Kataloniens Antenne in Mitteleuropa
Krystyna Schreiber im Gespräch mit Gergor Meier
Seit sieben Jahren vertritt Krystyna Schreiber die katalanische Regierung in Mitteleuropa. Liechtenstein gehört inzwischen ebenfalls zum Zuständigkeitsbereich der Delegation. Eine zukünftige Zusammenarbeit bietet dabei viel Potenzial und eröffnet Chancen für neue Kontakte und gemeinsame Projekte.
Wer das Büro der katalanischen Regierung in Wien betritt, findet keine Botschaft vor. Und das ist der Delegierten Krystyna Schreiber wichtig: „Wir machen keine Aussenpolitik, wir machen Aussenaktivität als Region“, sagt sie. Aussenpolitik sei Sache des spanischen Staates. Was ihre Delegation tue, ergänze diese Arbeit – auf jenen Feldern, für die Katalonien selbst zuständig ist: Wirtschaft, Innovation, Wissenschaft, Kultur, Mobilität, Jugend.
Schreiber ist seit Mai 2019 im Amt und hat das Büro damals von Grund auf aufgebaut. Zuständig war sie zunächst für Österreich, Tschechien, Ungarn und die Slowakei, später kamen Polen, Liechtenstein und Slowenien dazu. Weltweit unterhält die katalanische Regierung nach ihren Angaben inzwischen 21 solcher Delegationen, wovon in Kürze noch drei weitere eröffnet werden – die erste, jene in Brüssel, wurde 1986 eröffnet, im Jahr des spanischen EU-Beitritts.
Ein Hub, der in beide Richtungen arbeitet
Als Verbindungsbüro fördert die Delegation den Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Unternehmen und Institutionen. Über die Jahre sei daraus ein kleiner Knotenpunkt geworden, sagt Schreiber – einer, der bewusst in beide Richtungen funktionieren soll. Natürlich vertrete man die Interessen Kataloniens. Ebenso wichtig sei aber das Zuhören: „Wir wollen belastbare Netzwerke aufbauen, Vertrauen schaffen und unseren Ansprechpartnern in Mitteleuropa eine Tür nach Katalonien öffnen.“
Sie beschreibt ihre Rolle als die einer Antenne: Chancen für Zusammenarbeit identifizieren und dann die passenden Akteure zusammenbringen. In Österreich hat die Delegation mit mehreren Bundesländern feste Vereinbarungen geschlossen, wo zuvor praktisch kein institutioneller Austausch bestand. Innerhalb dieses Rahmens finden heute regelmässig Fachmissionen statt – von der Biomedizin über den Tourismus bis zu intelligenten Strassen und Tunneln.
Was Katalonien als Standort bietet
Katalonien ist eine der am stärksten industrialisierten Regionen Spaniens. Die katalanische Wirtschaftsagentur betreut 28 Cluster, viele davon hochspezialisiert. Genau darin sieht Schreiber die Parallele zu Liechtenstein: ein kleines Gebiet mit einer sehr spezialisierten Industrie und ausgeprägter internationaler Ausrichtung.
Als Standortvorteile nennt sie gut ausgebildete Fachkräfte, ein über Jahrzehnte gewachsenes Ökosystem und kurze Wege. Beispielhaft dafür steht das Hydrogen Valley in Tarragona, wo Forschungseinrichtungen, Industrie und Hafen in einem Umkreis von wenigen Kilometern liegen. „In Katalonien wird viel in diesem holistischen Modell gedacht“, sagt Schreiber. Die meisten Anfragen erhält die Delegation derzeit zu Energiewende, Industrie 4.0, Kreislaufwirtschaft, Smart-City-Technologie, Chemie, Biomedizin sowie zunehmend zur Verteidigungsindustrie.
Unterstützung leistet das Büro dabei nicht finanziell, sondern über Kontakte: Wer eine Produktionsstätte eröffnen oder einen neuen Markt erschliessen will, wird an die richtigen Stellen in Katalonien vermittelt und dabei begleitet. Dazu kommt Öffentlichkeitsarbeit – Sichtbarkeit sei für internationale Wirkung oft ebenso entscheidend wie ein gutes Produkt.
Für Liechtenstein steht man am Anfang
Konkrete Aktivitäten mit Liechtenstein gibt es bislang keine. „Wir sind neugierig und sehr interessiert zuzuhören“, sagt Schreiber. Am Anfang einer Beziehung stehe die Suche nach Gemeinsamkeiten und nach Bereichen, in denen beide Seiten profitierten. Ihre Erfahrung aus sieben Jahren: klein anfangen, greifbare Ergebnisse erzielen, darauf aufbauen. Als besonders guten Türöffner habe sich der kulturelle Austausch erwiesen.
Liechtenstein und Katalonien verbinde die Fähigkeit, Tradition und regionales Selbstbewusstsein mit einer ausgeprägten internationalen Ausrichtung zu vereinen. Alles Weitere sei eine Frage des Vertrauensaufbaus und der Zeit. Als nächsten Schritt kündigt Schreiber erste Gespräche mit dem Botschafter Liechtensteins an.

