Schulstart mit Baustellen, Prüfungen und einem neuen Rückzugsort

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Bildungsminister Daniel Oehry und Eva Meirer, Leiterin Schulamt

Am Montag beginnt für rund 4700 Kinder und Jugendliche das Schuljahr 2026/2027. Regierungsrat Daniel Oehry und die interimistische Schulamtsleiterin Eva Meirer haben am Freitag darüber informiert, was im neuen Jahr ansteht – von zwei Grossbaustellen über eine Ämterprüfung bis zur Anerkennung der Berufsmaturität in der Schweiz.

Die Medienkonferenz fand bewusst nicht im Regierungsgebäude statt, sondern in der Schullagune in Triesen. Das Angebot steht allen Schülern des Schulstandorts Triesen offen und ist als Erweiterung des Lernraums gedacht: Wer im Klassenverband vorübergehend nicht mehr weiterkommt, kann die Situation ausserhalb des Unterrichts aufarbeiten und anschliessend zurückkehren. Fördern und Begleiten auf der einen Seite, Beruhigen und Reflektieren auf der anderen – so umschrieb Oehry die beiden Stossrichtungen des niederschwelligen Angebots.

Die Zahlen zum Schulstart

396 Kinder treten neu in den Kindergarten ein, 379 Schüler besuchen erstmals die erste Primarklasse. In die erste Klasse der Sekundarstufe I starten 373 Jugendliche: 116 in die Oberschule, 162 in die Realschule und 95 ins Liechtensteinische Gymnasium. An der Berufsmaturitätsschule sind es 89 Personen – 37 im berufsbegleitenden und 52 im Vollzeitlehrgang.

Mühleholz und Ruggell im Zeitplan

Die Erweiterung des Schulzentrums Mühleholz in Vaduz kommt planmässig voran. Nach dem Spatenstich im Mai 2023 wurde das „Haus Rot“ im August 2024 bezogen, seit dem Schuljahr 2025 ist das „Haus Weiss“ von Realschule, Oberschule und Sportschule in Betrieb. Derzeit läuft der Bau des „Haus Schwarz“ mit Werk-, Kunst-, Musik- und Gestaltungsräumen, einer Schulküche und einem Fitnessbereich für die Sportschule. Bis Februar 2027 stehen am Standort drei neue Gebäude zur Verfügung.

Auch das Schulzentrum Unterland II in Ruggell liegt im Plan. Die fünf Gebäude – Sekundarschule, Berufsmaturitätsschule und eine grosszügige Sporthalle – sollen im Sommer 2027 in Betrieb gehen. Für die Personalbesetzung gilt ein dreistufiges Verfahren: In den ersten beiden Phasen werden die Stellen ausschliesslich landesverwaltungsintern ausgeschrieben, erst ab Anfang 2027 folgen öffentliche Ausschreibungen. Wer bereits in Liechtenstein unterrichtet, soll zuerst zum Zug kommen.

Schulamt vor doppelter Prüfung

Das Schulamt bleibt in einem umfassenden Weiterentwicklungsprozess. Im November unterzieht die Geschäftsprüfungskommission das Amt einer turnusgemässen Ämterprüfung – die letzte liegt Jahre zurück. Parallel dazu hat der Landtag eine externe Evaluation der Strukturen und Abläufe beschlossen; über den genauen Inhalt und die Partner entscheidet die Regierung in den nächsten Wochen. Oehry sieht in der Kombination beider Verfahren eine Chance: Sie mache sichtbar, welche Qualität im Amt und an den Schulen tatsächlich geleistet werde.

Berufsmaturität wird gegenseitig anerkannt

Ende August unterzeichnen die Regierung und der Schweizerische Bundesrat in Bern ein Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Berufsmaturitätszeugnissen. Es soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten und sichert Liechtensteiner Absolventen den Zugang zum Schweizer Bildungssystem. Für ein kleines Land, das auf Durchlässigkeit und Mobilität angewiesen ist, sei das zentral, betonte Oehry.

Psychische Gesundheit und Lehrplan

Eva Meirer stellte zwei Schwerpunkte des Schulamts vor. Bei der psychischen Gesundheit läuft mit der Fachhochschule Nordwestschweiz eine mehrjährige Pilotphase. Nach dem Start am Liechtensteinischen Gymnasium wurden die Erhebungen auf sämtliche Real- und Oberschulen sowie die Gemeindeschulen ausgeweitet; im laufenden Schuljahr kommen Kindergarten sowie erste und zweite Primarklassen dazu. Eine Arbeitsgruppe entwickelt daraus konkrete Massnahmen für die Schulen.

Fünf Jahre nach seiner Einführung wurde der Liechtensteiner Lehrplan von der Pädagogischen Hochschule Luzern extern evaluiert. Das Bild fällt insgesamt positiv aus: Lebensnahes Lernen, überfachliche Kompetenzen und Bildung für Nachhaltige Entwicklung sind gut verankert. Entwicklungsbedarf zeigt sich bei der kompetenzorientierten Beurteilung – Schüler wünschen sich häufiger transparente Lernziele und nachvollziehbare Kriterien. Auch die individuelle Lernbegleitung soll gestärkt werden.

Kein PISA, dafür Checks

Auf die Frage, warum Liechtenstein der Empfehlung der Stiftung Zukunft.li für einen PISA-Beitritt nicht folge, verwies Oehry auf die bestehenden Checks. Diese erlaubten den Vergleich mit Schweizer Kantonen – für ein Land, das so eng mit dem Nachbarn verflochten sei, das relevantere Instrument. Ein PISA-Beitritt sei derzeit nicht vorgesehen, die Frage werde aber weiter geprüft.

hitze.li