik arbeitet derzeit daran, die makroökonomischen Statistiken auszubauen. Künftig sollen so mehr und aktuellere Daten für die international stark beachteten Prognosen zur Verfügung stehen.

werbung_3