Nigel Farage schlägt „Count Binface“
Der Chef der Partei Reform UK, Nigel Farage, hat die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der Grafschaft Essex mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Er erhielt 22’239 Stimmen. Auf Platz zwei landete der Spasskandidat «Count Binface», hinter dessen Verkleidung sich der britische Komiker Jon Harvey verbirgt. Mit seinem Auftritt als selbst ernannter intergalaktischer Krieger, der einen Mülltonnen-Helm im Darth-Vader-Stil trägt, kam er auf 9455 Stimmen.
Die Nachwahl war von Beginn an ungewöhnlich. Labour, die Konservativen, die Liberaldemokraten und die Grünen verzichteten aus Protest auf eine Kandidatur. Sie warfen Farage vor, die Wahl als politisches Ablenkungsmanöver zu missbrauchen. Trotzdem standen 34 Namen auf dem Stimmzettel – so viele wie noch nie bei einer britischen Parlamentswahl. Die Nachrichtenagentur PA bezeichnete den Urnengang als «eine der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte».
Farage selbst blieb der Auszählung fern und sagte auch seine geplante Siegesrede ab. Als Grund nannte er eine «glaubwürdige Drohung», über die ihn die Polizei informiert habe. Nach Angaben von PA hatte die Polizei von Essex allerdings keinem Kandidaten von einer Teilnahme an der Wahl abgeraten. Farage äusserte sich auf X lediglich mit einem knappen Satz: «Das Ergebnis in Clacton spricht für sich.»
Ausgelöst hatte Farage die Nachwahl selbst. Im Juli legte er sein Mandat nieder, nachdem ein Verfahren wegen eines nicht deklarierten Geldgeschenks von fünf Millionen Pfund bekannt geworden war. Der Betrag war ihm kurz vor seiner Wahl ins Unterhaus im Jahr 2024 zugekommen. Der Beauftragte für parlamentarische Standards nahm daraufhin Ermittlungen auf. Mit Farages Rücktritt wurde das Verfahren vorerst ausgesetzt.
Der Wiedereinzug ins Unterhaus dürfte daran allerdings nur wenig ändern. Mit seiner erneuten Wahl wird die Untersuchung voraussichtlich wieder aufgenommen. Im schlimmsten Fall könnte Farage aus dem Parlament ausgeschlossen werden. Damit würde bereits die nächste Nachwahl in Clacton drohen.
Politisch dürfte sich der riskante Schritt für Farage dennoch auszahlen. Mit seinem Wahlsieg kann er nun argumentieren, dass die Wählerinnen und Wähler von Clacton trotz der Kontroverse hinter ihm und seiner Partei stehen. Reform UK lag in den vergangenen Monaten in mehreren Umfragen vorn und konnte bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai Hunderte Mandate gewinnen.
Zuletzt hat sich der politische Gegenwind für Farage allerdings verstärkt. Seit Andy Burnham im Juli die Nachfolge von Keir Starmer als Premierminister angetreten hat, konnte Labour in den Umfragen wieder Boden gutmachen. Die nächste reguläre Parlamentswahl muss spätestens 2029 stattfinden. Farage fordert jedoch bereits jetzt Neuwahlen.

