Lindt & Sprüngli: Zu teuer für die eigene Kundschaft

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Der Kakao ist längst wieder billiger, die Schokolade von Lindt & Sprüngli aber noch nicht. Diese Lücke bekommt der Schweizer Schokoladenhersteller jetzt zu spüren. Am Dienstag hat das Unternehmen aus Kilchberg seine Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt. Statt eines organischen Wachstums von 4 bis 6 Prozent erwartet Lindt nur noch 0 bis 2 Prozent. An der Börse brachen die Partizipationsscheine zeitweise um mehr als 8 Prozent ein und fielen erstmals seit 2021 unter 8000 Franken.

Weniger Tafeln, höhere Preise

Das Problem zeichnet sich seit Längerem ab. Als der Kakaopreis auf Rekordhöhen kletterte, gab Lindt die Mehrkosten an die Kunden weiter. 2025 ging das noch auf: Der Umsatz wuchs organisch um 12,4 Prozent auf 5,92 Milliarden Franken. Allein die Preiserhöhungen trugen 19 Prozent bei, während die verkaufte Menge um 6,6 Prozent zurückging.

Im ersten Halbjahr 2026 kippte das Verhältnis. Die Preise lagen noch einmal 11,8 Prozent höher, die Mengen sanken um 7,5 Prozent. Übrig blieb ein Wachstum von 4,3 Prozent. In Europa, dem wichtigsten Markt, schrumpfte der Umsatz organisch um 2,1 Prozent. Nordamerika und die übrigen Märkte wuchsen dagegen zweistellig.

Schon im März hatte Lindt für 2026 nur noch 4 bis 6 Prozent Wachstum in Aussicht gestellt und damit das eigene langfristige Ziel von 6 bis 8 Prozent unterschritten. Nun fällt auch diese Zahl.

Hitze leerte die Läden

Als Gründe nennt das Unternehmen die gedämpfte Konsumstimmung, die gestiegene Preissensibilität der Kunden und den Hitzesommer in Europa. Allein die Hitze habe das Wachstum um rund 1,5 Prozentpunkte gedrückt. Besonders schwach liefen die Bestellungen für das Saisongeschäft in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Konzernchef Adalbert Lechner sagte gegenüber Medien, bei Temperaturen um 37 Grad habe kaum jemand Lust gehabt, ein Schokoladengeschäft zu betreten. Die eigenen Läden seien deshalb stärker betroffen gewesen als die Supermärkte. Die Preiserhöhungen verteidigte er: Man habe versucht, sie zu begrenzen, wegen der Rohstoffpreise seien sie aber nötig gewesen.

Preissenkungen ab Januar

Inzwischen hat sich der Rohstoffmarkt gedreht. Weil mehr Kakao geerntet als verbraucht wird, fiel der Preis im Februar laut dem Fachportal Theobroma-Cacao erstmals seit zwei Jahren unter 3000 Euro je Tonne. Auf dem Höhepunkt hatte er über 12’000 Euro gelegen. Lindt will die Entlastung nun weitergeben. In der Schweiz und in Deutschland hat das Unternehmen die Preise bereits gesenkt, ab Januar 2027 sollen breitere Preissenkungen folgen. Zudem setzt Lindt laut Medienberichten auf kleinere Packungsgrössen.

Beim Gewinn hält das Unternehmen an seinem Ziel fest: Die operative Marge soll 2026 um 20 bis 40 Basispunkte steigen. Stellen will Lindt nicht abbauen, hat aber laut Medienberichten einen Einstellungsstopp verhängt. Für 2027 zeigt sich Lechner zuversichtlich, wieder mehr Schokolade zu verkaufen. Ab 2028 soll das Unternehmen wieder um 6 bis 8 Prozent pro Jahr wachsen.

Ein Ruf steht auf dem Spiel

Bei Analysten hinterlässt die zweite Senkung innert sechs Monaten Spuren. Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel sieht das Vertrauen in die Prognosen des Unternehmens erschüttert, das bisher die hohe Bewertung der Aktie gestützt habe. Die Preissetzungsmacht, lange das wichtigste Argument für ein Investment in Lindt, werde nun auf die Probe gestellt. Offen sei, ob die Kunden dauerhaft oder nur vorübergehend auf die höheren Preise reagierten. Bertschy senkte sein Kursziel, empfiehlt die Titel aber weiterhin zum Kauf.

Auch der Schokoladenkonzern Barry Callebaut geriet am Dienstag unter Druck und verlor 2,3 Prozent. Wie gross die Delle bei Lindt am Ende ausfällt, zeigt sich am 19. Januar 2027. Dann legt das Unternehmen die Umsatzzahlen für das laufende Jahr vor.