Wenn das Dorf zur Hitzeinsel wird

Verein Elf in Mauren

Nach dem heissesten Sommer seit Messbeginn hat der Verein Elf am Dienstagabend im Weiherring in Mauren zum Thema Hitzeinseln geladen. Rund zwei Stunden lang ging es um versiegelte Flächen, Starkregen, Bäume – und um die Frage, was ein Dorf wie Mauren dagegen tun kann. Der Eintritt war frei, den Abschluss bildete ein Apéro.

Der Verein Elf tourt seit sieben Jahren durch Liechtenstein und nimmt sich pro Jahr eine Gemeinde vor; dieses Jahr ist er in Mauren zu Gast. Die Idee sei aus einer Beobachtung entstanden, sagte Historiker Toni Büchel zur Begrüssung: Es werde sehr viel gebaut, das Land verändere sich schnell, Charakteristisches verschwinde zugunsten von Zweckmässigem. Die Frage, wohin diese Entwicklung führe, beschäftige weit mehr Leute als anfangs gedacht.

Der Blick nach Paris

Architekt Luis Hilti setzte den thematischen Auftakt mit einem Beispiel aus Paris. Die Stadt habe sich in zwanzig Jahren stark verwandelt, der Autoverkehr sei etwa um die Hälfte zurückgegangen, an der Seine gebe es heute einen Stadtstrand. Auslöser sei der Hitzesommer 2003 gewesen, dem allein im Grossraum Paris mehrere tausend Menschen zum Opfer gefallen waren – oft ältere Personen in Dachwohnungen, die die Stadt nicht verlassen konnten.

Seither habe Paris Strassen stillgelegt, Schulhöfe begrünt und für die Nachbarschaft geöffnet; in einer Abstimmung sei zuletzt beschlossen worden, weitere 500 Strassen vom Verkehr zu befreien. Man könne Liechtenstein nicht mit Paris vergleichen und solle es auch nicht kopieren, betonte Hilti. Inspirierend sei aber, wie viel überhaupt möglich sei.

Linus Nigsch und Luis Hilti
Linus Nigsch und Luis Hilti

Boden wie ein Schwamm

Landschaftsarchitekt Linus Nigsch erklärte, wie der Hitzeinsel-Effekt entsteht: Asphalt, Beton und Dachflächen nehmen Sonnenstrahlung auf, speichern sie und geben sie wieder ab; gleichzeitig fehlen Vegetation und Wasser, die für Verdunstungskühle sorgen würden. Bei Starkregen verschärfe die Versiegelung das Problem von der anderen Seite: Das Wasser könne nicht versickern, laufe oberflächlich ab und überlaste die Kanalisation.

Gegenmittel sei das Prinzip der Schwammstadt – Böden, die Wasser aufnehmen, speichern und später wieder abgeben. Konkret nannte Nigsch offene Böden, Retentionsmulden, Beschattung, Wasserelemente sowie Dach- und Fassadenbegrünung. Wie ernst die Lage sei, illustrierte er am Erdrutsch von Schwanden im Kanton Glarus, der 2023 ein ganzes Quartier verschüttete und an dessen Wiederaufbau er mit Studenten arbeitet.

Politischer Vorstoss

Die FL-Abgeordneten Sandra Fausch und Manuela Haldner-Schierscher stellten ihr Postulat für eine Hitzeschutz- und Kühlstrategie vor. Die Regierung habe bereits 2018 eine Anpassungsstrategie an den Klimawandel erarbeitet; diese solle nun überprüft und dort vertieft werden, wo Handlungsbedarf bestehe. Hitze wirke sich auf Gesundheit, Konzentration und Produktivität aus, betroffen seien aber auch Landwirtschaft, Ökologie und Naherholung. Selbst wenn ab sofort kein CO2 mehr ausgestossen würde, werde es nicht kühler – deshalb brauche es Anpassung.

Sandra Fausch und Manuela Haldner-Schierscher
Sandra Fausch und Manuela Haldner-Schierscher

„Bäume sind eine super Klimaanlage“

Für die Gemeinde sprach Patrick Marxer, Leiter Werkhof. Mauren ersetze Bäume im Siedlungsraum konsequent und setze dabei ausschliesslich auf einheimische Arten, die den klimatischen Bedingungen standhalten. „Bäume sind eine super Klimaanlage“, sagte Marxer. Im Weiherring habe die Gemeinde mit offenen Bodenbelägen experimentiert, die Wasser durchlassen, zusätzlich Bäume gepflanzt und Sitzgelegenheiten in den Schatten gestellt. Vorbildlich seien Nachbargemeinden, die im Zentrum Asphalt aufgebrochen und begrünt hätten – daran wolle man sich messen.

Im Anschluss diskutierten die Besucher mit den Referenten weiter.

hitze.li