Vaduz will wissen, wie seine Einwohner im Alter wohnen möchten

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Die Gemeinde Vaduz startet eine Befragung aller Einwohner ab 18 Jahren zum Thema „Wohnen und Leben im Alter“. An einer Informationsveranstaltung im Rathaussaal erläuterte die Gemeinde am Mittwochabend das Vorhaben – und machte deutlich, dass beim altersgerechten Wohnraum Handlungsbedarf besteht.

Ausgangspunkt ist der demografische Wandel: Der Anteil älterer Menschen nimmt zu, gleichzeitig werden die Haushalte kleiner. Altersgerechter, hindernisfreier und bezahlbarer Wohnraum ist heute nur begrenzt verfügbar. Die Erkenntnisse aus der Umfrage sollen die Grundlage für bedarfsgerechte Angebote bilden und dem Gemeinderat als Entscheidungsgrundlage dienen.

Hindernisfrei bauen nach dem LEA-Standard

Breiten Raum nahm an der Veranstaltung der Baustandard LEA ein, der erste zertifizierbare Standard für hindernisfreies und altersgerechtes Wohnen. Geprüft werden dabei die Umgebung, das Gebäude und die einzelne Wohnung – bis hin zu Details wie der Frage, ob sich in der Wohnung genügend Wendefläche findet, ob Türen problemlos zu öffnen sind oder ob die Wände im Sanitärbereich stabil genug sind, um bei Bedarf Haltegriffe montieren zu können.

Jeder Wohnungstyp wird separat beurteilt und in die Stufen Bronze bis Platin eingeteilt. Der Kriterienkatalog umfasst rund 900 Punkte und stützt sich auf Schweizer Normen und Richtlinien. In Liechtenstein sprechen die Gemeinden Gamprin-Bendern, Ruggell, Schellenberg und Vaduz Fördergelder für Bauten, die nach LEA zertifiziert werden. Auf eine Nachfrage aus dem Publikum wurde präzisiert, dass der Standard das Bauen beurteilt – soziale Konzepte, Betreuung oder Gemeinschaftsangebote sind damit nicht abgedeckt.

Alterswohnung, Servicewohnen, Generationenhaus

Ein zweiter Schwerpunkt galt den verschiedenen Wohnformen, die in der Praxis fliessend ineinander übergehen. Entscheidend sei nicht das Geburtsjahr, sondern die persönliche Situation: Wie selbstständig bin ich? Wie viel Gemeinschaft wünsche ich? Welche Unterstützung brauche ich heute, welche womöglich morgen?

Für die meisten Menschen bleibe das vertraute Zuhause die erste Wahl. Zur Grenze werde es dort, wo das eigene Haus selbst zum Hindernis wird – wenn Wege zu lang, die Lage nicht zentral und soziale Kontakte rar werden. Eine kleinere, zentral gelegene Wohnung könne dann mehr Freiheit bieten als das grosse Haus.

Ausdrücklich gewarnt wurde vor unscharfen Begriffen: Weder „Alterswohnung“ noch „Servicewohnen“ sind geschützt. Eine gute Alterswohnung sei hindernisfrei ausgestattet und zentral gelegen, aber noch kein betreutes Wohnen – Mahlzeitendienste, Notruf oder Pflege müssten zusätzlich organisiert und bezahlt werden. Beim Generationenhaus wiederum leben Jung und Alt in eigenständigen Wohnungen unter einem Dach, ergänzt um Begegnungsräume. Eine Verpflichtung zur Gemeinschaft bestehe nicht, doch dort, wo sich Bewohner aktiv beteiligen, falle die gegenseitige Unterstützung deutlich höher aus.

Standort und Kosten beschäftigen das Publikum

In der anschliessenden Diskussion standen zwei Fragen im Vordergrund. Zum einen der Standort: Erste Planungen und Studien bestehen für ein Areal in der Nähe des Landesspitals. Festgelegt sei jedoch nichts, hiess es seitens der Gemeinde – sollte sich dieser Standort als der falsche erweisen, brauche es eine breitere Evaluation.

Zum anderen die Bezahlbarkeit. Verfüge die Gemeinde über eigenes Land, könne sie etwa über ein Baurecht auf die Wohnkosten einwirken; entsprechende Modelle würden derzeit geprüft. Auch die Dimension des Bedarfs kam zur Sprache: Nach Angaben der Gemeinde bestehen in Vaduz aktuell neun Alterswohnungen sowie zwei Pflegeplätze – bei bereits heute erheblicher Warteliste. Ob am Ende Generationenwohnen, klassische Alterswohnungen oder eine Mischform entstehen, ist offen. Genau diese Frage ist Teil der Umfrage.

Mitreden statt abwarten

Die Botschaft des Abends war entsprechend eindeutig: Nur wer sich einbringt, kann die künftigen Angebote mitprägen. Bereits im Rathaussaal konnten die Anwesenden ihre Ideen und Bedürfnisse auf Stellwänden festhalten. Die eigentliche Befragung richtet sich anschliessend an alle Einwohner von Vaduz ab 18 Jahren.

hitze.li