Zehnmal mehr Erdmandelgras als erwartet: Landtag bewilligt Millionenkredit für SZU II
Baustelle SZU II in Ruggell | Foto: Gregor Meier
Eine invasive Pflanze, die bis zu 15’000 Ableger pro Jahr bildet, hat eine Schulbaustelle in eine Kostenfalle verwandelt. Der Landtag hat am Donnerstag einstimmig einen Ergänzungskredit von 2,6 Millionen Franken für den Neubau des Schulzentrums Unterland 2 in Ruggell genehmigt – die Debatte zeigte aber: Hinter dem Ja steckte erhebliche Kritik an der ursprünglichen Planung.
Infrastrukturminister Daniel Oehry erklärte das Ausmass des Problems in nüchternen Zahlen. Als 2019 der Verpflichtungskredit gesprochen wurde, rechnete man mit rund 2’500 Kubikmetern neophytenbelastetem Aushubmaterial. Heute sind es 25’000 Kubikmeter – das Zehnfache. Hauptverursacher ist das Erdmandelgras, eine äusserst aggressive invasive Pflanze.
Der Preisunterschied in der Entsorgung ist happig: Normales Aushubmaterial kostet rund 25 Franken pro Kubikmeter. Neophytenbelastetes Material hingegen schlägt mit rund 90 Franken zu Buche. Die Folge: Aus der ursprünglichen Bauherrenreserve wurden bereits 2,2 Millionen Franken für Aushub, Transport und Deponiegebühren aufgewendet. Die Reserve ist dadurch auf 0,7 Prozent des Gesamtkredits geschmolzen – bei einem Neubau empfehlen Fachleute mindestens 10 Prozent. Das Projekt hatte von Beginn an lediglich 6 Prozent Reserve eingeplant. Der Gesamtkredit beläuft sich indexiert auf 74,4 Millionen Franken.
Ohne den Ergänzungskredit drohte ein Baustopp, der den geplanten Einzug zum Schuljahr 2027/28 gefährdet hätte. Oehry war unmissverständlich: „Für mich gibt es diesen Plan B nicht.“ Ein Einzug mitten im Semester sei für Schulen, Lehrpersonen und Schüler unzumutbar.
Planungsfehler oder unvorhersehbarer Zufall?
Mehrere Abgeordnete übten scharfe Kritik. Martin Seger (DpL) wies darauf hin, dass die schwierigen Bodenverhältnisse und der hohe Grundwasserspiegel in Ruggell seit Jahren bekannt seien. „Heute bezahlen wir Millionenbeiträge für genau jene Probleme, die am Standort vorhersehbar waren“, sagte er. Erich Hasler (DpL) nannte es ein Planungsdebakel, dass die Erdbebensicherheit nachträglich hätte nachgebessert werden müssen. Weshalb das Erdmandelgras nicht vor Baubeginn erkannt worden sei, wollte Simon Schächle (DpL) wissen. Auch für ihn wäre es im Internet leicht erkennbar gewesen „Auf Google sieht man die roten Markierungen. Hat man das vor einem Riesenprojekt nicht geschaut?“
Franziska Hoop (FBP), , unterstützte den Kredit, hielt aber fest: Die Entscheidung, eine Dreifachturnhalle mit Nasszellen unter Terrain zu bauen, überzeuge sie bis heute nicht.
Neophyten: Ein Problem für alle
Regierungschefin-Stellvertreterin Sabine Monauni nutzte die Debatte, um auf die gesamtgesellschaftliche Dimension hinzuweisen. Studien aus der Schweiz belegen Ertragseinbussen von 40 Prozent bei Kartoffeln und 60 Prozent bei Zuckerrüben durch Erdmandelgras. Seit 2018 gibt es ein liechtensteinisches Neophyten-Konzept, seit 2022 eine spezifische Erdmandelgrasverordnung. „Wir sind noch nicht dort, wo wir sein sollten“, räumte Monauni ein. Erich Hasler regte an, Komposterde systematisch auf keimfähige Samen zu untersuchen. Thomas Rehak hob hervor, dass die wenigsten Einwohner Erdmandelgras überhaupt erkennen würden.
Der Ergänzungskredit wurde einstimmig bei 25 Anwesenden genehmigt.

