Schiffsverkehr am Rhein droht abzureissen
Sechzehn Zentimeter zeigte der Pegel Kaub am Montagmorgen, tiefer stand der Rhein zwischen Koblenz und Wiesbaden noch nie, seit dort gemessen wird. Der alte Rekord aus dem Dürreherbst 2018 lag bei 25 Zentimetern. Er hielt keine zwei Wochen.
Nur sagt dieser Rekord weniger aus, als es scheint. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde weist darauf hin, dass bei Kaub in den Jahren 1921, 1947 und 1953 weniger Wasser durch das Flussbett floss als heute – der Pegelstand ist eben nicht dasselbe wie die Wassermenge. Entscheidend für die Schifffahrt ist ohnehin eine andere Zahl, und die hat sich seit Jahrzehnten nicht bewegt: 1,90 Meter.
So tief ist die Fahrrinne zwischen Budenheim bei Mainz und St. Goar ausgewiesen, zwanzig Zentimeter flacher als flussauf- und flussabwärts. Hier bleiben die Schiffe zuerst hängen. Fällt der Abschnitt aus, ist der Rhein nicht einfach schwerer befahrbar, sondern zweigeteilt: zwei Hälften, die nur noch getrennt bedient werden können, mit den Häfen am Oberrhein auf der falschen Seite.
Soweit ist es nicht. Aber die Betriebe rechnen bereits anders. Nach einer Erhebung der Industrie- und Handelskammern entlang des Flusses sind drei Viertel der Unternehmen betroffen, am Oberrhein meldet jedes fünfte um die Hälfte oder mehr gestiegene Logistikkosten, knapp jedes siebte drosselt die Produktion. Auf dem Wasser fahren Schiffe je nach Ladung mit weniger als einem Viertel der üblichen Menge.
Die Vertiefung dieses Nadelöhrs steht seit dem Bundesverkehrswegeplan 1992 in den Akten, damals eingestuft als vordringlich. Fertig werden soll sie 2033. In der zuständigen Wasserstrassenverwaltung, die den Ausbau planen müsste, sind bereits rund 5000 Stellen weggefallen, bis 2029 sollen weitere acht Prozent folgen.

