Feministinnen streiken für Fristenlösung und besseren Gewaltschutz

"Feministischer Streik" in Vaduz

"Feministischer Streik" in Vaduz

Zum vierten Mal seit 1991 sind in Liechtenstein Menschen für einen feministischen Streik zusammengekommen. Nach 1991, 2019 und 2023 demonstrierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 14. Juni 2026 erneut – unter dem diesjährigen Motto der Solidarität. Getragen wurde der Anlass vom Organisationskomitee gemeinsam mit dem Verein Frauen in guter Verfassung, dem Initiativkomitee „Fristenlösung für Liechtenstein», dem Frauennetz, der Beratungsstelle infra sowie weiteren Organisationen.

Im Mittelpunkt standen drei Hauptforderungen, die nach Darstellung der Organisatorinnen für mehr Selbstbestimmung, Schutz und Gleichstellung sorgen sollen. „Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht».

Erstens verlangt das Komitee die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs: eine Fristenlösung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche, eine ärztliche Versorgung im Inland, die Kostenübernahme durch die Krankenkasse sowie unabhängige Beratungsstellen. Zweitens fordert es einen wirksameren Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt – mit gesicherter Finanzierung von Hilfsorganisationen, einem Notruf- und Krisendienst rund um die Uhr, Schulungen von Polizei und Justiz sowie einer Reform des Sexualstrafrechts nach dem Grundsatz „Nur Ja heisst Ja». Drittens verlangt es eine verbindliche nationale Gleichstellungsstrategie mit messbaren Zielen und ausreichenden Ressourcen.

Einordnung: ein politisch umkämpftes Feld

Die Forderungen sind die Positionen der Veranstalter – und in Liechtenstein seit Jahren politisch umstritten. Beim Schwangerschaftsabbruch stehen sich zwei Grundwerte gegenüber: das Selbstbestimmungsrecht der Frau und der Schutz des ungeborenen Lebens.

Auch die heutige Rechtslage ist differenzierter, als es an der Kundgebung anklang. Seit der Strafrechtsreform von 2015 bleiben im Ausland vorgenommene Abbrüche straffrei; im Inland ist der Eingriff weiterhin strafbar. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten bereits heute bei medizinischer Indikation, nach einer Sexualstraftat oder bei einem Alter unter 14 Jahren. Und mit der Stelle „schwanger.li» besteht ein kostenloses, anonymes Beratungsangebot, das auch über Schwangerschaftsabbrüche informiert.

Die Befürworter halten dem entgegen, dass die Abstimmung 15 Jahre zurückliegt und betroffene Frauen nach wie vor für einen Abbruch ins Ausland reisen müssten, was Kosten, Unsicherheit und Stigmatisierung bedeute.