Externe Evaluation des Schulamts: Postulat überwiesen
Landtag am 11.6.2026 | Foto: Gregor Meier
Der Landtag hat ein Postulat für eine externe Evaluation des Schulamts mit 15 zu 9 Stimmen an die Regierung überwiesen. Das Postulat wurde von einem parteiübergreifenden Kreis von Abgeordneten eingereicht: Tanja Cissé, Erich Hasler, Carmen Heeb-Kindle, Marion Kindle-Kühnis, Thomas Rehak, Simon Schächle, Roger Schädler, Martin Seger, Achim Vogt und Johannes Zimmermann.
Hauptsprecherin Carmen Heeb-Kindle (VU) erläuterte die Stossrichtung des Postulats: Es gehe weder um Kritik an einzelnen Personen noch am Bildungsminister, sondern um eine sachliche Standortbestimmung. „Gerade weil Bildung für unser Land von so zentraler Bedeutung ist, erachten wir es als sinnvoll, die bestehenden Strukturen von Zeit zu Zeit zu überprüfen.» Die Evaluation solle aufzeigen, wie Aufgaben zwischen Schulamt und Schulen verteilt sind, wo Entscheidungswege effizienter gestaltet werden könnten und wie die Schulen besser unterstützt werden können. Als zweite Forderung verlangten die Postulanten, dass die Evaluation konkret aufzeige, wie die angestrebte Schulautonomie gestärkt werden kann.
Erich Hasler (DpL) unterstrich die Dringlichkeit: „Schulen müssen gestalten können, nicht nur verwalten. Schulleitungen müssen führen können, nicht nur ausführen.» Er kritisierte, dass Lehrpersonen zunehmend Zeit mit administrativen Abläufen verbringen würden, die eigentlich den Kindern gehören sollte. Als Beispiel nannte er das grosse Digitalisierungsprojekt LISA des Schulamts, das zeige, wie wichtig klare Verantwortlichkeiten und transparente Abläufe seien.
Aktueller Kontext: Interimistische Leitung seit Mai
Die Debatte fand vor dem Hintergrund der jüngsten personellen Entwicklungen im Schulamt statt. Die bisherige Amtsleiterin steht nicht mehr zur Verfügung; seit dem 4. Mai 2026 führt eine interimistische Leitung das Amt. Marion Kindle-Kühnis (DpL) sah darin gerade jetzt eine Chance: „Personelle Wechsel müssen auch als Chance für Neuanfänge gesehen werden.» Eine externe Evaluation könne in diesem Moment besonders wertvoll sein, weil sie ohne Kenntnisse der Vergangenheit eine objektive Analyse vornehmen könne.
Eine interne Erhebung mit rund 45 Schulamtsmitarbeitern allein greift für Johannes Zimmermann (VU) zu kurz. Ohne externe Evaluation würden die rund 700 Lehrpersonen des Landes aussen vor gelassen, obwohl gerade sie als Basis entscheidende Perspektiven einbringen könnten.
FBP und FL mehrheitlich dagegen
Die FBP-Fraktion lehnte das Postulat ab. Fraktionssprecher Johannes Kaiser verwies darauf, dass die Regierung bereits reagiert habe: Mit der interimistischen Leitung sei die Handlungsfähigkeit gesichert worden, erste Prozessverbesserungen seien angestossen, und die Geschäftsprüfungskommission (GPK) habe eine Ämterprüfung für November vorgesehen. „Es ist nicht sinnvoll, parallele Prozesse aufzubauen, die am Ende dieselben Fragen prüfen, zusätzliche Ressourcen binden und die Verwaltung weiter belasten.»
Sandra Fausch (FL) schloss sich dieser Skepsis teilweise an. Die interimistische Leitung brauche zunächst Zeit und Ruhe, um das Amt zu stabilisieren. Zudem sah sie die Schulautonomie als problematische Prämisse: Dieser Begriff sei in der Vergangenheit sehr unterschiedlich interpretiert worden und solle nicht zur Vorbedingung einer Evaluation gemacht werden. Manuela Haldner-Schierscher (FL) hielt den Wettbewerbsgedanken im Bildungsbereich grundsätzlich für kontraproduktiv – gerade in Liechtensteins kleinräumigen Strukturen.
Regierung: «Kein Aktionismus»
Bildungsminister Daniel Oehry bat den Landtag, nicht in Aktionismus zu verfallen. Das Schulamt befinde sich bereits in einem laufenden Veränderungsprozess: Strukturen würden geklärt, Verantwortlichkeiten neu geordnet. „Zu diesem jetzigen Zeitpunkt würden Sie diesen Prozess eher überlagern als unterstützen.» Gleichzeitig räumte er ein, dass die Fragen des Postulats grundsätzlich berechtigt seien, und überliess dem Landtag die Entscheidung, ob nebst der GPK-Prüfung noch eine externe Evaluation nötig sei.
GPK-Präsident Simon Schächle (DpL) stellte klar, dass die Ämterprüfung im Herbst nicht mit einer umfassenden externen Evaluation gleichzusetzen sei. Der halbtägige Besuch der GPK könne zwar wichtige Hinweise liefern, aber keine breit abgestützte Standortbestimmung unter Einbezug aller Lehrpersonen leisten. Er habe in den vergangenen Tagen zahlreiche Anrufe erhalten, bei denen das Wort Angst gefallen sei – ein Zeichen dafür, wie stark das Thema die Schulfamilie beschäftige.
Nach einer langen und teils hitzigen Debatte stimmte der Landtag der Überweisung des Postulats mit 15 zu 9 Stimmen zu. Die Regierung muss nun prüfen, wie und in welcher Form eine externe Evaluation des Schulamts umgesetzt werden kann.

