Cyberangriff auf Liechtenstein – Daten von wirtschaftlich Berechtigten gestohlen

Regierungschefin Brigitte Haas und Fabian Schmid, Leiter Amt für Informatik

Regierungschefin Brigitte Haas und Fabian Schmid, Leiter Amt für Informatik

Unbekannte haben sich widerrechtlich Zugriff auf das Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen (VwbP) verschafft und Datenkopien von rund 31’000 Rechtsträgern abgegriffen. Die Regierung hat einen Krisenstab unter der Leitung von Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler einberufen. Ein Lösegeld wurde bislang nicht gefordert, und es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass die Daten im Darknet aufgetaucht sind.

Der Angriff richtete sich gegen eines der zentralen Register des Finanzplatzes. Nach aktuellem Kenntnisstand bestehen keine Anzeichen dafür, dass Daten im System verändert oder gelöscht wurden. Das Verzeichnis ist über die LLV.li-Website für externe Nutzer vorerst nicht verfügbar.

Wie der Angriff entdeckt wurde

Nach vorläufigen Erkenntnissen verschaffte sich in der Nacht auf den 30. Juli 2026 eine unbekannte Täterschaft auf digitalem Weg widerrechtlich Zugriff auf das VwbP. Im Verlauf desselben Tages fielen einer Mitarbeiterin des Amtes für Justiz bei einer Kontrolle Unregelmässigkeiten auf.

In der Folge wurde das Amt für Informatik hinzugezogen, um den Sachverhalt zu analysieren. Aufgrund des Anfangsverdachts setzte das Amt für Informatik umgehend Massnahmen zur Sicherung der Daten um und nahm das betroffene System vom Netz. Gleichzeitig wurde eine umfassende Analyse eingeleitet.

Am 31. Juli 2026 wurde die Regierung darüber informiert, dass ein potenziell erfolgreicher Angriff stattgefunden hatte. Am Nachmittag des 1. August folgten die ersten bestätigten Ergebnisse der Voruntersuchungen. Diese bestätigten, dass sich die Täterschaft rechtswidrig Zugriff verschaffen und Datenkopien von rund 31’000 Rechtsträgern abgreifen konnte.

Noch am Abend des 1. August 2026 berief die Regierung einen Krisenstab ein, der seine Arbeit unverzüglich aufnahm. Am 2. August 2026 wurde der Krisenstab formell bestätigt. Die Leitung übernehmen Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler.

Oberstes Ziel sei es, den Vorfall so rasch wie möglich umfassend aufzuklären, Betroffene zu informieren und Gegenmassnahmen einzuleiten. Der Krisenstab wird am Montag, 3. August 2026, über die aktuellen Entwicklungen informieren.

Welche Daten sind betroffen

Im VwbP finden sich Angaben zu den wirtschaftlich berechtigten Personen von Rechtsträgern. Nach Angaben an der Pressekonferenz umfassen die betroffenen Datensätze Name, Vorname, Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit der erfassten Personen.

Beim Angriff handelt es sich um eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten gemäss Art. 33 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Gemäss Art. 34 DSGVO sind die betroffenen Personen so rasch wie möglich über die Verletzung des Schutzes ihrer Daten zu informieren; daran arbeitet der Krisenstab.

Als Vorsichtsmassnahme wurden zwei weitere Portale des selben Lieferanten vom Netz genommen. Akitv genutzt ist dies die eMWST. Hier gäbe es aber kein Indizien, dass es zu einem Datenabfluss kam, erklärte Fabian Schmid.

Das Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen

Das VwbP wird zum Zweck der Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung geführt. Es enthält Daten über die wirtschaftlich berechtigten Personen von Rechtsträgern – als solche gelten Gesellschaften, Stiftungen und Treuhänderschaften.

Das Gesetz über das Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen von Rechtsträgern (VwbPG) ist 2021 in Kraft getreten. Damit wurden die Vorgaben der 5. EU-Geldwäscherei-Richtlinie umgesetzt.

hitze.li