Swiss-Partner airBaltic beantragt Gläubigerschutz in den USA

AirBaltic

Wer diesen Sommer ab Zürich mit der Swiss nach Belgrad, Dubrovnik oder Ljubljana geflogen ist, sass mit einiger Wahrscheinlichkeit in einem Flugzeug der lettischen airBaltic. Genau diese Fluggesellschaft hat am Montag beim Insolvenzgericht des südlichen Bezirks von New York einen Antrag nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts gestellt.

Ein Konkurs ist das nicht: Das Verfahren stellt das Unternehmen unter Gläubigerschutz und gibt ihm einen gerichtlich überwachten Rahmen, um mit Kreditgebern und Flugzeug-Leasinggebern über einen Schuldenabbau zu verhandeln. Der Flugbetrieb läuft nach Angaben der Airline unverändert weiter, gebuchte Tickets bleiben gültig. Für die Dauer des Verfahrens hat sich airBaltic eine Finanzierungszusage über 350 Millionen Euro gesichert, arrangiert von Strategic Value Partners und mitgetragen unter anderem von Barclays, Morgan Stanley und Oaktree Capital Management.

Die Swiss ist die grösste Wet-Lease-Kundin

Für die Schweiz ist der Fall mehr als eine Randnotiz. airBaltic ist innerhalb der Lufthansa-Gruppe der mit Abstand wichtigste Wet-Lease-Partner – die Letten stellen Flugzeug und Besatzung, verkauft wird der Flug unter der Flugnummer der Auftraggeberin. Die Swiss nutzt dieses Modell ganzjährig ab Zürich und ist damit die grösste Kundin. Die 2025 um drei Jahre verlängerte Vereinbarung sieht gruppenweit bis zu 21 Maschinen des Typs Airbus A220-300 im Sommer und fünf im Winter vor; für die Swiss allein waren zuletzt bis zu sechs Jets im Winterflugplan eingeplant.

Zusätzliche Unsicherheit bringt ein Entscheid vom August: Bis Jahresende will airBaltic ihre A220-Flotte auf 36 Maschinen verkleinern. Wie sich das mit den Zusagen an die Lufthansa-Gruppe verträgt, ist offen.

Kerosinpreis als Auslöser

Hauptgrund für den Schritt sind die Treibstoffkosten: Seit Kriegsbeginn zwischen den USA und dem Iran hat sich der Kerosinpreis verdoppelt und die Branche in ihre schwerste Krise seit der Corona-Pandemie gestürzt. Bereits im April hatte der lettische Staat, dem die Mehrheit an der Airline gehört, mit einem Kredit über 30 Millionen Euro einspringen müssen; die Lufthansa hält zehn Prozent. Vorausgegangen war zuletzt ein gescheiterter Rettungsversuch am Kapitalmarkt: Eine Abstimmung der Anleihegläubiger über eine Notfinanzierung von 257 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 25 Prozent wurde vergangenen Freitag kurzfristig verschoben.

Nach der US-Billigfluglinie Spirit Airlines ist airBaltic weltweit die zweite Gesellschaft, die in diesem Jahr wegen der Spritkosten unter Gläubigerschutz geht – und die erste in Europa.

hitze.li