Schaan gibt dem Riet ein Stück Natur zurück

Vorsteher Daniel Hilti eröffnet den Park im Äscherle

Vorsteher Daniel Hilti eröffnet den Park im Äscherle | Foto: Gregor Meier

Mitten im Siedlungsgebiet hat die Gemeinde eine Fläche so gross wie vier Fussballfelder der Natur überlassen — mit revitalisiertem Bach, seltenen Feuchtwiesen und dem ersten Agroforstsystem Liechtensteins.

Es ist ein ungewöhnlicher Entscheid für eine Gemeinde, die wie alle anderen unter Druck steht: Wo gebaut werden könnte, wird in Schaan nicht gebaut. Nördlich des Werkhofs, am Rand des Siedlungsgebiets, hat die Gemeinde auf knapp 26’400 Quadratmetern den Park im Äscherle realisiert, der heute offiziell eröffnet wurde. «Wir wissen, es wird sehr viel gebaut und sehr viel Land weggenommen», sagte Gemeindevorsteher Daniel Hilti zur Begrüssung. «Wenn man an so einem grossen Stück der Natur etwas zurückgeben kann, dann ist das sehr gut.»

Was früher als Pfaffamadgraben unauffällig durch die Wohnzone verlief, ist heute ein naturnaher Bachlauf mit flachen Ufern, Feuchtwiesen und sogenannten Kolken — Vertiefungen im Bachbett, die Wasserorganismen als Rückzugsorte dienen. Landschaftsarchitektin Catarina Proidl erklärte, was diesen Standort besonders macht: ein ungewöhnlich hoher Grundwasserstand und tiefgründiger Lehmboden, wie er in Liechtenstein kaum vorkommt. Daraus habe sich eine Vegetation ergeben, die in der heutigen Kulturlandschaft fast verschwunden sei — Feuchtwiesen mit seltenen Blumen, Hochstaudenfluren, rund 70 gepflanzte Bäume im naturnahen Bereich, Kirsch- und Weichselalleen am Parkrand. Mehrere Wege erschliessen das Gebiet von beiden Bachseiten, Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein.

Den zweiten Schwerpunkt des Parks bildet ein Innovationsfeld, das es in dieser Form noch nirgendwo im Land gibt: ein Agroforstsystem auf 14’000 Quadratmetern, auf dem Bäume, Sträucher und Ackerkulturen gleichzeitig bewirtschaftet werden. Die Idee stammte von Gerhard Konrad, der die Gemeinde damit überzeugte, etwas zu schaffen, das andere Gemeinden nicht haben. Agraringenieur Klaus Büchel, der das Projekt begleitet, verwies auf den Hintergrund: steigende Ansprüche an Regionalität und Transparenz bei Lebensmitteln, veränderte klimatische Bedingungen, der Druck auf natürliche Ressourcen. Das Agroforstsystem — Bäume spenden Schatten, regulieren den Wasserhaushalt, schützen vor Erosion — sei ein Ansatz, der diesen Herausforderungen begegne und langfristig die Bodenfruchtbarkeit steigere.

Der Weg zur Eröffnung war nicht geradlinig. Der Boden war durch die Bauarbeiten teilweise geschädigt und musste aufwendig rekultiviert werden; der erste Kulturanbau war erst im Herbst 2025 möglich. Heute wächst auf den Ackerstreifen unter anderem Braugerste — aus der laut Büchel rund 4000 Liter Bier produziert werden können.

Was ist Agroforst?

Agroforst bezeichnet eine Landnutzungsform, bei der Bäume oder Sträucher bewusst mit landwirtschaftlichen Kulturen kombiniert werden — auf derselben Fläche, zur selben Zeit. Das Prinzip ist uralt, in der modernen Landwirtschaft aber weitgehend verschwunden.

Wie funktioniert es? Baumreihen werden abwechselnd mit Ackerstreifen angelegt. Die Bäume spenden Schatten, regulieren den Wasserhaushalt im Boden, schützen vor Wind und Erosion und fördern die biologische Aktivität im Boden. Die Ackerstreifen zwischen den Reihen werden regulär bewirtschaftet.

Was bringt es? Agroforstsysteme gelten als resilienter gegenüber Extremwetterereignissen als reine Ackerflächen. Sie bauen Humus auf, speichern Kohlenstoff im Boden und bieten Lebensraum für Insekten und Kleintiere. Gleichzeitig bleibt die Fläche landwirtschaftlich produktiv.

Was wächst im Äscherle? Auf den Ackerstreifen stehen derzeit unter anderem Braugerste, Rebelmais und weitere Kulturen. Die Baumreihen sind mit Obst- und Nussbäumen bepflanzt, deren Früchte später auch direkt gepflückt werden können.

Wie verbreitet ist Agroforst? In Frankreich und Deutschland gibt es bereits grössere Agroforstinitiativen, in der Schweiz wächst das Interesse. In Liechtenstein ist das Projekt im Äscherle das erste seiner Art.

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