Hausdurchsuchung bei Goldhändler TGI AG in Vaduz

Liechtensteinische Staatsanwaltschaft

Gebäude der Liechtensteinischen Staatsanwaltschaft

Die Ermittlungen gegen den umstrittenen Vaduzer Goldhändler TGI AG nehmen an Fahrt auf. Wie das Vaterland unter Berufung auf die liechtensteinische Staatsanwaltschaft berichtet, kam es am Dienstag zu einer Hausdurchsuchung in den Geschäftsräumen der TGI AG im Städtle in Vaduz.

Ermittelt wird wegen des Verdachts auf gewerbsmässigen schweren Betrug sowie auf Geldwäscherei. Konkret beziehen sich die Ermittlungen auf §§ 146, 147 Abs. 3 und 148 StGB (gewerbsmässig schwerer Betrug) sowie auf § 165 Abs. 1, 2 und 4 StGB (Geldwäscherei) und Art. 245 Abs. 1 lit. a BankG. Beim Fürstlichen Landgericht werden laut Vaterland Vorerhebungen gegen mehrere Verdächtige geführt. Grundlage dafür bilden Sachverhaltsdarstellungen der Finanzmarktaufsicht FMA.

Behörden schreiten ein

Die Hausdurchsuchung ist der vorläufige Höhepunkt einer Reihe von Massnahmen gegen die TGI AG. Mit Verfügung vom 26. Mai 2026 ordnete die FMA die sofortige Einstellung des Vertriebs und des öffentlichen Angebots der drei Produkte „Customer Basic 2 %», „Sales Premium» und „Sofortrabatt» an. Der Grund: TGI betreibt damit das Einlagengeschäft ohne die dafür erforderliche FMA-Bewilligung – eine Bewilligung, über die das Unternehmen nach Angaben der FMA für keinerlei regulierungspflichtige Tätigkeit verfügt. Zudem wurde TGI verpflichtet, die entgegengenommenen Gelder binnen vier Monaten zurückzuerstatten. Die Verfügung ist sofort vollziehbar, jedoch noch nicht rechtskräftig. Bereits am 22. April 2026 hatte die FMA öffentlich vor der TGI AG gewarnt. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte den Vertrieb der TGI-Produkte in Deutschland ebenfalls bereits verboten.

Rabattversprechen unter Beschuss

Das Geschäftsmodell der TGI AG sorgt seit längerer Zeit für Aufsehen: Das Unternehmen wirbt mit Rabatten von 72 Prozent und mehr auf Goldkäufe – allerdings mit einer Lieferwartezeit von 36 Monaten. Kritiker bezeichnen das Modell als dubios.

Vergangene Woche lud die TGI-Führung rund 2 000 Kunden zu einer Videokonferenz ein. Geschäftsführer Mark Bogen, Marketingmanager Manuel Ried und Inhaber Helmut Kaltenegger versuchten dabei, die Kunden zu beruhigen, und rieten entgegen der FMA-Verfügung von einer Rückabwicklung ab. Stattdessen wollten sie eine Vertragsneuerung sowie neue „Mega-Modelle» anpreisen, die den deutschen und liechtensteinischen Regularien entsprechen sollen. Gegenüber dem österreichischen Kurier hatte Kaltenegger kurz zuvor noch erklärt, man wolle sich schrittweise vom deutschsprachigen Markt zurückziehen – ein Widerspruch, der das Bild eines in sich unschlüssigen Unternehmens weiter trübt.

Stellungnahme angekündigt

Die TGI AG hat für Freitag eine offizielle Stellungnahme angekündigt. Bis dahin bleibt offen, wie das Unternehmen auf die Hausdurchsuchung und die laufenden Vorerhebungen reagieren will. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.